Arno Strobel liefert eine furiose Jagd auf einen Serienmörder

11 Feb

Eine junge Frau wird vermisst. Es fehlt jede Spur von der Tochter eines Hamburger Zeitungsverlegers. Die Sonderkommission kommt bei den Ermittlungen nicht wirklich voran – bis eine weitere junge Frau ein Päckchen erhält. Der Absender hat offenbar auf menschlicher Haut Teile eines „Romans“ geschrieben. Die Polizisten ahnen, dass das nicht gut ausgehen kann.

Ein Rennen gegen die Zeit

Die Hamburger Kommissare Andrea Matthiessen und Stephan Erdmann müssen erkennen, dass für sie ein klassisches Rennen gegen die Zeit begonnen hat, denn der Täter folgt einem fest gefügten Muster – und tatsächlich häufen sich sowohl Entführungs- als auch Mordfälle. Die Ermittlungen werden nicht leichter, weil die Polizisten von einem fiesen Vorgesetzten schikaniert werden, was geordnete Polizeiarbeit nicht gerade einfach macht.

Ein Roman im Roman von Arno Strobel

Arno Strobel hat sich die Geschichte ausgedacht und eine „Roman im Roman“-Handlung konstruiert. Der Mörder folgt der Anleitung des Schriftstellers Christoph Jahn. Dessen Buch, wie auch Strobels Roman heißen „Das Skript“. Obgleich die Idee nicht ganz neu ist und insbesondere im Film vermutlich bereits hundertfach umgesetzt wurde, funktioniert die Grundidee sehr gut. Strobel hat einen außerordentlich dichten Kriminalroman erdacht, der mit einem furiosen Auftakt den Leser in die Seiten zieht und bis zum Schluss nicht mehr loslässt.

Strobel hat eine spannende Jagd in einer Handlung aufgeschrieben, die zwar wenig Seitenstränge oder falsche Fährten enthält, aber mit unaufhaltsamer Wucht auf einen action-geladenen Show-Down zusteuert.

Ermittler mit Konturen und Tiefe

Der gebürtige Saarländer hat überdies in seinem „Skript“ ein gleichermaßen sympathisches wie glaubwürdiges Ermittlerteam versammelt. Er verleiht dem handelnden Personal Konturen und Tiefe, ohne gleich deren gesamtes Innenleben auszubreiten. Das schafft eine unaufdringliche Nähe, den Beschreibungen eines unmenschlichen, raffinierten Serienmörders werden so fehlbare, aber engagierte Ermittler entgegengesetzt, die Bindung schaffen.

 

Tatort:Hamburg

Arno Strobel ist Saarländer, arbeitet in Luxemburg und lebt in Trier. Für seinen Roman „Das Skript“ hat er sich in Hamburg herumführen lassen. So fallen gelegentlich Straßennamen, Stadtviertel und markante Plätze, insgesamt bleibt die Hansestadt Hamburg jedoch blass. Strobel hat einen Kriminalroman geschrieben, der mit wenigen Suche&Ersetze-Befehlen beliebig gesamten deutschen Sprachraum „versetzt“ werden könnte. Das ist schade, weil Krimileser, die einen interessanten Tatort zu schätzen wissen, zu kurz kommen, aber andererseits auch unwichtig, weil das Skript als tempogeladener Thriller auch ohne lokale Verankerung gut funktioniert.

Arno Strobel, Das Skript, Fischer, 382 S., 8,99€

VÖ: 6. Februar 2012