Eine schön düstere Gangsterballade: „Ghostman“ von Roger Hobbs

21 Jul

Endlich mal wieder ein durch und durch guter, gelungener und extrem fesselnder Thriller. „Ghostman“ heißt das Buch, geschrieben hat es der erst 24-Jährige Roger Hobbs. Das Debüt des US-Amerikaners ist sein langem mal wieder ein vollständig begeisternder Krimi, ohne jede Sentimentalität düster, direkt, dreckig, packend. Hobbs versteht es, seine Geschichte schnörkellos, aber mit viel Raffinesse voranzutreiben. „Ghostman“ ist, kurz gesagt, die perfekte Krimi-Unterhaltung.

Ein Spezialist in Sachen Untertauchen

Im Mittelpunkt steht Jack Delton, oder genauer gesagt, ein Mann, der Jack Delton war oder sein könnte. Jedenfalls gibt es einen Pass dieses Namens. Die wahre Identität des Mannes, der den Pass besitzt ist unbekannt. Und das ist Absicht, denn Delton ist ein „Ghostman“, einer der in Verbrecherkreisen aufräumt und keine Spuren hinterlässt. Andere oder sich selber verschwinden zu lassen, ist das Spezialgebiet des „Ghostman.“

48 Stunden Zeit für den „Ghostman“

Jack Delton jedenfalls soll für einen anderen Kriminellen, der er nach einem schief gegangenen Millionenraub, noch einen Gefallen schuldet, die Spuren eines gründlich schief gelaufenen Überfalls auf ein Spielcasino in Atlanta beseitigen und im Idealfall gleich noch die Beute sicher stellen, denn die ist genauso verschwunden, wie einer der Handlanger des Überfalls. Viel Zeit hat er nicht, genau 48 Stunden bleiben ihm. Dann gehen diverse Sicherungsmaßnahmen hoch, Peilsender und Farbpatrone inklusive.

Roger Hobbs inszeniert gekonnt einen Bandenkrieg

In Atlanta muss der Ghostman sich nicht nur mit den lokalen Behörden herumärgern, auch das FBI hat die Spur aufgenommen, weit aus drängender wird die Lage jedoch, als klar wird, dass ihm auch rvialisierende Gangsterbanden auf den Pelz rücken. Rund um den Ghostman beginnen sich die Leichen zu stapeln und Delton muss tief in seine Trickkiste greifen, um sich den näher kommenden Häschern zu entziehen. Roger Hobbs hat eine interessante Figur erdacht, einen raffinierten Plot überlegt und treibt ersteren durch letzteres mit einem beinahe atemberaubenden Tempo. Herausgekommen ist dabei ein eine richtig gute, schön düstere Gangsterballade. Der Leser hat den Nutzen – extrem viel Spaß. Wer nicht gerne liest, muss sich etwas gedulden, wird Jack Delton vermutlich dennoch kennen lernen. Warner Bros. hat sich die Filmrechte bereits gesichert.

Tatort:Atlantic City

Im Bewusstsein ist Atlantic City eine heruntergekommene Stadt für billige Vergnügungen, so eine Art Las Vegas für Arme. Wenn man Roger Hobbs glauben darf, hat sich daran trotz Millioneninvestitionen in stahl-, glas und marmorglänzende Prunkbauten nicht viel verändert jenseits der großen Boulevards regiert der Schmutz, bleibt Atlantic City eine zwielichtige Kommune mit hinreichend miesen Rattenlöchern für allerlei zwielichtige Gestalten. Hobbs zeichnet sein Bild von Atlantic City beinahe nebenbei, ihm gelingt das Portrait einer Stadt mit wenigen, wohlgesetzten Worten. Auch das ist große Kunst, ganz nebenbei – mit einem ganz andren Ziel vor Augen -, mit wenigen Strichen ein eindrückliches Bild zu zeichnen.
Roger Hobbs, Ghostman, Goldmann 384 S., 14,99€, VÖ: 22. Juli 2013