Margie Orfords Galgenberg: Starke Themen, durchsichtiger Plot

17 Mrz

Es gibt Ortsnamen, die eine eigentümliche Faszination ausüben, weil sie klingend auf eine bewegte Geschichte hindeuten. Gallows Hill im südafrikanischen Kapstadt gehört zweifelsfrei dazu. Am Fuße dieses Galgenbergs werden, so will es die Autorin Margie Orford, hunderte Skelette aus der Zeit britischer Herrschaft gefunden, aber eben auch ein Skelett, dass so gar nicht in den historischen Kontext passen will. Bei den Ausgrabungen werden Überreste einer jungen Frau ausgegraben, die höchstens zwanzig bis dreißig Jahre tot sein kann.

Zwei Ermittler im Kampf gegen korrupte Politiker

Captain Riedwaan Faizal und Profilerin Clare Hart stoßen auf den Fall und schliddern schnell in ein gewaltiges Schlamassel. Die Leiche liegt ausgerechnet auf einem Gelände, auf dem eine, man muss es wohl so nennen,  Bande korrupter Geschäftsleuten, Politikern und Unterweltgrößen profitabel (und unter Umgehung der Gesetze) bauen will. Ermittlungen der Polizei sind da nicht besonders willkommen. In mühseliger Kleinarbeit findet vor allem Clare Hart zunächst die Identität der Leiche, setzt dann Stück für Stück das Leben der Frau zusammen und zeichnet so den Weg nach, der zu dem Mord führte,

Margie Orfords Galgenberg ist als Krimi nur teilweise gelungen

„Galgenberg“ heißt der mittlerweile vierte Fall, den Margie Orford ihre beiden Ermittler lösen lässt. Offen gestanden ist das Lesevergnügen eher zwiespältig. Die Themen, die die Südafrikanerin wählt, sind spannend. Die aufgewühlte Geschichte ihres Landes bildet einen mehr als farbigen, bewegten Hintergrund für ihren Kriminalroman. Orford verwendet  die Korruption der aktuellen herrschenden Kaste, die Gräuel des späten Apartheit-Regimes, die Sklavenhaltergesellschaft des 19. Jahrhunderts in ihrem Roman und verwendet dabei berührende und  mitreißende  Episoden der Geschichte ihrer Heimat. Gleichzeitig aber legt sie in der Handlung allzu offensichtliche Spuren – und Krimis, die allzu vorhersehbar sind, verlieren schnell jede Spannung. Auch verliert sich die Lösung im Banalen. Insofern kann „Galgenberg“ über die „Nebenthemen“ zwar fesseln, als Krimi aber nicht wirklich überzeugen.

 

Tatort:Kapstadt

Die Ermittlungen führen die Polizisten an alle möglichen Plätze  Kapstadts, vom Villenviertel bis zum Slum, wirklich nahe kommt die Stadt trotz präziser Ortsangaben dem Leser jedoch nicht. Margie Orford wirft einen eher distanzierten Blick auf die Stadt am Kap der Guten Hoffnung. Etwas präziser wird der Blick bei einer Landpartie des Detektivs. Hier zeigt sie die Weite, die Einsamkeit, aber auch die fortbestehende Zerrissenheit des Landes, und die Gewalt, die Südafrika noch immer dominiert. Hier reicht sie beinahe an die großartigen Schilderungen ihres Kollegen und Landsmannes Roger Smith heran, der in Staubige Hölle wahrhaft großartige Skizzen  seiner Heimat gezeichnet hat.

Margie Orford, Galgenberg, Blanvalet, 414 S., 14,99€

VÖ: März 2013



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