Ein Meisterdieb geht nie in den Ruhestand

12 Jun

Jean Salviati hat seine Tochter seit Jahren nicht gesehen. Das liegt daran, dass Lina seit Jahren ein Zigeunerleben führt und von Casino zu Casino und von Bar zu Bar vagabundiert. Der Kontakt ist aber auch deshalb abgebrochen, weil Salviato sich in ein abgelegenes Dorf in der Provence zurückgezogen hat und dort als Gärtner ein gepflegtes Rentnerdasein führt. Als seine Tochter in Schwierigkeiten gerät – das bleibt angesichts zahlreicher wenig erfolgreicher Casino-Besuche nicht aus – muss der unwillige Vater feststellen, dass sich Bankräuber nie wirklich zur Ruhe setzen. Denn das ist Jean Salvati, ein Meisterdieb außer Dienst.

Ein raffinierter Coup im Tessin

Für seine Tochter plant der Ganove mit einer Vorliebe für zarte Knospen und Petanque noch einmal einen Coup und versammelt dazu eine ungewöhnliche Crew, der sich unter anderem auch Privatdetektiv Elia Contini anschließt. Schließlich geht es darum, das Töchterein aus den Händen eines wahrhaft miesen, was Menschenleben betrifft, deutlich skrupellosen Schurken zu befreien.
Andrea Fazioli schickt in „Die letzte Nacht“ seinen Privatdetektiv Contini bereits zum zweiten Mal in den Kampf gegen das Böse. Mehr als nur heimlicher Hauptdarsteller ist jedoch der Senior-Ganove Jean Salviati, den mit Contini trotz sehr unterschiedlicher Positionen im Rechtssystem eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet.
Fazioli hat mit seinem neuesten Fall einen überaus unterhaltsamen Krimi abgeliefert, der weniger durch drängende Hochspannung oder innovative Sprache begeistert, sondern eher durch den liebevolle Umgang mit seinen Darstellern und die genaue Beschreibung der Orte. Das wirkt auf angenehme Weise beinahe betulich. Insofern passt „Die letzte Nacht“ als leichte, aber keinesfalls platte Lektüre gut ins Urlaubsgepäck für den Sommer.

 

Tatort:Tessin

Andrea Fazioli, Jahrgang 78, lebt im Tessin. Das merkt man seinen Krimis an. Die Schweizer Bergwelt als Kulisse für den großen Coup fügen sich unauffällig aber dennoch präsent ins Gesamtwerk ein. Der Autor verwendet viel Mühe darauf, abgelegene Gehöfte in schroffen Bergtälern, pittoreske Dörfer und das beinahe mediterrane Lugano zu beschreiben. So wird das Tessin neben dem eigentlichen heimlichen Hauptdarsteller zur zweiten wichtigen „Figur“ der „letzten Nacht.
Andrea Fazioli, „Die letzte Nacht“, btb, 9,99 €
VÖ: Juni 2011