Max Bentow schreibt gut, aber bei sich selber ab

7 Aug

Der Kommissar hat massive Probleme. Er laboriert noch an einer Verletzung, die er sich beim seinem letzten spektakulären Fall zuzog, er hat Schwierigkeiten, seine Dienstwaffe abzufeuern und er wird nachhaltig von schweren Panikattacken gejagt.  Es ist, kurz gesagt, ein Rätsel, wie Nils Trojan diensttauglich geschrieben werden konnte. Da der Berliner Polizist eine Romanfigur ist, geht das aber schon mal.

Max Bentow lässt mit Bauschaum morden

Der Versuch der Reintegration ins Arbeitsleben wird jedoch durch eine neue Mordserie unterbrochen. Ein perfider Mörder erschleicht sich das Vertrauen junger Frauen, lockt sie in ihr Verderben und tötet sie, indem er sie in einen Kokon aus Bauschaum hüllt. Nils Trojan erkennt schnell Parallelen zu einem Fall aus der Vergangenheit, bei dem der Täter seine Opfer ebenfalls in einem Sarkophag aus dem klebrigen Baumaterial grausam ersticken ließ. Das Problem: Der damals Verdächtige kam bei einer Verfolgungsjagd ums Leben, kommt also für die jüngsten Taten nicht in Frage. Es beginnen mühsame Ermittlungen und der getriebene Kommissar begibt sich einmal mehr in Gefahr.

Interessantes Personal

Eigentlich hat Max Bentow mit seinem zweiten Kriminalroman nach „Der Federmann“ alles richtig gemacht. Auch „Die Puppenmacherin“ ist spannend erzählt, folgt einem krimi-tauglich komplexen Plot und nimmt hinreichend überraschende Wendungen. Auch das Personal aus Opfern, Verdächtigen und Zeugen ist interessant ausgewählt und gezeichnet.

Leider entwickeln sich die eigentlichen Hauptfiguren nicht weiter. Nils Trojan kämpft weiter gegen seine Panikattacken, um den Zugang zu seiner Tochter und die Beziehung zu seiner Therapeutin Jana Michels. Genauer gesagt scheint sich der Kommissar im Kreis zu bewegen: Nun könnte man sagen, so ist eben das Leben, aber auch in der Kriminalliteratur freut man sich doch über Fortschritt.

Kopie eines Erfolgsrezeptes

Ein wenig kommt so der Eindruck auf, als habe Max Bentow sein persönliches Erfolgsrezept für einen Krimi gefunden und einfach kopiert. Das ist geschäftstüchtig, trägt aber nicht sehr weit (zumal das Thema – ein wahnsinniger Massenmörder – ebenfalls aus dem Erstling übernommen wurde). Das Gesamtbild des zweiten Falls um den Berliner Kommissar stellt sich also zwiespältig dar. So spannend die Puppenmacherin erzählt ist – spätestens beim nächsten Band, sollte es eine weiter Fortsetzung geben, würde man dann doch eine neue Idee, einen weiteren Einfall erwarten.

 

Tatort:Berlin

Wie schon im ersten Band radelt der Kommissar wieder durch Berlin, bewegt sich dabei aber überwiegend in der südlichen Hälfte der Stadt. Interessant dabei ist, dass die unsichtbare Linie, die weniger Ost und West, als vielmehr Nord und Süd trennt, sich auch in der Kriminalliteratur wiederfindet. Der Innenstadtgürtel mit Bürotürmen und Einkaufsstraßen der sich von Ku’damm über Potsdamer Platz und Unter den Linden bis zum Alexanderplatz zieht, wirkt wie ein Deich zwischen Nord und Süd. Nur selten gelangen die Bewohner der jeweiligen Hälften auf die andere Seite.

Max Bentow, Die Puppenmacherin, Page&Turner, 382 S., 14,99€, VÖ: Juli 2012