Menschliche Abgründe in Jan Erik Fjells Kälteeinbruch

10 Jan

Wirklich sympathisch ist Anton Brekke nicht. Er denkt großkotzig, hat einen eher zweifelhaften Humor und behandelt Kollegen wie Untergebene gleichermaßen von oben herab. Eigentlich wäre Brekke vergleichsweise unerträglich, wenn er nicht gleichzeitig erstens ein armes Würstchen wäre, dem Frau und Kind davon gelaufen sind und er zweitens ein außergewöhnlich guter Ermittler bei norwegischen Polizei wäre.

Menschenhandel, Drogen, die Russenmafia und Kindesmissbrauch

In seinem zweiten Fall, „Kälteeinbruch“ muss sich Brekke, so will es sein Schöpfer, der Schriftsteller Jan-Erik Fjell, wieder mit dem tiefsten Abgründen menschlicher Existenz herumschlagen. Es geht um Menschenhandel, Drogen, die Russenmafia und Kindesmissbrauch.

Ein widerspenstiger Handlanger setzt eine Spirale der Gewalt in Gang

Ins Rollen kommt die Geschichte als ein litauischer Handlanger, der als Kurier für ein Verbrecher-Syndikat arbeitet, seine Ware, zwei kleine Jungen, nicht am Ziel abliefern kann. Dem Litauer wächst so etwas wie ein Gewissen und er beschließt, die Kinder anders als von den Auftraggebern befohlen, nicht umzubringen. Das setzt eine Kette aus Gewalt in Gang, die für mehrere Beteiligte tödlich enden soll.

Mord an einem Lehrer in Jan Erik Fjells „Kälteeinbruch“

Gleichzeitig, in einem völlig anderen Fall, rückt Anton Brekke aus, um den Mord an einem Lehrer zu untersuchen. Weshalb der zurückgezogen lebende, unscheinbare Mann ermordet wurde, will sich den Ermittlern zunächst nicht so recht erschließen.

Jan Erik Fjell fügt lässt in „Kälteeinbruch“ wieder intelligent Handlungsstränge parallel nebeneinander herlaufen.  Der Norweger schafft es gleichzeitig komplexe Situationen ablaufen zu lassen und sie dazu noch  mit interessantem Personal zu füllen. Insbesondere die „Nebendarsteller“ sind Fjell gut gelungen

Ein Kommissar, mit dem man nicht recht warm werden will

Die einzige Ausnahme, der einzige Schönheitsfehler wenn man so will, ist tatsächlich der Hauptdarsteller. So richtig will man mit Kommissar Anton Brekke nicht warm werden. Häufig sind ja Menschen mit kleinen Schwächen sympathisch, bei Brekke will sich dieses Gefühl nicht wirklich einstellen. Insofern liest man den Krimi aus Norwegen ein wenig um den Kommissar herum. Das bereitet dem Gesamtvergnügen aber wenig Abbruch, weil „Kälteeinbruch“ die Mindestanforderung an einen Krimi locker über-erfüllt: Er ist spannend. Er hat ein überraschendes Ende. Er unterhält

Tatort:Norwegen

Oslo ist eine Großstadt. Direkt vor den Toren der norwegischen Hauptstadt wird es ländlich, greift die Einsamkeit der dünn besiedelten Natur sich den Raum, und damit auch die Bühne von Jan-Erik Fjells „Kälteeinbruch“. Der Norweger Fjell legt in seinen Krimis meist keinen großen Wert auf szenische Beschreibungen, aber mit wohl dosierten Beschreibungen charakterisiert er die Einsamkeit der abgelegenen Hütte, die Tristesse die sich aus der winterlichen Mischung aus Kälte und Dunkelheit in Skandinavien zusammenbraut, sehr treffend: Dabei ist es vergleichsweise gleichgültig, ober er nur Klischees bedient oder die Wirklichkeit beschreibt. Für seinen Krimi funktioniert es. Und darauf kommt es an.

Jan Erik Fjell, Kälteeinbruch, Rowohlt, 554S, 9,99€, VÖ: Dezember 2013

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