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Kylie Brant schreibt Romantic Suspense, leider ohne jede Vorwarnung

Es ist immer wichtig, das Kleingedruckte zu lesen. In diesem Fall habe ich das getan, aber leider erst ganz zum Schluss, als ich etwas über die Autorin Kylie Brant erfahren wollte, die den „Thriller“ „Knochenzeichen“ geschrieben hat. Auf einer der letzten Seiten, kurz vor der Werbung fürs Verlagsprogramm, ist eine Kurzbiographie abgedruckt. Gleich der erste Satz gibt es Preis: „Kylie Brant ist eine erfolgreiche Autorin von Romantic Suspense. Wenn man das nur vorher gewusst hätte.

Kylie Brants Helden haben das Happy End fest im Blick

Romantic Suspense meint offenbar, dass es in erster Linie darum geht, dass Protagonistin und ihr potentieller Partner erstens völlig unterschiedlich sind, zweitens das halbe Buch umeinanderkreisen und drittens irgendwann dann doch miteinander im Bett landen, was dann  entsprechend plastisch beschrieben wird. Natürlich gibt es Verwicklungen und am Ende ein Happy End.

Superfrauen, Supermänner, Supersex?

Romantic Suspense bedeutet aber bei genauem Lesen auch, dass mindestens ein halbes Jahrhundert feministischer Bestrebungen in die Tonne getreten wird. Offenbar sucht Frau, wenn man Frau Brant Glauben darf, am Ende des Tages doch nur den animalischen Einzelgänger mit militärischem Hintergrund, der mit einigen wenigen gezielten Griffen an die richtigen Stellen, die zu finden nicht besonders viel Fantasie erfordert, „Blitze des Verlangens durch die Adern“ (nicht meine Worte!) zu schicken vermag. Die Frau, die sich dem Ganzen beglückt hingibt, ist übrigens ehemaliges Supermodel mit zwei akademischen Graden (in forensischer Anthropologie und Molekularbiologie). Außerdem ist sie supersportlich und kann schießen. (kein Druck an dieser Stelle auf die meisten normalen Frauen, also) Auf dem Niveau bewegt sich „Knochenzeichen“ beinahe durchgehend.

Perfide Morde als notwendige Nebensache im Krimi

Dass im abgeschiedenen Oregon irgendein Wahnsinniger scheinbar wahllos Menschen umbringt, von Käfern auffressen lässt und die Knochen dann in Höhlen versteckt, gerät da beinahe zur Nebensache. Und das – wer Knochenzeichen dennoch lesen will, sollte jetzt  unbedingt wegklicken – die Täter ein schwules Paar sind, passt irgendwie ins Weltbild von Kylie Brant. Immerhin ist das Ganze allen hanebüchenen Gesellschaftsentwürfen zum trotz rein handwerklich gut gemacht. Bei allem inneren Kopfschütteln, vermag das Buch zu fesseln, ungefähr so, wie eine Folge „Let’s dance“ oder eine dieser zahllosen Castingshows in die man unversehens reinzappt und von denen man sich dann nur schwer wieder lösen kann.

Tatort:Oregon

Der US-Bundesstaat Oregon hat den Ruf einer abgelegenen Ecke der USA. Das bestätigen die Beschreibungen Brants. Grundsätzlich scheint das Naturparadies am Rande der Weltmacht als Tatort für einen Thriller perfekt geeignet. Mitten ins Urlauber-Idyll ein abgründiges Verbrechen abzulegen, ergibt ein reizvolles Thema. Man muss Brant zu Gute halten, dass sie diesen Kontrast gekonnt erzählt. Beinahe beiläufig skizziert sie die nur scheinbar heile Welt der Outdoor-Abenteurer und Kunsthandwerker in den Dörfern in den abgeschiedenen Wäldern und Bergen.

Kylie Brant, Knochenzeichen, Goldmann, 440S., 9,99€

VÖ: Mai 2013




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