Jaden E. Terrell beobachtet Nashvilles „Mitternachtsseelen“

3 Mrz

Der junge Josh hat es nicht leicht. Kaum jemand traut ihm über den Weg. Seine Eltern nicht, die wenig Verständnis für sein Leben als Goth und noch viel weniger für seine Affäre mit einem deutlich älteren Mann haben. Dass Freunde abrücken scheint weniger schlimm, als die Tatsache, dass die Polizei ihm einen Mord an eben jenem älteren Ex-Geliebten vorwirft. Am aller wenigsten vertraut und schätzt sich Josh selber. Er überlebt nur knapp einen Selbstmord. Immerhin hat er so viel Verstand, sich an seinen Onkel zu wenden. Dieser, Jared McKean ist erstens Privatdetektiv und zweitens bereit, über alles Grenzen für seinen Neffen zu kämpfen.

Ein Mord in der Goth-Szene

McKean sieht nur einen Weg, seinen Neffen zu schützen – er muss den wahren Mörder finden. Der Detektiv, der nach streng-bürgerlichen Maßstäben selber nur eher mühsam durchs Leben findet, macht sich auf die Suche und taucht tief in die Gothic-Szene ein und muss sich mit allerlei merkwürdigen Typen auseinandersetzen. Nicht aller seiner neuen „Freunde“ sind harmlos. Irgendjemand stört sich an den Ermittlungen und legt McKean unter anderem eine hochgiftige Klapperschlange ins Auto. Das soll nicht der einzig Anschlag auf den Mann bleiben…

Jaden E. Terrell hat einen sympathischen Detektiv erfunden

Jared McKean ist eine Erfindung der US-Amerikanerin Jaden E. Terrell. „Mitternachtsseelen“ heißt der neue, zweite Band aus der Serie um den Privatdetektiv, der seine Kreise in Nashville zieht. Ihr neues Buch ist kein herausragender, aber ein sehr solider Krimi, der so spannend konstruiert ist, dass der Leser der Handlung gerne bis zum Ende folgt. Terrell hat auch ausreichend überraschende Wendungen erdacht, die für ausreichend Abwechslung sorgen. Dazu kommt, dass man die Figur des gescheiterten Mannes, der sein Geld als zynischer, aber im tiefsten Inneren naiv ans Gute glaubender Privatdetektiv verdient, gerne mag, auch wenn das seit den Urvätern Sam Spade oder Philip Marlowe wahrlich kein neuer Charakter ist. Insofern ist „Mitternachtsselen“ gelungene Krimi-Unterhaltung.

Tatort:Nashville

Nashville hat seinen Ruf weg. Es ist die Zentrale der Country-Musik in den USA. Beinahe alle Größen der Szene leben hier, auch der große Johnny Cash verbrachte den wichtigsten Teil seines Lebens hier. Nicht alle mögen die Musik der Stadt, und auf Dauer höhlt das Mainstream-Gedudel vermutlich auch die härtesten Gehörgänge aus. In „Mitternachtsseelen“ spielt die Musik allerdings keine Rolle. Jaden E. Terrell  schildert eine Südstaatenmetropole, die auf eine gewisse Weise typisch amerikanisch ist, im Prinzip aber weitgehend gesichtslos bleibt. Die Frage ist, hat sie damit nicht-country-hörenden Krimi-Lesern einen Gefallen getan, oder eine Chance ausgelassen, seinem Krimi noch mehr Profil zu geben?

Jaden E. Terrel, Mitternachtsseelen, Rowohlt, 334 S., 9,99

VÖ: Februar 2013



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