Ursulas Poznanskis Fünf: Eine gradliniger, gelungener Thriller

17 Feb

Geocaching ist ein Spiel des 21. Jahrhunderts. Vor allem Besitzer von Smartphones oder GPS-Geräten begeben sich mit großer Begeisterung auf die moderne Schnitzeljagd, bei der das High-Tec-Spielzeug den Jäger auf weniger Meter genau zu Zielkoordinaten führt. Dort angekommen müssen Auge und Verstand ganz altmodisch Verstecke erspähen und Rätsel lösen, um an einen „Schatz“ zu gelangen.

Leichenteile in der „Schatztruhe“
Ein harmloses Spiel? Nicht in Salzburg. Dort legt ein ein besonders perfider Geist raffiniert Spuren und schickt die Polizei auf eine Jagd. Beatrice Kaspary und ihre Kollegen müssen schnell feststellen, dass die „Schatztruhen“ Leichenteile enthalten und die Suche nach Geocaches keinesfalls der persönlichen Belustigung dient, sondern immer wieder aufs Neue Menschenleben auf dem Spiel stehen. Lange kommt die Kommissarin bei ihren Ermittlungen nicht voran – und als sie denkt, sich dem Täter zu nähern, muss sie aufpassen, nicht selbst zur Beute zu werden.

Eine neue Ermittlerin mit „Dienstsitz“ Salzburg
Die Österreicherin Ursula Poznanski hat der schönen Stadt Salzburg eine neue Ermittlerin spendiert. Ihre Beatrice Kaspary ist eine sympathische Polizisten, allerdings hat ihre Schöpferin der armen Frau einiges Gepäck aufgehalst, neben dem Leben als berufstätiger alleinerziehender Mutter, muss sie noch einen gekränkten und deshalb latent bösartigen Exmann, einen fies-drangsalierenden Chef und ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit ertragen. Zu den großen Stärken von „Fünf“ zählt die Leichtigkeit, mit der die Autorin all das erzählt. Die Kaspary hat es schwer, aber das erfährt man beinahe beiläufig, ohne aufdringliche Betroffenheitsrethorik. Im Fokus steht jederzeit, wie sich das für einen ordentlichen Kriminalroman gehört, die Verbrecherjagd.

Ursula Poznanski treibt ihren Plot mitreißend voran
Den Kriminalfall rund um die tatsächliche Jagd durch Salzburg und sein Umland sind als gradliniger, überaus spannender Psychothriller aufgeschrieben. Ursula Poznanski verzichtet auf jegliche Mäzchen und treibt den Plot mit einer einfachen aber mitreißenden Sprache voran. Da dürfte sie von ihrer Erfahrung als Jugendbuchautorin profitieren: Ihre bisherigen Bücher sind ähnlich verdichtet geschrieben und zurecht preisgekrönt. Sie selber sagte in einem Gespräch, dass sie eine „Sogwirkung erzielen wollte. Das ist ihr außerordentlich gut gelungen.

Viele falsche Fährten und eine gelungene Mörderjagd
Anhänger ausgiebiger philosophischer und gesellschaftspolitischer Betrachtungen und kunstvoll gedrechselter Satzkonstruktionen werden vermutlich diese von der Autorin bewusst einfach gewählte Sprache kritisieren, aber Freunde eines rasant erzählten Thrillers werden die literarische Atemlosigkeit zu schätzen wissen. Wie bei einem guten Geocache versteht Poznanski es zudem, bis zum Schluss falsche Fährten zu legen und den Leser bei der Mörderjagd in die Irre zu legen. Dass sie zudem, bei der Auflösung weitgehend auf eine Erklärung psychologischer Beweggründe des Täters verzichtet, erscheint zunächst irritierend, im nachhinein aber durchaus passend. „Fünf ist so kein sehr tiefschürfender, aber ein intelligent konstruierter, mitreißender Psychothriller und ein überaus gelungenes Krimi-Debüt.

 

Tatort:Salzburg

Zu Beginn des Jahres 2012 sind eine Reihe von Krimis erschienen, die beinahe schon eine pan-europäische Dimension besitzen. Mit wenigen Suche&Ersetze-Befehlen wären die Romane problemlos von einer europäischen Stadt in die nächste zu versetzen: Das galt für Arno Strobels „Das Skript“, Kristina Ohlssons „Aschenputtel“ – und das stimmt auch für Ursula Poznanskis „Fünf“. Das ist von der Autorin beabsichtigt und insofern gut, weil die ausufernde Flut von Regionalkrimis der vergangenen Jahre beinahe schon nervtötend war, das ist aber auch schade, weil der Leser, der einen gut beschriebenen Tatort zu schätzen weiß, etwas zu kurz kommt. Wer also Salzburg noch nicht besucht hat, wird kaum erfahren, dass die Stadt tatsächlich in den Alpen liegt und von hohen Berggipfeln umschlossen scheint. Auch die Stadt selber wird von Felsformationen unterbrochen. Direkt über der Altstadt blickt beispielsweise die Feste Hohensalzburg auf verwinkelte Gassen, mittelalterliche Häuser und die flott fließende Salzach.

Ursula Poznanski, Fünf, Wunderlich, 381 S., 15,95€
VÖ: 16. Februar