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Stephan Ludwig wird in „Zorn – Wo kein Licht“ angenehm ernst

 

Der eine ist im Grunde inkompetent, faul, sozial inkompetent und emotional deutlich unterentwickelt. Der andere ist klein, dick, wohnt noch bei seinen Eltern und schleppt einen Haufen Komplexen mit sich rum. Stephan Ludwig hat ein sehr trauriges Duo erdacht, das seinen Dienst bei der Polizei verrichtet.  Zorn und Schröder stolpern außerordentlich mitleiderweckend durch ihre Fälle.

Ein Polizist auf Rachefeldzug?

Auch der dritte Fall, den Stephan Ludwig in „Zorn – Wo kein Licht“ erdachte, hat es in sich. Ein Mann wird im Fluss gefunden, nach dem er offenbar gleichzeitig von einer Brücke gesprungen ist und sich erschossen hat. In rascher Folge verschwinden zudem angesehenen Bürger der Stadt. Es ist natürlich wieder der dickliche Schröder, der erfolgreich ermittelt und bald Zusammenhänge herausfindet. Irgendjemand scheint einen grausigen Rachefeldzug angezettelt zu haben. Ist es gar ein Kollege aus den Reihen der Polizei?

Stephan Ludwig verleiht seinen Protagonisten (endlich) Tiefe

War das Ermittler-Duo Zorn/Schröder noch allzu sehr als Karikatur angelegt, rückt Stephan Ludwig seinen beiden traurigen Gestalten richtig auf die Pelle. Damit gibt er ihnen Konturen – und das bekommt beiden richtig gut. Man entwickelt beinahe so etwas für Bewunderung (naja, zumindest Sympathie) für die beiden emotionalen Versager, da sie sich ihrer Probleme bewusst zu werden scheinen. Es bleibt abzuwarten, ob in einem weiteren Band daraus auch ein Handeln erwächst. Zuzutrauen wär es den beiden.

„Zorn – Wo kein Licht“ ist ein unterhaltsamer Kriminalroman

Das kleine Fünkchen Ernsthaftigkeit, das Ludwig seinen Protagonisten im Vergleich zum Vorgänger „Zorn – Vom Lieben und Sterben“ gönnt, macht den neuen „Zorn“ zu einer richtig guten Krimi-Lektüre. Stephan Ludwig treibt seine Geschichte mit hohem Tempo voran, findet einen unterhaltsam leichten Grundton gönnt seinen Lesern hinreichend komplexe Nebengleise und Randfiguren und kann eine krimi-gerechte gruselige Handlung erzählen. Insofern darf man angesichts der Steigerungsrate schon sehr auf den bereits versprochenen nächsten Band gespannt sein.

Stephan Ludwig, Zorn, Wo kein Licht, Fischer, 403S., 9,99€, VÖ: September 2013

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