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Serientäter Lee Child gibt Jack Reacher diesmal „61 Stunden“ Zeit

Heute neu: Der Baukasten-Krimi. Der Autor: Lee Child. Seit geraumer Zeit lässt der britisch-amerikanische Autor Jack Reacher auf die Bösewichter los. Der bislang neueste Thriller heißt „61 Stunden“.

„61 Stunden“ Zeit in der amerikanischen Provinz

Das sind die Bestandteile des Krimis. Natürlich Jack Reacher, unbeugsamer Einzelgänger mit Vergangenheit als Soldat, der Konflikte meist mit seinem Körper als Waffe löst, mindestens einmal  je Roman mit ausgefeilter Kampftechnik in erdrückender zahlenmäßiger Unterlegenheit. Außerdem dabei: Eine abgelegene Provinzstadt der USA, meist von der Zivilisation abgeschnitten, sei es durch  große Wüsten (wie bei „Outlaw“) oder Naturgewalten (wie bei „61 Stunden“). Unverzichtbar: Dümmliche Schlägertypen, ausgekochte Bandenbosse, eine weitreichende Verschwörung, ein oder mehrere korrupte Polizisten und eine Frau in Not, die, wenn sie alt ist oder stirbt, aber unerhört bleibt.

Lee Child erzählt seine Thriller-Serie routiniert

Auch wenn die Handlungsstränge austausch- und vorhersehbar sind, bleiben die Thriller von Lee Childs auf eine merkwürdige Weise spannend. Das liegt daran, dass Childs dicht, schnell und ohne große Schnörkel erzählen kann. Zudem ist der ewigwährende Kampf des unterlegenen „Gute“ gegen das erdrückend starke „Böse“ als Entspannungslektüre immer gut geeignet. Insbesondere mittelbegeisterte Vielflieger wissen die Child-Romane als gleichermaßen einfach verdauliche wie gut ablenkende Lektüre zu schätzen.

Eine Partnerin für Jack Reacher?

In „61 Stunden“ variiert Child sein Jack Reacher-Thema ein wenig. Es tritt erstmals eine Frau auf, die Bedeutung erlangen soll. Susan Turner heißt die Dame und ist aktuell die Kommandantin jener Spezialeinheit der Militärpolizei, die Reacher einst gründete. Bereits jetzt hat der Autor angekündigt, dass es eine fünfbändige Serie in der Serie um Susan Turner geben soll.

Diesmal: Nicht nur Fäuste, auch Gehirn

Noch etwas ist im Vergleich zum vorherigen Band anders. Jack Reacher ermittelt. Im vorherigen Band hatte er sich in erster Linie auf seine Fäuste und eine Kanone verlassen, in „61 Stunden“ benutzt er auch sein Gehirn. Das ist ganz angenehm, auch wenn die Synapsen Reachers – dessen größte Demütigung vermutlich darin bestand, dass er in der ersten Verfilmung eines Falles als 1,98-Mann ausgerechnet von dem Hollywood-Gnom Tom Cruise gespielt wurde –  natürlich nur eine deutliche Schwarz-Weiß-Färbung der Welt wahrnehmen können.

Darum geht es in „61 Stunden“

Die Handlung des Baukastenkrimis in der aktuellen Folge? Reacher bleibt in einem Schneesturm in einem abgelegenen Kaff in South Dakota hängen, hilft der Polizei bei Ermittlungen gegen eine Motorradgang, versucht eine Zeugin vor einem Drogenboss zu schützen, gerät dabei unter Zeitnot und sorgt, soviel darf verraten werden, nachhaltig für Ordnung auf den Straßen.

Tatort: South Dakota

South Dakota steht mehr noch, als der nördliche „Schwester“-Bundesstaat North Dakota in dem Ruf, US-amerikanische Provinz zu sein. Dieses Thema erzählt Lee Child am Beispiel des Örtchens … gründlich aus. Die Menschen leben friedlich, meist in farmartigen Gebäuden. Die nächste Stadt ist weit, die wirtschaftliche Lage meist angespannt, wenn nicht schmutziges, zumindest aber teuer erkauftes Geld in die Stadt fließt. In South-Dakota ist zudem das Wetter ein bestimmender Faktor, im Winter ist es kalt. Das erfährt Jack Reacher nach dem Willen seines Schöpfers in allen möglichen Facetten am eigenen Leib. Wirklich etwas über die Gegend, den Tatort des Geschehens, erfährt der Leser darüber hinaus nicht.

Lee Child, 61 Stunden, Blanvalet, 443S, 19,99€, VÖ: 28. Oktober 2013