Tom Hillenbrands „Tödliche Oliven“: Gelungener Krimi um schmierige Geschäfte

12 Nov

Es gibt Menschen, die werden konsequent vom Pech verfolgt. Eigentlich wollen diese Zeitgenossen doch nur von Überraschungen unbehelligt ein bequemes Leben führen, aber das geht all zu oft schief – und sie stürzen Kopfüber ins Chaos. Natürlich geben genau diese Menschen die perfekten Krimi-Helden ab. Das gilt auch für Xavier Kieffer. Der von Tom Hillenbrand erdachte Luxemburger Koch und Gastronom stolpert in „Tödliche Oliven“ jetzt bereits zum vierten Mal in ein Szenario, das von Mord, Erpressung, Korruption, globalen Verschwörungen und allerlei anderen finstern Verbrechen dominiert wird.

Ein missglückter Ausflug für Xavier Kieffer

Es beginnt, wie könnte es anders sein, in aller Unschuld. Kieffer möchte sich eine Auszeit gönnen und mit seinem Freund aus Schulzeiten, Alessandro Colao gemeinsam nach Italien fahren. Der Wein- und Ölhändler besitzt dort eine Ölmühle und – beinahe noch wichtiger – detailliertes Wissen über die besten Restaurants. Natürlich kommt Kieffer zu spät zum Treffpunkt, der Freund ist weg.

„Tödliche Oliven“: Falsche Freunde in finanzieller Not

Schnell stellt sich raus, dass Colao nicht etwa aus purer Ungeduld Luxemburg verließ, sondern bereits seit Tagen verschwunden ist. Kieffer macht sich also alleine auf den Weg Richtung Italien, um den Freund zu finden. Er stellt nicht nur fest, dass sein Jugendfreund sich in finanzieller Notlage auf die falschen Freunde eingelassen hatte, sondern gerät schnell auch selber in Gefahr. Die Mafia hat, welche Überraschung, bei ihren schmierigen Geschäften rund ums Öl für neugierige Köche eher wenig Verständnis. Das kann – und das wird nicht gut ausgehen.

Ein Krimi von Tom Hillebrand, bei dem man sich am Ende klüger fühlt

„Tödliche Oliven“ ist ein höchst unterhaltsamer Krimi. Tom Hillenbrand, der meiner Meinung nach dem mit der schrecklich-schönen Zukunftsvision „Drohnenland“ den bislang besten Kriminalroman des Jahres 2014 geschrieben hat, besitzt ein gutes Gespür dafür, leichte Unterhaltung und große Themen miteinander zu verbinden. Seine Kriminalromane besitzen dadurch im besten Sinne „gesellschaftliche Relevanz“. In „Tödliche Oliven“ beschäftigt sich Hillenbrand also mit dem italienischen Olivenöl und allen miesen Geschäften, die darum betrieben werden. Offenbar wird deutlich mehr hochklassiges Olivenöl konsumiert als produziert. Wie die Differenz in Küchen und Esszimmer gerät, will man nach der Lektüre von „Tödliche Ernte“ eigentlich lieber nicht wissen. Dennoch fühlt man sich, und das ist ja auch nicht das Schlechteste, am Ende klüger.

Eine perfekte Identifikationsfigur für Durchschnitts-Dussel

In jedem Fall schafft Hillenbrand für mich einen Dreiklang, der Kriminalromane zur perfekten Unterhaltung werden lässt: ein wichtiges Thema, aufgeladen mit einer glaubhaften Verschwörungstheorie, eine spannende, raffiniert verschlungene Krimihandlung und sympathisch-liebenswerte Protagonisten. Mir jedenfalls ist nach meinem zweiten Kieffer-Fall der Luxemburgische Koch schon richtig ans Herz gewachsen. Der Genuss-Mensch, der nur am Herd brilliert und ansonsten lediglich eine ausgeprägte Beharrlichkeit als Kompetenz bei seinen „Ermittlungen“ in die Waagschale werfen kann, taugt für die meisten Durchschnitts-Dussel als perfekte Identifikationsfigur. Meine Verfolgungsjagden jedenfalls wären, auch ohne, dass ich Kettenraucher wäre, vermutlich ähnlich erfolgreich wie die von Xavier Kieffer.

 

Tatort:Luxemburg

So ganz genau weiß man es ja nicht. Ist Luxemburg jetzt ein Dorf oder eine Großstadt. Wenn man Tom Hillenbrand glauben darf, geht es zwischenmenschlich wie in der Provinz zu, während das kriminelle Niveau Metropolenpotential besitzt. Jedenfalls hat Hillenbrand einen liebevollen Blick auf das kleine Großherzogtum und gönnt sich – und seinen Lesern – den einen oder anderen Seitenhieb auf die EU-Bürokratie, die sich in Luxemburg immer mehr ausbreitet. Insofern bekommt man einen schönen Einblick in einen sehr exotischen Ort mitten in Europa.

Tom Hillenbrand, Tödliche Oliven, KiWi, 322S, 9,99€, VÖ: 6. November 2014

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