Stephan Ludwig: Zorn – Wie sie töten. Ein Gelungener Mix aus Groteske und Grausamkeit

3 Dez

Das Mittagessen ist mittlerweile der absolute Höhepunkt im Alltag von Zorn geworden. Denn dann geht der Polizist zu seinem ehemaligen Kollegen, der den Job quittiert hat und seither eine Art Restaurant betreibt. Es gehört zu den skurrilen Einfällen von Stephan Ludwig, dass sein heimlicher Held, der „dicke Schröder“ in seinem „Restaurant“ mehr oder weniger nur für sich, eine Nachbarin, seine Mutter und eben seinen ehemaligen Vorgesetzten kocht. Viel Raum für Besinnlichkeit beschert der Autor dem derzeit vermutlich merkwürdigsten Ermittler-Duo der deutschen Krimi-Landschaft allerdings nicht.

Brutale Morde einer Sadistin

Eine Serienmörderin ist unterwegs in der Stadt, mordet scheinbar wahllos auf Bahnhöfen, im Altenheim oder im Gemüseladen. Da Zorn alleine ermittelt – und das bekanntlich meist eher lust- und erfolglos – bleiben die ersten Morde der Täterin der Polizei zunächst verborgen. Dem Leser hingegen wird die sadistisch veranlagte Frau bereits sehr früh vorgestellt. Berit Steinherz heißt die mordende Altenpflegerin, die sich zudem noch einen ihr hörigen Gehilfen hält. Zusammen ziehen sie eine blutige Spur durch die Stadt.

Atemloses Duell in „Zorn – wie sie töten“

Zorn beginnt wie immer erst dann zu ermitteln, als es eigentlich schon zu spät ist. Das Drama nimmt seinen Lauf, und immer mehr Menschen geraten in Gefahr. Obgleich die Täterin bekannt ist, entwickelt „Zorn – wie sie töten“ ein gehöriges Maß an Spannung. Der Leser kann einem atemlosen Duell folgen, in dem sich die Ermittler – hier wieder in erster Linie der dicke Schröder – und die Täterin gegenseitig belauern. Am Ende steht dann ein veritabler Show-down, der einen würdigen Abschluss eines fesselnden Kriminalromans bildet.

Eine gelungene Mischung aus Farce und Spannung

Stephan Ludwig hat eine ganz eigene Mischung gefunden: Es gibt einen Namen gebenden bis zur Groteske unfähigen Kommissar, der dennoch sympathisch ist, auch weil er sich seiner eigenen Unzulänglichkeiten immer bewusster wird. Dazu stellt Ludwig ihm mit Schröder einen Partner an die Seite, mit dem Zorn ein kongenial vertrotteltes Komiker-Duo gibt. Auf der anderen Seite nutzt der Autor die volle Härte gnadenloser Düsterkeit aus der Gesellschaft gefallener Serienmörder. Zorn metzelt in seinen Krimis mit einer Lust, dass der Leser gelegentlich schon einen stabilen Magen braucht. Einfache Kost sind Morde und die Seelenlage der Täter wie sie Stephan Ludwig beschreibt, jedenfalls nicht.
Wer beim Krimi auf „harten Stoff“ steht, wird Ludwigs Konzept, Farce und düsterste Tragödien zu verknüpfen, zu schätzen wissen, ergibt sich daraus doch eine ungemein unterhaltsame Krimi-Lektüre.
Stephan Ludwig, Zorn, wie sie töten, Fischer, 406S., 9,99€, VÖ: 20. Oktober 2014

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