Tom Rob Smith verlässt mit „Ohne jeden Zweifel“ vertraute Pfade

13 Okt

Daniel ist Gärtner in London und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben.  Zwar hat er einen grünen Daumen, aber kein Talent fürs Geschäft. Auch insofern ist sein Leben eine große Lüge, genau wie seine private Beziehung zu Marc, die er seinen Eltern vorenthalten hat. Insofern macht er sich – als seine Mutter, die mittlerweile in Schweden lebt, ankündigt, ihn besuchen zu wollen, zunächst einmal Sorgen um das fragile Konstrukt seines Lebens.

Eine gigantische Verschwörung in Ohne jeden Zweifel“?

Seine Mutter Tilde jedoch hat ganz andere Sorgen. Sie werde von ihrem Mann und anderen finsteren Gestalten verfolgt, sei zu Unrecht in die Psychiatrie eingewiesen worden und wisse um eine Verschwörung von gigantischem Ausmaß, erzählt sie am Telefon. Sie überzeugt ihren Sohn, sich die Geschichte anzuhören, reist nach London und legt ihre Beweiskette in einer ausführlichen Erzählung dar. Daniel hört zu – und fragt sich, ob er seiner Mutter glauben soll.

Tom Rob Smith verlässt das Genre des historisch-politischen Thrillers

Tom Rob Smith hat sich die Geschichte ausgedacht und mit „Ohne jeden Zweifel“ zunächst einen radikalen Wechsel vollzogen. Smith hatte den russischen Agenten Leo Demidow erfunden und mit „Agent 6“ und „Kind 44“ sensationell gute (und sensationell erfolgreiche) Bücher geschrieben.  Jetzt hat er das Genre gewechselt und hat es natürlich schwer, weil er immer an seinen ungemein komplexen, raffiniert erdachten und spannend aufgeschriebenen Thrillern im politisch-historischen Bereich gemessen wird.

Ein sehr privates Buch

„Ohne jeden Zweifel“ ist ein sehr privates Buch, in der das Halbschwede Smith ein wenig auch seine eigene Herkunft einfließen lässt. Sein neuester Thriller basiert ist mehr Familiendrama als Weltverschwörungsroman; statt Kreml  und Kabul sind die Handlungsorte eine kleine Wohnung im Herzen von London und ein abgelegenes Dorf in Südschweden.

Raffiniertes Spiel um Wahn und Wirklichkeit

Auch wenn Demidow-Fans beim neuen Smith sehr enttäuscht sind, kann man Smith seine Klasse nicht aberkennen. Auch „Ohne jeden Zweifel“ ist fesselnd aufgeschrieben, weniger komplex vielleicht, mit klarer konturiertem Rahmen, aber nichtsdestotrotz raffiniert. Das Spiel um Wahn und Wirklichkeit hat jenseits üblicher Krimilektüre jedenfalls seine ganz eigene Qualität und ebenfalls hohen Unterhaltungswert.

 

Tatort:Südschweden

Den Augen vieler Deutscher ist Schweden der perfekte Urlaubsort, eine heile Welt mit viel schöner Natur, freundlichen Menschen und entspannter Lebenswirklichkeit. Viele schwedische Krimi-Autoren setzen alles daran, dieses Bild ländlich heiler, von modernen Problemen unberührter Welt durch düstere Großstadtbeschreibungen zu zerstören. Tom Rob Smith, der eine schwedische Mutter hat, geht da raffinierter vor. Er beschreibt das ländliche Schweden mit kleinen Landwirtschaften, idyllischen Seen und verschlafenen Dörfern genau so, um dann nur umso präziser den ganzen Schrecken auszumalen, der in dieser abgelegenen Provinz, die längst nicht so heile ist, wie der Schein  es suggeriert, das Leben zur Hölle werden lässt. Insofern ist „Ohne jeden Zweifel“ auch ein interessantes Länderportrait.

Tom Rob Smith, Ohne jeden Zweifel, Manhattan, 383S.,19,99€, VÖ:: 14. Oktober 2013

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