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„True Crime“: Ein Bildband feiert die Detektivheftchen des 20. Jahrhunderts

Cover von US-Detektivheftchen (c) Taschen
Cover von US-Detektivheftchen (c) Taschen

Zur Abwechslung mal Trash. Und der hat nicht nur, aber sehr viel mit Frauen zu tun. Eine Art Bildband feiert das Genre der „wahren Detektivgeschichten“. „True Crimes“ heißt der Band, der sich dem Phänomen der Groschenhefte widmet.

Aufstrebende Metropolen als steter Quell für Gangstergeschichten

Zu Beginn des 20. Jahrhundert wuchs sowohl die Möglichkeit (durch die Drucktechniken) als auch der Bedarf an einfacher Unterhaltung. Den lieferten in den USA schnell die Detektivmagazine, die sich den „wahren“ Verbrechen widmeten. In den USA der 20er Jahre spross – zum Glück für die Herausgeber – ein steter Quell neuer Gangstergeschichten aus den rasch wachsenden Metropolen und den damit einhergehenden sozialen Problemen und unkontrollierbaren Stadtvierteln.

Gruselige Storys, besser als jede Phantasie

Insbesondere die Prohibition, die dadurch wachsenden Banden, der Mob der Mafia und eine stetig ansteigenden Spirale der Gewalt bescherte den Magazinen immer neue gruselige Geschichten, härter, brutaler und „besser“ als sich jeder Autor das hätte ausdenken können.

„True Crime“, erschienen bei Taschen, erzählt die Geschichte dieser Magazine nach. Die Autoren haben einen äußerst plakativen Weg gewählt, den Aufstieg und Fall der Detektiv-Hefte zu illustrieren. Sie haben in erster Linie Titelbilder abgedruckt.

Vamp und Weibchen als einzige Titelmotive

Die Cover der Detektivromane zierten in erster Linie Frauen. Im Grunde gab es zwei wechselnde Motive, die „Damsell in Distress“, das hilflose Weibchen das – im Zweifelsfalle geknebelt und gefesselt – gerettet werden muss und den männermordenden Vamp, der Männerherzen aussaugend durch das Leben zieht. Im Prinzip sind so, wenn man Tiefenpsychologen und sonstigen Menschenverstehern glauben darf, die Ur-Ängste und Ur-Phantasien der Männerwelt nur leicht vereinfachend zusammengefasst.

Eine gute Ausrede

In jener Zeit, so mutmaßen die Autoren, waren die Detektiv-Hefte in erster Linie eine gute Ausrede für postpubertierende junge Männer, sich in Geschichten von Sex und Gewalt zu verlieren. Die Ausrede lautete im Zweifel, „es ist doch nur ein Detektiv-Magazin“.

Natürlich ist der Band zutiefst überflüssig. Dennoch macht es Spaß, sich die Cover anzuschauen, die reißerischen Überschriften von natürlich ausschließlich „wahren Verbrechen“ durchzulesen. An historischen Zusammenhängen interessierten Lesern bietet sich zudem die Chance, Wandel (erstmals rauchende Frauen), ästhetische Moden (in Stil und Gestaltung der Bilder) und gesellschaftliche Kontinuität (die Frau als Täter und Opfer) anzuschauen.

Die Grundthemen guter Kriminalliteratur…

Vor allem für den Krimi-Leser ist der Band eine hübsche Abwechslung bei der Beschäftigung  mit „Sin, Scandal, Sex and Death“. Denn genau darum geht es doch in eigentlich allen guten Kriminalromanen und Thrillern, die ihr Genre ernst nehmen.

True Crime, Taschen, Oktober 2013