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Kathrin Langes „40 Stunden“: Ein Krimi für den Urlaubsleser

Der Ermittler ist Moslem, von der Familie unverstanden, selbstverständlich von seiner Frau verlassen und natürlich wegen eins schrecklichen Ereignisses traumatisiert (und suspendiert). Es gibt einen umstrittenen ökumenischen Gottesdienst, dazu passend religiöse Fanatiker, eine Querverbindung nach Afghanistan inklusive einer wegen Ehebruch gesteinigten Frau, einen katholischen Priester, der es mit dem Zölibat nicht so ganz genau nimmt, missliebige Vorgesetzte, einen bösartig-genialen Attentäter und natürlich eine gnadenlose Bombendrohung.

Alle Bausteine aus dem Krimi-Bastelset

Wenn man streng ist, muss man sagen, dass Kathrin Lange im Workshop kreatives Schreiben genau aufgepasst hat und alle Bausteine, die einen ordentlichen Krimi ausmachen, in ihrem Thriller-Debüt „40 Stunden“ untergebracht hat. Das ist für den regelmäßigen Krimi-Leser auf Dauer ein wenig anstrengend, weil sich irgendwann der Gedanke „och nö, nicht da jetzt auch noch“ aus dem vollgestopften Krimi-Gedächtnis-Zentrum ins Bewusstsein drängt.

40 Stunden ist ein ordentlicher Urlaubskrimi

Tatsächlich kann man „40 Stunden“ auch anders sehen. Wenn man diese fiesen kleinen Gedanken zurückdrängt, hat Kathrin Lange einen recht soliden, über weite Strecken spannenden Krimi geschrieben, keinen Klassiker, aber einen von der Sorte, der einem im Urlaub am Pool, in der Hängematte oder auch Im Flugzeug gute Dienste leistet, weil Kathrin Lange im Workshop für kreatives Schreiben eben so gut aufgepasst hat: Das Tempo ist hoch, die Handlung hinreichend komplex, die Figuren sympathisch (bzw angemessen finster). Perfekt für die Urlaubssituation, bei der man ja meist Wert auf reduzierte intellektuelle Transferleistungen legt.

Kathrin Lange versucht zu sehr, alles richtig zu machen

Den Krimi-lesenden Blogger stört bei „40 Stunden“ vielleicht auch nur, dass die Autorin zu sehr versucht hat, alles richtig zu machen: So drängt mit einer gewissen Penetranz immer wieder das Vorhaben, einen richtig spannenden Krimi zu schreiben, in den Vordergrund, das wirkt wie bei einem Musiker, der eine eigentlich sehr schöne Melodie mit Drum-Computer und Hammond-Orgel aufzupeppen versucht und dann zu oft Klangbrei produziert.

Hatz unter Zeitdruck durch Berlin

Darum geht’s: Der Papst kommt nach Berlin, um einen ökumenisches Abendmahl abzuhalten. Das ist umstritten. Das nutzt ein Unbekannter um Faris Iskander, Ermittler mit ägyptischen Wurzeln, auf eine gnadenlose Hetzjagd durch Berlin zu treiben. Immer wieder sprengt der Täter Bomben und tötet Menschen. Es wird schnell klar, dass es auch um Iskander persönlich geht. Viel Zeit hat Iskander, der von seinen Vorgesetzten nicht eben unterstützt wird, nicht zur Verfügung. „40 Stunden“, um genau zu sein.

Tatort:Berlin

Berlin übt auf Touristen einen großen Reiz aus. Das merkt der in Berlin lebende Mensch, wenn er Pech hat, jeden Tag auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Berlin reizt aber auch Krimi-Autoren. Natürlich bietet die Hauptstadt Autoren viele Möglichkeiten, ihre „kriminelle Energie“ auszuleben. In „40 Stunden“ wird ein solide recherchiertes Bild der einzelnen Schauplätze gezeichnet, aber eben auch nur genau das. Insgesamt bleibt das Berlin von Kathrin Lange eher eindimensional, es ist das Berlin derjenigen, die hier mal zu Besuch sind. Das ist kein Mangel, kein Makel, aber ein Hinweis für diejenigen, die wissen wollen, wie die Tatorte im Krimi stattfinden – und darum geht es sich beim „Tatort:Krimi“ am Ende der Texte ja beinahe immer auch.

Kathrin Lange: 40 Stunden, Blanvalet, 414 S., 9,99€ VÖ Februar 2014

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