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Robert Ellis Todesakt: Ein Krimi für Vielflieger – spannend aber schlicht

Neulich hat ein US-amerikanischer Wissenschaftler mit beinahe ehrfürchtig gesenkter Stimme von einem wissenschaftlichen Buch erzählt, das so gut sei, dass es sogar an den Flughäfen verkauft worden sei. Die Flughafenbuchhandlung ist das amerikanische Äquivalent der guten alten deutschen Bahnhofsbuchhandlung. Beide führen ein literarisches Sortiment, dass in vollen Zügen oder engen, wackeligen Flugzeugen leicht konsumiert werden kann. In den USA ist das eine Auszeichnung, hierzulande eher eine herablassende Abwertung.

Ein gerechter Mord in Todesakt?

Nun kann also jeder daraus machen, wenn was er will, wenn ich Robert Ellis „Todesakt“ als typischen Flughafenkrimi einschätze. Es geht um eine schöne, toughe Mordermittlerin in Los Angeles, die einen Doppelmord aufklären muss. Die Opfer: Ein dubioser Nachtclubbesitzer und ein mutmaßlicher Vergewaltiger und Mörder.  Letzterer soll die Tochter seines Nachbarn, die 16-jährige Lily Hight umgebracht haben, wurde aber in einem umstrittenen Prozess freigesprochen.

Kein Interesse an ernsthaften Ermittlungen

Die schöne und toughe Detektivin, Lena Gamble, beginnt zu ermitteln und muss schnell feststellen, dass den Opfern niemand wirklich eine Träne nachweint. Nach Meinung der Öffentlichkeit, ihrer Kollegen und ihrer Vorgesetzten hat es die Richtigen erwischt. Akte zu und fertig. So einfach macht es sich Gamble natürlich nicht und schaut genauer hin – natürlich zu Recht.

Robert Ellis schreibt spannend, aber ohne Tiefgang

Robert Ellis hat einen spannenden Thriller geschrieben, mit einem interessanten Plot und hohem Tempo. Wer fliegt oder mit der Bahn reist, wird auf unkomplizierte Weise unterhalten, muss aber in Kauf nehmen, dass die Protagonisten eher schlicht erdacht sind, Männer haben grundsätzlich volles Haar und einen durchtrainieren Körper (es sei denn sie hätten die Rolle des komischen Sidekicks) und beim weiblichen Personal lösen die männlichen Hauptdarsteller mindestens zwei bis drei Mal je Roman wahlweise kribbeln oder brennen oder sonstwas in der Brust und zwischen den Beinen aus. Wer auf intelligente, differenzierte Figurenzeichnung mit Tiefgang Wert legt, wird in der Flughafenliteratur meistens eher enttäuscht. Das muss ja aber kein Makel sein. Im reichhaltigen Krimi-Universum freut man sich ja gelegentlich, wenn man einfach nur unkompliziert und spannend unterhalten wird. Das ist dann ja auch gut.

 

Tatort: Los Angeles

Es gibt Stereotypen im US-amerikanischen Krimis. So kann man davon ausgehen, dass jemand, der in einem schwarzen Lincoln Towncar vorfährt, entweder Mafiaboss oder korrupter Bürgermeister ist oder sonstwie ein gespaltenes Verhältnis zu Recht und Ordnung hat. Krimis, die in Los Angeles spielen, bieten eine relativ einheitliche Unterbringung des Ermittlers. Meist wohnt das Personal in leicht heruntergekommenen Häusern in den Bergen, über der Stadt, aber mit traumhaften Blick über die See – kurz der perfekte Ort um Selbstzweifel, gemeine Vorgesetze und gescheiterte Beziehungen in einem Meer aus Alkohol und Selbstmitleid zu ertränken. Robert Ellis „Todesakt“ macht da keine Ausnahme. Ansonsten bleibt der Tatort Los Angeles eher blass, aber das passt zur Action-getriebenen Konstruktion vieler US-Thriller.

Robert Ellis, Todesakt, Goldmann, 344 S.,9,99

VÖ: April 2013





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