Neue Autorin: Karen Sander erzählt spannend aber vorhersehbar

11 Sep

Irgendein Irrer hat etwas gegen Transsexuelle. Jedenfalls wird in Düsseldorf eine Frauenleiche gefunden, bei der die Rechtsmedizin während der Obduktion herausfindet, dass die Frau ursprünglich ein Mann war. Da es nicht die einzige übel zugerichtete derartige Leiche bleibt, entschließt sich Kriminalkommissar Georg Stadler eine Psychologin als Beraterin hinzu zu ziehen. Diese, eine sehr junge, aber schon sehr profilierte Wissenschaftlerin, hat aber ganz andere Probleme. Irgendjemand schickt ihr anonyme Briefe, wühlt in ihrer Vergangenheit und tötet kaltblütig ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter. Dennoch entscheidet sich Liz Montario, dem Kommissar bei der Suche nach dem mutmaßlichen Serienmörder zu helfen. Von da an beginnt eine Spirale aus weiteren Toten und einer wachsenden Bedrohung für die Psychologin.

Krimi-Serienauftakt: „Schwesterlein komm stirb mit mir“

„Schwesterlein, komm stirb mit mir“ heißt der Roman, für den sich Karen Sander den Plot erdacht hat: Es soll der Auftakt zu einer ganzen Serie von Kriminalromanen um das ungleiche Duo aus dem Rheinland werden. Der Auftakt ist kurz gesagt, schon mal ganz in Ordnung, mehr aber auch nicht.

Karen Sander schreibt spannend, aber viel zu gradlinig

Die im Rheinland lebende Karen Sander versteht es, ihren Plot mit hinreichend Geschwindigkeit voranzutreiben, so dass „Schwesterlein, komm stirb mir mir“ als Spannungslektüre hier die Anforderungen eines Thrillers erfüllt. Insgesamt ist die Geschichte jedoch deutlich zu gradlinig, alle Wendungen sind vor allem weitgehend vorhersehbar, insbesondere die Leser, die von ihren Autoren auf eine falsche Färte gelockt, beziehungsweise als Hobby-Kommissare das Ende miträtseln wollen, werden enttäuscht. Halbwegs regelmäßige Krimi-Leser können alle Wendungen relativ präzise vorhersagen. Das kann Absicht sein, wenn der Leser zum „Komplizen“ des Täters werden soll – und der Reiz darin besteht, dem Kommissar beim mehr oder weniger orientierungslosen Ermitteln zuzusehen. So war das aber bei „Schwesterlein, komm stirb mit mir“ vermutlich nicht gemeint.

Interessantes, aber insgesamt eindimensionales Personal

Auch beim Personal fällt die Bewertung von Karen Sanders Debüt eher zwiespältig aus. Ja, den Protagonisten kann man folgen, sie sind von der Grundidee interessant und sympathisch, warum aber muss die Psychologin, die wenn ich richtig gelesen habe, den 30. Geburtstag noch vor sich hat, nicht nur bereits als Dozentin an der Universität arbeiten, dabei noch wahnsinnig gut aussehen und dabei gleichzeitig noch irre patent und unkompliziert sein. Das ist, sagen wir mal, eher unglaubwürdig. Es ist aber vor allem, wenn man fiktiven Personen immer etwas mehr Qualitäten zubilligt als real existierenden Menschen, eindimensional. Richtige Tiefe haben weder Liz Montario noch der alternde Weiberheld Georg Stadler. Aber auch die Motivation des Täters, was ja – als Psychogramm eines „Monsters“ – auch möglich gewesen wäre, wird eher oberflächlich abgehandelt. Insofern hinterlässt „Schwesterlein, komm stirb mit mir“ nach insgesamt unterhaltsamen Stunden, keinen besonders tiefen Eindruck.

Tatort:Düsseldorf

Dass „Schwesterlein, komm stirb mir mir“ in Düsseldorf spielt, erfährt der Leser eigentlich nur am Rande. Die Stadt bleibt austauschbar. Das ist aber für einen Kriminalroman, der sich von der Flut der Regionalkrimis abheben will auch völlig in Ordnung. Das hält ja beispielsweise Ursula Poznanski in ihren in Salzburg angesiedelten Krimis ähnlich. Wegen dieser bewussten Entscheidung erfährt man eben nur nichts über den „Tatort:Düsseldorf“.

Karen Sander, Schwesterlein, komm stirb mit mir, Rowohlt, 399S., 9,99€. VÖ: August 2013