Berliner Orte für Krimifans: Drei Tipps und eine Liste

26 Aug

Berlin bietet zahlreiche geeignete Schauplätze für Krimihandlungen. Hier drei ganz persönliche Berlin-Tipps: Außerordentliche Orte, die sich zum Schauen und Wohlfühlen eignen – und die sich Krimi-Freunde auch als Kulisse für finstere Szenen denken können. Für Berlin-Besucher, die keine Lust haben, dicke Reiseführer zu wälzen, außerdem noch eine Liste mit besprochenen Krimis aus der Stadt, auf deren Spuren sich möglicherweise ganz neue Berlin-Perspektiven ergeben.

 

Gewöhnungsbedürftige Schönheit: Der Gesundbrunnenkiez

Schön geht anders. Rund um das ultramoderne Gesundbrunnen-Center gruppieren sich Berliner Wohnhäuser aus der Gründerzeit und typische architektonische Scheußlichkeiten der sechziger und siebziger Jahre. Ein buntes Völkergemisch treibt sich auf den Straßen. Zumindest an sonnigen Wochenendtagen scheint die multikulturelle Idee hier noch zu funktionieren. Es gibt unter anderem türkisch, vietnamesisch und polnisch besiedelte Straßenzüge, was sich auch in Geschäften und Restaurants niederschlägt. Das Gesundbrunnenviertel, Bestandteil des Arbeiterviertels und Armenquartiers Wedding, ist ein Kiez von Gegensätzen: Islamische „Kultur“-Vereine, in denen sich streng gläubige Moslems treffen wechseln sich in den Fassaden mit Wettbüros in denen allerlei zwielichtiges Volk auf Pferde und Fußballteams aus aller Welt setzt. Auch die Döner-Bude und die heruntergekommene Hertha-Eckkneipe leben in einem Kiez dessen Bewohner zum größten Teil Migrationshintergrund haben, in friedlicher Koexistenz. Letztlich hat sich das Gesundbrunnenviertel, das einst als Amüsierviertel ums Sophienbad entstand, seinen Charakter bis heute bewahrt. Hier steht vermutlich auch die Wiege des leicht prolligen, latent großmäuligen und  gelegentlich  halbseidenen Berlins.

 

Das Neue Museum ist das perfekte Labyrinth für Regentage

Das Neue Museum: Es gibt in Berlin eigentlich nichts, was nicht benörgelt wird: Das gilt auch für das Neue Museum – und vor allem für seine Sanierung. Dabei ist dem Architekten David Chipperfield schlicht eine sensationelle Rekonstruktion des in der Blütezeit des deutschen Klassizismus vom Architekten Friedrich August Stühler entworfenen Baus gelungen. Der Architekt hat dort, wo nichts mehr stand, sehr moderne, schlichte Elemente eingesetzt und gleichzeitig die Reste des ursprünglichen Baus erhalten. Das gilt auch für Wandverzierungen und Farben. Wer sich ein wenig für Geschichte und alte Kulturen interessiert, kann an verregneten Herbsttagen sich stundenlang in den verschiedenen Ausstellungsräumen verlieren – auch ohne sich durch die Menschentrauben in Nofretetes Wohnzimmer zu schieben.

 

Poserfreie  Zone: Das Prater-Restaurant

Der Prater: Im Sommer wird es im Prater schon mal unerträglich- wie eigentlich beinahe überall, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Im Sommer ist der Prater Biergarten, obgleich mit großer Tradition, doch meist vom üblichen Neuberliner Volk belagert. Ständig gut gelaunte Agentur-Kreative mit Iphone und sorgfältig zurückgegeltem Haar rangeln mit alternativen Kampfmuttis mit Designerkinderwagen um die besten Plätze an den Biertischen. Dazwischen verlieren sich gelegentlich noch alte Ost-Intellektuelle, die alles besser wissen.

Im Winter jedoch bleibt der Biergarten dunkel. Den Eingang zum Prater-Restaurant erhellen allein die Sterne und der Barackenartige Holzbau strahlt insbesondere an frostigen Abenden ein altmodisch-warmes Licht aus. Im Innern setzt sich der Eindruck fort. Der Innenraum mit Einrichtung und Charme eines gründerzeitlichen Bahnhofs widerstand bislang jeglichen Moden und kommt ohne jeden Designer-Schnickschnack aus.

Die Speisekarte ist schlicht, das Essen solide, aber wenig aufregend. Es ist ein Ort für Gespräche oder zum Nachdenken, kein Raum für Poser oder Romantiker. Genau das macht den Prater so angenehm.

 

tatort:berlin

Kommissar Bernie Gunther muss sich wieder Bösewichter aus der Nazi- und der Nachkriegszeit auseinandersetzen.  Dazu kehrt er in „Mission Walhalla“ nach längerer Zeit wieder in seine Heimatstadt Berlin zurück.

Philip Kerr, Mission Walhalla, Wunderlich, 19,95 €

 

Kreuzberg und Neukölln sind das Jagdrevier des Federmannes, einem psychisch gestörten Serienmörder.  Max Bentow setzt die Hatz auf den kranken Geist fesselnd in Szene

Max Bentow, Der Federmann, Page&Turner, 14,99€

 

Uwe Klausner hat rund um den Bau der Berliner Mauer einen Roman geschrieben, der versucht, Geschichtsbuch und Thriller zugleich zu sein. Zumindest das erste gelingt dem “Kennedy-Syndrom“ gelegentlich recht unterhaltsam

Uwe Klausner, Kennedy-Syndrom, Gmeiner, 11,90 €

 

Die junge Notärztin Ella Bach wird zu einem Einsatz in Kreuzberg gerufen. Dort findet sie schwer misshandelte Frau. Doch es gibt keine „Erlösung„. Im Krankenhaus kommt ihr die Patientin abhanden. Bei der Suche begibt sich die Nachwuchsärztin in Gefahr.

C.C. Fischer, Erlösung, Blessing, 19,95 €

 

Erich Kästner schrieb ein Kinderbuch und schuf einen Krimi-Klassiker. In „Emil und die Detektive“ jagen Berliner Pennäler einen gemeinen Gangster, der das Landei Emil Tischbein gemein bestohlen hatte. Der Kinderkrimi hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Erich Kästner, Emil und die Detektive; Dressler Verlag, 12 €