Der Regler kämpft sich durch ein wüstes Konglomerat an Ideen

21 Okt

Man muss die Grundidee mögen, dann funktioniert es vielleicht. Gabriel Tretjak mischt sich auf Wunsch ins Leben seiner Kunden ein und manipuliert es derart gründlich, dass Probleme verschwinden und die Zukunft optimiert wird. Die Kundschaft ist vielschichtig: Eine Astrophysikerin, die versucht, die Zeit aufzuheben oder Kinder von Nazis, die ihr Vermögen retten wollen. Man merkt schon, es ist eine merkwürdige Mischung, die sich der Autor, der sich hinter dem Pseudonym Max Landorff verbirgt, ausgedacht hat.

Ein massiver Eingriff in das Leben des „Reglers“

In seinem zweiten „Fall“, der erste war ein Bestseller, soll Tretjak eben jener Astrophysikerin am Cern im Genf helfen, da sie anonym bedroht wird. Der umtriebige Mann schlüpft in die Rolle der Unglücklichen, die natürlich nicht nur Opfer ist, und macht sich an die Arbeit. Weit kommt er nicht, weil er selber ins Visier eines Unbekannten gerät, der seinerseits versucht das Leben des „Reglers“ so die Arbeitsbezeichnung Tretjaks, nachhaltig zu verändern, final oder tödlich, um genau zu sein.

Ein Krimi an der Oberfläche

„Die Stunde des Reglers“ ist der zweite Roman über Gabriel Tretjak – und für mich funktioniert die Idee des Reglers, so reizvoll sie in der Theorie scheint, nicht. Der Kriminalroman ist einfach furchtbar überfrachtet, eine Physikerin, die die Zeit umkehren will, eine christlich-fundamentalistische Geheimorganisation, die genau das verhindern will, manipulierte oder ermordete Ex-Geliebte, bösartige Nachkommen von Nazigrößen , ein nicht therapierbarer Protagonist mit komplexer Familiengeschichte und ein geheimnisvoller Rächer. Man kommt kaum hinterher, so oft wechseln die Themen: Das muss natürlich oberflächlich und damit noch unglaubwürdiger als erwartbar bleiben: Das kann man lesen, das kann man mögen, nachdenken sollte man über das Konglomerat der Ideen, das ein höchst artifizielles Universum schafft, besser nicht. Man kommt dann recht schnell zum Schluss, dass die Grundidee nicht funktioniert.

 

Tatort:Europa

In der „Stunde des Reglers“ häufen sich die Ideen – und damit die Einfälle. Einen wirklichen Tatort gibt es damit nicht, die Protagonisten kommen herum. Der Autor beschäftigt sich ausgiebiger lediglich mit einer kleinen Berghütte im italienischen und einem Krankenhaus. Es sind dies jedoch, eher Mikro-Orte, die nur wenig Rückschlüsse auf real existierende Orte zulassen.

Max Landorff, Die Stunde des Reglers, Scherz, 351 S., 14,99 €,

VÖ: September 2012