Chicago als Krimi-Tatort: Sehenswerte Orte und gute Chicago-Krimis

11 Feb
Die Skyline Chicagos vom Sears-Tower aus gesehen (C) kanter

Die Skyline Chicagos vom Sears-Tower aus gesehen (C) kanter

 

Aus Sicht des Krimi-Autoren dürfte Chicago den perfekten Schauplatz für perfide Verbrechen geben. Chicago ist groß, Chicago hat eine lange Tradition des organisierten Verbrechens (Al Capone), kaum eine Stadt hat vermutlich eine ähnliche Quote von Politikern und öffentlich Bediensteten mit einer Strafakte (Unter anderen saßen drei Gouverneure im Gefängnis). Kaum eine Stadt bietet aber auch eine derart großartig-spektaluläre Architektur, die die Phantasie beflügelt.

Das fängt im Innenstadtbezirk, dem sogenannten Loop an. Dort stehen silbrig in der Sonne glänzende Bürokomplexe aus Stahl und Glas, Sinnbilder amerikanischer Wirtschaftsmacht. Aber nur eine Ecke weiter, einen Schritt hinter deren glänzende Fassade warten enge, dunkle Wände, buchstäbliche Hochhausschluchten, an deren Fuß kaum einmal ein Sonnenstrahl reicht. Dort dominieren Schmutz und Dunkelheit – auch das natürlich metaphernfähig für die US-amerikanische Gesellschaft.

Zwischen den riesigen Hochhauskolossen ducken, das Wort möchte man trotz der tatsächlichen Größe gebrauchen, die frühen, großzügig verzierten Skyskraper aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch Chicago hätte die Blaupause für Batmans Gotham City bilden können.

Den krimi-tatort-gerechten Eindruck  verstärken die schier endlosen Vorortsiedlungen, die sich am See-Ufer entlang in die Ebene erstrecken. Auch hier massenhaft bürgerliche Fassaden mit schäbigen Hinterhöfen, in denen mit allerlei alten Möbeln vollgestellte Feuertreppen, die Terrassen und Balkone ersetzen sollen, ein eher trauriges Bild des american Way of Life“ zeigen. Perfekt düstere Krimi-Stimmung überall, also.

Hier meine drei Chicago-Orte, die sich unter gleich welchem Gesichtspunkt für einen Besuch lohnen.

 

1. Der Sears-Tower

Blick nach Unten von der Aussichtsplattform des Sears-Tower in Chicago (c) Kanter

Blick nach Unten von der Aussichtsplattform des Sears-Tower in Chicago (c) Kanter

Gut, er heißt nicht mehr so, seit eine Anwaltskanzlei zum Hauptmieter wurde und das Namensrecht gleich mitgepachtet hat. Aber Willis-Tower, tut mir leid, liebe Anwälte, klingt weder gut, noch nach irgendeiner Tradition.  Jedenfalls ist das Gebäude das höchste Chicagos und war mal da höchste Haus der Welt (aktueller Rang: Platz 10).  Jedenfalls gibt es relativ weit oben eine  Aussichtsplattform, von der aus man wirklich einen großartigen Ausblick auf die Stadt und den Lake Michigan hat. Natürlich ist es eine Touristenattraktion, aber eben ein Sehenswerte. Halbwegs höhentaugliche Menschen können sich sogar auf einen vollverglasten Plexiglas-Balkon stellen und auf kleine Bauklötze zwischen den Füßen schauen. Allerdings sind diese Bauklötze selber Hochhäuser von 70-100 Meter Höhe. Der Sears-Tower bietet also einen hübschen Perspektiv-Wechsel

 

2. Die North-Western-University

Die Skyline von Chicago am Lake Michigan

Von der North-Western-University aus ist as Zentrum Cicagos weit. Das hilft beim ungestörten denken und lernen (c) Kanter

Ein gutes Stück entfernt vom Stadtzentrum liegt der Campus der North-Western-University von Chicago. Das Universitätsgelände ist erstens riesig, zweitens direkt am Lake Michigan gelegen und dritten von einer ganz besonderen, aufbruchartigen Aura umgeben. Der Besucher, auch wenn der das studentische Alter weit hinter sich gelassen hat, meint förmlich zu spüren, wie er auf dem Weg zwischen den Fakultätsgebäuden hindurch klüger wird. (vermutlich bleibt es bedauerlicherweise bei dem Gefühl). Es ist aber leicht, sich dort wohl zu fühlen, weil der Campus ein Elfenbeinturm im besten Sinne ist. Dort arbeiten Professoren, die Vergnügen haben, ihr Wissen weiter zu geben und Studenten, die durchdrungen sind von Optimismus und Leistungsbereitschaft und dem Willen auf eine bessere Zukunft. So soll das auch sein. Die Realität kommt mit dem Arbeitsleben schließlich früh genug.

 

3. „Das, wo sie den Picasso haben“

Cook-County-Gebäude in Chicago (c) Kanter

Das Platz vor dem Cook-County-Gebäude in Chicago, bekannt aus dem 80er-Jahre-Klassiker „Blues Brothers (c) Kanter

Kann einen ein kommunales Verwaltungsgebäude in stilles Verzücken versetzen? Ja, es kann. Zumindest in Chicago, wenn der Tourist zufällig auf den Vorplatz des „Cook County-Gebäudes gelangt. Das ist nämlich „das, wo sie den Picasso“ haben“. Den meisten Mitvierzigern besser als das Gebäude bekannt, wo erstens das „Blues-Mobil“ in seine Einzelteile zerfällt und zweitens Joliet Jake und Elwood in einem furiosen Finale von einer irrwitzig großen Zahl von Polizisten, Nationalgardisten und Soldaten festgenommen worden. Damit ist es eine de wichtigsten Pilgerstätte für alle Fans des überdrehten Films „Blues Brothers“, der Anfang der achtziger Jahre zumindest männliche Teen-Ager mit seiner Mischung aus Pennäler-Humor, grotesken Verfolgungsjagden und genialem Soundtrack wiederholt an den Kinosessel fesselte.

Krimis, die in Chicago spielen:

Lauren Beukes, Shining Girls, Rowohlt, 393S., 1. Februar 2014

John Grisham, Verteidigung, Heyne, 464 S.,September 2012

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