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David Kesslers „Späte Schuld“. Unsägliches Thema, nerviger Plot

Die Geschichte geht ungefähr so: Ein jugendlicher Schwarzer wird Zeuge, wie seine Mutter von weißen Cops vergewaltigt wird, wandelt sich daraufhin zum radikalen Muslim und vergewaltigt seinerseits aus politischen (!) Gründen, ein halbes Dutzend weißer Frauen. Um den Strafverfolgungsbehörden zu entgehen, flieht der Mann nach L  beziehungsweise den Sudan, lernt dort, dass Moslems auch nicht immer nett sind und stellt sich in den USA der Justiz. Nach einer überschaubaren Haftstrafe konvertiert er zum Christentum der konservativeren Sorte und wird berühmter Talkshow-Gastgeber

Vergewaltung als Kavaliersdelikt?

Das alles war nur die Vorgeschichte. Ein Unbekannter vergewaltigt in der Jetztzeit eine junge US-Amerikanerin und Elias Claymore, der Mann mit der bewegten Vorgeschichte, gerät zunächst in den Fokus der Ermittler und später wegen erdrückender Indizienbeweise vor Gericht. Dort vertritt ihn sein alter Freund Alex Sedaka. Im Grunde handelt es sich bei David Kesslers Kriminalroman um einen Gerichtsthriller. Tatsächlich ist es eine Farce.

David Kessler konstruiert einen unsäglichen Fall um einen Vergewaltiger

Manchmal fragt man sich, ob die Autoren, die uns mit Kriminalromanen überhäufen, vor dem Schreiben nachdenken. Den Plot, den uns David Kessler in „Späte Schuld“ vorsetzt, kann man ein einem Wort nur als unsäglich bezeichnen. Mal abgesehen davon, dass die ganze Handlung komplett unglaubwürdig konstruiert rüberkommt, könnte der Eindruck entstehen, als ginge es bei Vergewaltigung um eine Art Kavaliersdelikt, von dem, wenn es nur aus den „richtigen“, also beispielsweise politischen Gründen begangen würde, ein Weg zurück in das gesellschaftliche Rampenlicht führen könnte.

Weitere merkwürdige Wirrungen in „Späte Schuld“

Wer noch weiter Kostproben zum Plot braucht (wer Kesslers Buch noch lesen will, sollte die nächsten Zeilen überspringen): Der Angeklagte hat noch zwei weitere Frauen vergewaltigt, was er aber vergaß, beim Geständnis zu erwähnen. Beide sind in den Fall involviert, die eine als Anwältin, die andere als Betreuerin von Vergewaltigungsopfern. Beide führen, das noch obendrein, eine lesbische Beziehung (scheinen dort aber nicht über die wichtigen Dinge ihres Lebens zu reden). Eine von beiden wiederum ist die Mutter eines Sohnes, der bei der Vergewaltigung gezeugt wurde. Dieser wiederum tritt in die Fußstapfen seines Vaters und ist der eigentliche Täter der Vergewaltigung, derer sein Vater sich vor Gericht verantworten muss.  Wer trotz des Plots und des Themas noch einen Hinweis braucht: Nicht lesen!

David Kessler,Späte Schuld: Thriller; Goldmann, 506 S., 9,99, VÖ: Mai 2013