Ein drolliges Universum: Colin Cotterills „der fröhliche Frauenhasser“

24 Jul

Colin Cotterill schickt seine Leser jedes Mal auf eine Reise in eine andere, vergessen geglaubte, skurrile Welt. Seine Krimi-Serie um den laotischen Pathologen Dr. Siri hat der Brite in die siebziger Jahre verlegt, als Steinzeitkommunisten das Land mit aller Kraft ins Chaos zu stürzen versuchten. Und,  so weiß man nicht nur aus der Geschichte, so liest man mit viel Vergnügen auch bei  Cotterill.

Colin Cotterill Auf angenehm altmodische Weise unterhaltsam

Zwei Besonderheiten lassen die Romane rund um Dr. Siri zum besonderen Vergnügen werden. Cotterill hat ein wahrhaft lustiges Panoptikum an Personal versammelt und er schildert das Leben unter den Schwingen einer allerdings sehr lendenlahmen Revolution überaus unterhaltsam.  Aus beidem, fiktiven Charakteren und real existierendem Wahnsinn, konstruiert Colin Cotterill wie schon in „Die Tote im Eisfach“ ein Universum, das am besten als „drollig“ zu bezeichnen ist, aber im besten Sinne. Das ganze ist jedenfalls auf eine angenehm betuliche, beinahe altmodisch Weise unterhaltsam. Das gilt auch für „Der fröhliche Frauenhasser“.

Pathologe, Hobbydetektiv, Schamane

Eines Tages bekommt Dr. Siri, der sich mal wieder mit den laotischen Behörden, ungnädigen Funktionären und allerlei Alltagssorgen rumärgern muss, eine Frauenleiche in sein Labor gebracht.  Der einzige Pathologe des Landes entdeckt schnell, dass ein besonders grausames Verbrechen passiert ist. Ein offenbar Geistesgestörter lauert Frauen auf. Da Dr. Siri nicht nur Arzt ist, sondern auch begeisterter Detektiv – und den Schamanen natürlich wieder die Geister drängen – beginnt er mithilfe seines Partners, dem Polizisten Phosy mit den Nachforschungen. Das aber soll ihn schnell selber in Gefahr bringen.

Krimi und Parabel

Natürlich ist „Der fröhliche Frauenhasser“ in erster Linie ein unterhaltsamer Kriminalroman, wer will kann den Stoff aber durchaus metaphorisch sehen. Gerade dadurch, dass Cotterill seine Handlung in ein fernes Land in einer überwunden geglaubten Zeit verlegt und einen spielerischen Ton pflegt, kann er quasi im Vorübergehen Autoritäten, Behördenwahn und totalitäre Tendenzen entlarven. Das ist auch im sechsten Band noch lesenswert.

 

Tatort:Laos

Im Prinzip knüpft Colin Cotterill dort an, wo er in „Die Tote im Eisfach“ aufgehört hat: Er beschreibt eine exotische Welt mit für Mitteleuropäer denkbar fremden Kulturen. Auch das macht seine Krimis so reizvoll. Natürlich hat sich Laos seit den siebziger Jahren verändert, aber die Menschen und ihre über Jahrhunderte gewachsene Lebensweise, die auch Diktaturen und Technokraten nicht zerstören konnten, sind beinahe unverändert durch die Nachkriegsjahrzehnte gegangen. Insofern bleibt Cotterill aktuell.

Colin Cotterill, Der fröhliche Frauenhasser, Manhattan, 320S.,17,99€,  VÖ: Juni 2013