Kategorien
Neu

Cocco&Magella: Die Toten der Villa Cappelletti. Mord am schönen Comer See

Es gibt seltene Fälle, da ist es erst einmal egal, wer einen Krimi geschrieben hat, oder was der Klappentext an Inhalt verspricht. Manchmal reicht der Schauplatz, um den Leser „anzufixen“. Das gilt unbedingt für „Die Toten der Villa Cappelletti“. Der Kriminalroman spiel am Comer See – und der ist wirklich etwas besonderes, natürlich nicht so sehr wegen des Sees – darin ist wie in den meisten Seen nur Wasser. Die Umgebung macht den Unterschied.

Einer der schönsten „Tatorte“ der Welt

Die Region in Norditalien hat wirklich ein ganz besonderes Flair. Das beginnt mit dem Licht, dass in der Bergwelt rund um den See besonders leicht erscheint, das setzt sich mit der Natur, die von den unterschiedlichsten Grüntönen dominiert wird fort und endet beim Menschen, der dort ganz besondere Dörfer; Städtchen und Villen gebaut hat. Wer beispielsweise durch die Altstadt des Örtchens Como oder rund um die legendäre Villa d’Este flaniert (anders kann man sich da nicht fortbewegen) ist, wird das Gefühl leicht angestaubter, verfallener und gerade deshalb besonders weltläufiger Pracht nie wieder vergessen. Como scheint trotz italien-typischen Verkehrschaos und alltäglicher Ruppigkeit wie von einem anderen Planeten.

Verblichene Pracht: Die Villa Erba am Comer See (c) kanter
Verblichene Pracht: Die Villa Erba am Comer See (c) kanter

Ein Toter in einer Berghütte

Hier, in dieser ganz besonderen Welt, ermittelt die Kommissarin Stefania Valenti. Die alleinerziehende Mutter wird in ein einsames Bergdorf gerufen: Dort wurde bei Bauarbeiten die Überreste eines Menschen gefunden – der Beginn eines komplizierten Puzzlespiels für die Polizisten, an dessen Ende sie ein Verbrechen aus dem Ende des 2. Weltkrieges aufklären wird.

Eine gute und viele ordentliche Ideen in „Die Toten der Villa Cappelletti“

„Die Toten der Villa Cappelletti“ unterhält gut. Das liegt in erster Linie daran, dass das Autorenpaar Giovanni Cocco und Amneris Magella die besondere Atmosphäre des Comer Sees gut einfangen und wiedergeben. Außerdem haben die beiden Italiener eine gute und viele ordentliche Ideen. Über den Umweg des Kriminalromans lassen die beiden ein Stück Geschichte Italiens auferstehen und thematisieren mit einer erzählerischen Leichtigkeit, die italienischen Autoren oft zu eigen ist, Fragen um Schuld und Unschuld, gut und böse in Kriegszeiten. Ganz nebenbei widmen sie sich dem allitalienischen Thema mafiöser Familienstrukturen.

Giovanni Cocco und Amneris Magella: Einfallslosigkeit bei der Figurenwahl

Wenn man etwas kritisieren will, könnte man eine gewisse Einfallslosigkeit bei der Figurenzeichnung nennen. Die alleinerziehende Mutter, die es drauf hat, alle Schwierigkeiten inkompetenten, gemeinen, oder gemeinen und inkompetenten Männern zum Trotz löst, ist – sagen wir mal – zumindest abgegriffen.. Dass Giovanni Cocco und Anneris Magella dennoch an allen möglichen Stellen romantische Elemente von glücklichen und unglücklichen Lieben reinstopfen, wäre auch nicht unbedingt nötig gewesen. Aber über beides kann man getrost hinwegsehen, weil „Die Toten der Villa Cappelletti“ insgesamt ein sehr solider und sehr lesenswerter Kriminalroman ist.

 

Tatort: Comer See

Der Comer See ist die perfekte Urlaubsgegend. Alles nötige dazu ist eingangs bereits erwähnt. Wer zweifelt, kann ja bei George Clooney und Co nachfragen. Wer Geld hat, und den Ruhm italienische Verwaltungsvorgänge zu beschleunigen, „hält“ sich an den Ufern des Comer Sees eine Ferienvilla. Verstehen kann man das. Schon wegen der schönen Riva-Motorboote. Außerdem landen und starten auf dem See sogar Wasserflugzeuge…

Giovanni Cocco und Amneris Magella: Die Toten der Villa Cappelletti, Rowohlt, 319S., 14,99€, Juni 2014

Autor: