Hercule Poirot, ein genialer Ermittler mit kleinen Schwächen

2 Nov

Der Mann hat es wirklich nicht leicht. Permanent wird er für einen Franzosen gehalten. Sein heiß geliebter Schnurrbart ist regelmäßig Gegenstand des Spotts, seine elegante und penibel gepflegte Erscheinung wird viel zu oft ignoriert. Außerdem hat der Privatdetektiv eine Dienstzeit auf den Buckel, die jedem verbeamteten Polizisten die Tränen in die Augen und gewerkschaftlichen Beistand an die Seite treiben würde.

Belgischer Polizist im Exil
1920 löste Hercule Poirot seinen ersten Fall, erst 1975 endete die Serie seiner Abenteuer mit seinem Hinscheiden: Es ist dabei keineswegs so, dass der Mann seinen ersten Auftritt als jugendlicher Heißsporn hingelegt hätte. Die Kriegswirren trieben den Belgier ins Exil nach England. Seine neue Heimat betrat er, so wollte es Agatha Christie, die sich den schrulligen Detektiv erdachte, als Polizeibeamter mit bereits legendärem Ruf.

Ermittler mit makelloser Bilanz
Angesichts einer solchen Lebensleistung könnte man der Versuchung  erliegen, Poirot zu bedauern. Das aber würde der findige Detektiv empört zurückweisen. Abgesehen von seinem Bart ist der Belgier nämlich in erster Linie auf seinen Verstand stolz und auf seine makellose Bilanz beim Überführen allerlei durchtriebener Verbrecher.

Viel Gefühl für Gerechtigkeit
Wer Hercule Poirot einmal bei seinen Ermittlungen begleitet hat, wird über dessen kleinere allzu menschlichen Schwächen hinwegsehen, denn er fesselt seine Begleiter mit seinem scharfen Blick für die Details, dem genauen Gehör für die Lücken in Aussagen und einer schier unglaublichen Kombinationsgabe,  aus allen Fakten die wichtigen und damit die richtige Lösung herauszufinden.

Bei aller unerbittlichen Suche nach der Wahrheit bewahrte sich der Belgier dabei jedoch immer eine tiefe Menschlichkeit und ein untrüglichem Gefühl für Gerechtigkeit.

Weltruhm für Hercule Poirot
Hercule Poirot sorgte nicht nur für seinen eigenen Weltruhm. Er bescherte Agatha Christie den Beginn einer Weltkarriere – und das in mehreren Schritten.  Ihr Erstling „Das fehlende Glied in der Kette“, in dem zugleich Hercule Poirot seinen ersten Auftritt hatte, machte sie bekannt, „Alibi“ von  1926 sicherten ihr die Gunst der weltweiten Kritik, spätestens „Mord im Orientexpress“ von 1934 und „Tod auf dem Nil“ von 1937 verhalfen dem literarischen Duo zu unsterblichen Weltruhm – auch weil sich Hollywood diesen beiden Stoffen jeweils in absoluter Starbesetzung annahm.

Wenig Talent für Bescheidenheit
Es wäre interessant gewesen, zu beobachten wie Hercule Poirot mit seinem Hang zur Eitelkeit mit dem medialen Rummel um seine Person umgegangen wäre. Vermutlich, so bleibt zu hoffen, hätte ihn das nicht wesentlich verändert.  Vielleicht hätte er mit leicht glänzenden Augen in einer nur mäßig dezenten Bewegung über seinen Schnurrbart gestrichen, die Umwelt mit einer geistreichen Bemerkung in gewohnter Unbescheidenheit über seine Brillanz informiert – und sich dann noch wieder kopfüber in die nächste Ermittlung gestürzt, um Wahrheit und Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.