Patrick Woodhead führt seine Leser mitten ins Herz der Finsternis

10 Feb

Verbrechen zahlt sich nicht aus. Das ist die wichtigste Erkenntnis der meisten Kriminalromane und Thriller. Das gilt auch für „Der Weg ins Dunkel“ von Patrick Woodhead. Der Mann macht das in seinem Thriller schon sehr  früh klar – auch ohne es explizit zu schreiben. Dass man die insgesamt 413 Seiten bis zum verdienten Ende der Schurken dennoch mit größtem Vergnügen liest, liegt daran, dass Woodhead den „Guten“ auf dem Weg zum Happy End so manchen groß dimensionierten Stein in den Weg legt.

Eine Hetzjagd durch den Kongo

Der Leser folgt Luca Matthews und Beatrice Makuru auf ihrem Weg. Ersterer ist desillusionierter, nach einem Unglück verbitterter Bergsteiger, letztere Geologin im südlichen Afrika. Beide treffen aufeinander, als Matthews in den Kongo reist, um einen verschollenen Freund zu suchen, ein für Afrika nicht ganz unbekanntes Thema. Beide werden unfreiwillige Reisegefährten und mit ihrem Flugzeug über dem Kongo-Fluss abgeschossen. Es folgt eine Hetzjagd durch den Dschungel, bei der die wahnsinnigen, durch Drogen manipulierten Kindersoldaten der Lords Resistance Army, rassistische Fremdenlegionäre, chinesische Mafiosi, die CIA und allerlei anderes zwielichtiges, man ist geneigt zu sagen, Gesindel eine Rolle spielen und dabei Matthews und Makuru das Leben für einen Thriller angemessen schwer machen.

Patrick Woodhead beschreibt mit seinem Thriller ein verlorenes Land

Man erkennt, das ist eine Schwäche von „Der Weg ins Dunkel“, bereits auf den ersten Seiten, dass erstens der Freund gerettet, zweitens eine gemeine Verschwörung aufgedeckt wird und dass drittens eine zarte Liebe entstehen wird. Gelegentlich liest sich Woodhead so, als habe er Hollywood und die Filmrechte, die ein drehbuchreifer Thriller ermöglichen, fest im Blick. Dennoch macht das Buch Spaß. Das liegt daran, dass die Figuren bei aller Vorhersehbarkeit gut erdacht sind, das liegt aber in erster Linie am Schauplatz. Woodhead schafft es Kongo so zu schildern, wie man sich das „Herz der Finsternis“ wie die Region seit mittlerweile Jahrhunderten genannt wird, vorzustellen wagt. Woodheads Kongo ist mindestens so verloren, wie die spärlichen Nachrichten von der Südhalbkugel das andeuten. Hier herrschen Apathie, Korruption, das Recht des Stärkeren und immer wieder grauenerweckende, sinnlose Gewalt. Diesen Schrecken, das überflüssigen, furchtbaren Sterben schildert Woodhead eindringlich. Und allein deshalb lohnt sich das Buch.

 

Tatort:Kongo

Undurchdringlicher Dschungel, ein einsamer, todbringender Vulkan, eine abgelegene Siedlung, in der Korruption, Prostitution, Gewalt und windige Geschäfte den Alltag bestimmen, sind die Schauplätze von „Der Weg ins Dunkel“ Der Buchtitel stimmt. Am Boden des dichtbewachsenen Urwaldes nahe des Kongo-Flusses erwärmtbei aller Gluthitze der Tropen kaum ein Lichtstrahl den Menschen, der sich dorthin verirrt hat. Die größte Bedrohung ist aber auch hier der Mensch. Woodhead beschreibt in seinem Thriller die politische Lage eines Landes, das keine Stabilität finden will, auch weil  – da bedient sich Woodhead der Realität – ausländische Mächte auf der Suche nach günstigen Rohstoffen mit den unappetitlichsten Partnern ins Bett steigen. Beim Tatort Kongo hat sich Patrick Woodhead für seine Fiktion sehr eng an die Wirklichkeit gehalten. Vermutlich musste er, so gruselig seine Schilderungen sind, das Schlimmste noch weglassen.

Patrick Woodhead, Der Weg ins Dunkel, Rowohlt, 413 S., 9,99€

VÖ: Januar 2013



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