Jeffery Deaver lässt James Bond einen gemeinen Müllmann jagen

28 Feb

Dieses Mal geht die Reise nach Serbien, Dubai und Südafrika. Exotische Ziele sind für den ordentlichen Spionage-Thriller mindestens genau so wichtig, wie fantasievoll erdachte Waffen, schöne Frauen und abgefeimte Schurken mit dem Drang, die Welt zu vernichten.

Der neue James Bond, der ja traditionell so eine Art global agierender Handlungsreisender in Sachen Geheimniskrämerei ist, macht da keine Ausnahme. Der US-Autor Jeffery Deaver wurde gebeten die Vorlage für das jüngste 007-Abenteuer zu verfassen. Echte Fans können also jetzt schon lesen, was dem britischen Geheimagenten in der nächsten Verfilmung widerfahren wird.

Product-Placement jetzt auch im Buch

Zunächst zum unangenehmen Teil: Das Product-Placement hat jetzt auch in die Literatur Einzug gehalten. Vermutlich haben die Produzenten des Filmes eine unauffällige Mail mit Kooperationspartnern an den Krimi-Autoren geschickt: Jedenfalls finden sich wahrscheinliche und unmögliche Produkte ausgiebig benannt und beschrieben. Freunde der Abteilung Q werden beispielsweise vergeblich auf fantasievoll erdachte Fortbewegungsmittel hoffen, die raffiniertesten Tricks finden im Inneren eines Telefons US-amerikanische Herkunft statt.

James Bond ist erwachsen geworden

Die nächste „Enttäuschung“: James Bond scheint erwachsen geworden, beziehungsweise im 21. Jahrhundert angekommen. Der Agent nimmt Frauen ernst, weiß ihre beruflichen Qualitäten zu schätzen und reflektiert (!), ob er eine Frau, die er attraktiv findet, auch tatsächlich verführen soll. (soweit, dass er mit dem Versuch scheitern könnte, reicht der Fortschritt selbstverständlich nicht.)

Da der Roman zumindest als Vorlage für ein Drehbuch gedacht ist, nehmen – ungewöhnlich für Jeffery Deaver – „Action-Szenen“ einen breiten Raum ein. Ausführlich kann der Leser Zweikämpfen Bonds mit allen möglichen Waffen und Nahkampftechniken gegen erst unüberwindbar scheinende, aber dann doch zu bezwingende Bösewichte folgen. Das geht, obwohl dicht geschrieben, zu Lasten des Tempos.

007 muss nach Dubai und Kapstadt

Zum Plot ist nicht viel zu sagen. Der zentrale Gegenspieler Bonds ist, so scheint es, harmlos im Recycling-Business. Das zumindest ist eine hübsche Idee. Der potentielle Gutmensch als durchtriebener Bösewicht. Kleine Puzzlestücke deuten darauf hin, dass ein gewaltiger Anschlag bevorsteht, und James Bond wird von „M“ damit beauftragt, den Urheber aufzuspüren und aufzuhalten. Das gelingt nach Abenteuern in Dubai und Kapstadt, bei denen Bond erkennen muss, dass er es mit einem überaus raffinierten Gegenspieler zu tun hat, der an alle Eventualitäten zu denken scheint und deshalb lange nicht zu fassen ist.

Jeffrey Deaver sprüht wieder vor guten Ideen

Hier liegen Stärken des Bond-Thrillers: Jeffrey Deaver recherchiert sehr genau, sprüht meistens vor guten Ideen und versteht es beinahe unerreicht, einen spannenden, immer wieder überraschende Wendungen bereit haltenden Plot zu konstruieren. Zuletzt ließ er beispielsweise per Stromkabel morden.

Bei allen Merkwürdigkeiten, die die Wiederaufarbeitung eines hinlänglich bekannten Serienhelden mit Wurzeln in den sechziger Jahren mit sich bringt, ist es Jeaffrey Deaver tatsächlich gelungen, eine spannende Fortsetzung zu erzählen, die zudem einige neue, wenn auch ungewöhnliche Facetten des Superagenten im Einsatz ihrer britischen Majestät bereit hält.

Tatort:Südafrika

Natürlich ist London die Heimat von 007, aber sein Arbeitsplatz ist die Welt. Als Spion kommt James Bond herum. Neben dem Auftakt in Serbien und einem Intermezzo in Dubai spielt der neue Bond vor allem in Südafrika, genauer gesagt in Kapstadt und seiner Umgebung. Mit wenigen Worten skizziert Deaver die südafrikanische Gesellschaft, Strukturen und Probleme eines Landes im Wandel. Wer eine tiefgründige Analyse erwartet und sich über oberflächlich hingeworfene, grob gezeichnete Schraffuren ärgert, hat vermutlich Recht, sollte sich aber fragen, ob ein James-Bond-Roman für ihn die richtige Lektüre darstellt. 007 ist schließlich kein Erdkundelehrer. Wer sich mit solcherlei Gedanken nicht aufhält, wird sich gleichermaßen informiert wie unterhalten fühlen…

 Jeffery Deaver, Carte Blanche, Blanvalet,544 S., 14,99€

VÖ: 27. Februar 2012