Herrlich durchgeknallt: Christopher Brookmyres „die hohe Kunst des Bankraubs“

27 Aug

Angelique de Xavia lebt in einer völlig falschen Welt, so scheint es. Sie hat die falsche Hautfarbe, mag den falschen Fußballverein, hat möglicherweise den falschen Beruf, und sie mag definitiv die falschen Männer. De Xavia wurde zusammen mit ihren Eltern vom Schlächter und Diktator Idi Amin aus Uganda vertrieben, landete als Schwarze in Glasgow, feuert in einem Akt von postjugendlicher Rebellion die Rangers an, ist Polizistin und verguckt sich in einen Bankräuber, aber davon später mehr.

Das Robin-Hood-Thema fürs 21. Jahrhundert neu erzählt

Der Brite Christopher Brookmyre hat sich für seinen Roman „Die hohe Kunst des Bankraubes“ einen komplett versponnenen Plot ausgedacht, der beinahe märchenhafte Züge trägt, mindestens aber ein gutes Stück des immer wieder mitreißenden Robin-Hood-Themas, eingepackt allerdings in eine deutlich weniger selbstlose moderne Räuberpistole – und aufgeschrieben mit den direkten, gelegentlich harten Worten des 21. Jahrhunderts.

Vor allem mit dem ersten Drittel seines Kriminalromans hat mich Brookmyre begeistert. Mit viel Liebe fürs Detail beschreibt er einen wahrhaft durchgeknallten Bankraub, in dem fünf Männer als Clowns verkleidet eine Bank stürmen, bewusst eine Geiselsituation in Kauf nehmen und bei ihrem Beutezug alle, insbesondere die Polizei an der Nase herumführen. Zwischendurch unterhalten die Bankräuber ihre Geiseln noch mit Bilderrätseln und einer Theaterinszenierung.

Christoher Brookmyre zeigt viel Liebe auch für Randaspekte

Das gesamte Szenario beschreibt Christopher Brookmyre überaus unterhaltsam, mit vielen Seitenhieben auf Ermittler und Behörden. Der Brite nimmt sich dabei viel Zeit für das Detail, füllt auch Nebenfigur mit viel Leben.

Von der Groteske zur Romanze und zurück

Nach einem furiosen Auftakt wird „Die hohe Kunst des Bankraubes“ im weiteren Verlauf aber „normaler“, Brookmyre löst sich aus der ironisch-satirischen Distanz und kommt seinen Figuren näher, insbesondere Angelique de Xavia und ihren Gegenspieler, dem Anführer der Bankräuber. Der legt sie nämlich aufs Kreuz, als die Sonderermittlerin die belagerte Bank für die Polizei ausspähen soll. Brookmyre widmet ausführlich der zarten Romanze, die im Eiltempo – wie sagt man so schön – zur leidenschaftlichen Affäre auswächst. Dabei erzählt er breit die Biographien seiner Protagonisten, gibt die Distanz zu seinen Figuren auf.. Das erhöht die emotionale Nähe, schlägt aber aufs Tempo und nimmt den Zauber des Durchgeknallten. Insgesamt bleibt die Glasgower Räubergeschichte trotz dieses „strukturellen Wandels“ durchgehend auf hohem Niveau unterhaltsam: Das liegt auch an dem knapp abgehandelten, aber nichtsdestotrotz furiosem Finale.

Tatort:Glasgow

Über weite Strecken ist „die hohe Kunst des Bankraubes“ ein Kammerspiel, angesiedelt in einem Bankgebäude. Christopher Brookmyre schafft es aber, seinem Leser mit dem ihm eigenen Blick aufs Detail die ganze Geschichte einer einstmals prächtigen, sich nur langsam vom jahrzehntelangen Niedergang erholenden und bis heute zerrissenen Stadt Nahe zu bringen. Allein der für Außenstehende schwer nachvollziehbare (und vergnüglich aufgeschriebene) Konflikt zischen den Fußballfans von Celtic und den Rangers, an denen die unsichtbaren, aber schier unüberwindlichen Grenzen innerhalb der Stadt nachziehen lassen, sagt beinahe alles über die schottische Industriestadt. Brookmyre erwartet hier allerdings einiges kulturelles Vorwissen, beschreibt die Stadt dafür ohne große Absicht besser als mancher Reiseführer.

Christopher Brookmyre, die hohe Kunst des Bankraubes, Galiani, 381 S. 14,99€, VÖ: August 2013
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