Kommissare oder Karikaturen? Stephan Ludwig sollte sich entscheiden

13 Jan

Die österreichische Krimi-Schriftstellerin Ursula Poznanski hat in einem Interview einen einfachen, aber wahren Satz über glaubwürdige und mitreißende Ermittler gesagt.“ Man muss ihnen zutrauen, dass es sie es am Ende hinbekommen“. Bei Claudius Zorn, aber auch seinem Partner sind da erhebliche Zweifel angebracht. Zorn ist eine Erfindung von Stephan Ludwig, in Halle lebender Autor.

Claudius Zorn, äußerlich wie innerlich ungeschickt

Ludwig beschreibt seinen Ermittler als wenig motiviert, kleingeistig und äußerlich wie innerlich ungeschickt. Zwar wird „Vom Lieben und Sterben“ meist aus der Perspektive Zorns erzählt, aber den Autoren hat offenbar die Lust an der Groteske zu sehr gereizt. Jedenfalls schwankt die Einschätzung des Lesers häufig zwischen Depp und Held, überflüssig zu sagen, dass der Zeiger meistens Richtung Depp weist. Folgerichtig basieren die „Ermittlungserfolge“ meist auf Zufällen.

Ein ergreifender Plot um Kindesmissbrauch

Der Fall, durch Zorn und sein Kompagnon Schröder stolpern, hat es in sich. In der ansonsten verschlafenen Provinzstadt sterben unvermittelt Teenager. Genauer gesagt werden sie beinahe schon bestialisch hingerichtet. Dass um Missbrauch geht , kann der Leser, angesichts der Tatsache, dass die Opfer sich seit Kindheitstagen kannten, schnell ahnen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt, jedoch nicht. Die Konstruktion des Plots ist Ludwig überaus gut gelungen. Und so ist „Vom Lieben und Sterben“, der zweite Fall des Duos, nicht wegen, sondern trotz seiner Ermittler ergreifend und bis zum Schluss einigermaßen spannend. Und wenn sich Ludwig irgendwann entscheiden kann, ob seine beiden Hauptdarsteller Karikaturen oder Kommissare sind, kann die neue Reihe tatsächlich, wie auf dem Umschlag angekündigt, Kultstatus erlangen. So reiht er sich trotz einiger guter Ideen nur im unteren Mittelfeld der Neuerscheinungen ein.

Tatort:Provinz

So ganz genau ist nicht zu erkennen, wo die Zorn-Reihe spielt, aber Vieles spricht für die ostdeutsche Provinz. Das wird aus dem Umfeld der Ermittler deutlich, die – wenn ihnen nicht gerade ein Mordopfer vor die Füße fällt, sich um Betrug am Pfandautomaten oder Einbrüche bei Kleingärten kümmern müssen.  Insgesamt bleibt aber die Stadt als Tatort einigermaßen blass.

Stephan Ludwig, Zorn, vom Lieben und Sterben, Fischer, 367 S., 8,99€, VÖ: November 2012