Eine meisterliche Skizze afrikanischer Hoffnungslosigkeit

19 Jun

Es ist wahrlich keine schöne Welt, in die Roger Smith seine Leser mitnimmt. Das Südafrika Smiths wird von korrupten Politikern, mordgierigen Polizisten, rassistischen weißen Farmern und brutalen Stammeskriegern bevölkert. Es handelt sich dabei um das Südafrika der Gegenwart, nicht um jenes der Apartheid – wobei, wenn man dem Autor glauben darf, sich nicht viel geändert hat seit jenen Tagen.

Eine Orgie von Elend und Gewalt

Der 51-jährige Smith hetzt in „Staubige Hölle“ ein außerordentlich heruntergekommenes Ensemble aufeinander. Der arbeitslose Journalist Robert Dell muss sich einer blutrünstigen Mordbande erwehren, die von dem Zulu-Kämpfer Inja angeführt wird. Offiziell ist dieser Polizist, Sonderermittler gar, eigentlich ist er jedoch drogensüchtig, Bandenchef und Auftragskiller. Hilfe bekommt Dell nach dem brutalen Mord an seiner Frau und seinen beiden Kindern ausgerechnet von seinem Vater. Dieser hatte lange Zeit im Gefängnis gesessen, weil er einst für die CIA, Vertreter der Apartheid, rassistische Weiße im Kampf gegen die neue Ordnung unterstützt hatte – und an dessen Händen jede Menge Blut klebt.
Zu behaupten, dass sich Dell und sein Vater beim Versuch, sich gegen die Verfolger zu Wehr zu setzen, zusammenraufen, wäre eine positive Umschreibung, für die Smith keinen Raum lässt. Der Autor bietet seinen Figuren – genau wie seinen Lesern – keine Hoffnung. „Staubige Hölle“ führt mitten ins finstere Herz Afrikas. Die lakonische Schilderung einer Orgie der Gewalt, des Elends lässt erahnen, warum der Kontinent so gar nicht auf die Beine kommt.

Ein spannender Krimi mit apokalyptischer Grundstimmung
Smith führt seinen Leser in eine deprimierende Welt in neben der Gewalt nur noch Aids und Drogen das Leben bestimmen – und hat dabei einen enorm spannenden Krimi geschrieben, der trotz oder vielleicht gerade wegen seiner apokalyptischen Grundstimmung extrem fesselt. Smith und die beiden Übersetzer Jürgen Bürger und Peter Torberg haben dabei eine Sprache gefunden, die in ihrer Gradlinigkeit besticht und das Szenario extrem glaubwürdig beschreibt.
Wer in seiner Lektüre auf eine heile Welt hofft, auf einen auch nur ansatzweise positiven Ausgang der Ereignisse, der sollte seine Finger von der „Staubigen Hölle“ lassen. Allen anderen sei sie wärmstens empfohlen.

 

Tatort:Südafrika

Wie ein guter Maler nur wenige Striche aufträgt, um den Charakter einer Landschaft zu skizzieren, so benötigt Roger Smith nur sehr wenige Worte für sein Südafrika. Dennoch wird dank der präzisen, eindringlichen Sprache die unerträgliche Hitze, der Dreck, das Elend der Townships sehr schnell beinahe körperlich fühlbar. Smith nimmt seine Leser auf einen Trip mit, der weit weg von den modernden Metropolen der Fußball-WM hin in das von allem Fortschritt abgeschnittenen Hinterland führt, ins Zululand. Dort, so wird schnell deutlich, haben sich die schlechtesten Bräuche der Stämme mit den miesesten Einflüssen der westlichen Welt zu einer ungesunden, explosiven Mischung verbunden haben.
Das südafrikanische Tourismusministerium, die Fremdenverkehrsverbände werden Roger Smiths desillusioniertes Bild von Südafrika nicht mögen, vermutlich hat er aber – so steht zu befürchten – mit seinen Skizzen der Hoffnungslosigkeit neben einem fiktionalen Krimi ein treffendes Gemälde einer Region, vermutlich eines ganzen Kontinents geschaffen.
Roger Smith, „Staubige Hölle“, Tropen, 19,95 €
VÖ: Juni 2011