Jan Fabers „Der Lobbyist“ – nur teilweise unterhaltsamer Krimi-Durchschnitt

15 Jan

Es gibt einen neuen Krimi von Jan Faber. Der Thriller „Der Lobbyist beschäftigt sich mit den Strippenziehern in den Hinterzimmern der Macht.

Im Juli 2014 veröffentlichte ein anonymer, den Namen Jan Faber verwendender Autor den Kanzleramtsthriller „Kalte Macht“. Der Krimi rund um eine Verschwörung in der deutschen Regierung war spannend, sehr unterhaltsam – und sehr erfolgreich.

Ein Thriller über die Manipulation von Politik und Öffentlichkeit

Sein Erfolg trieb den Autor möglicherweise dazu, schon ein rundes Jahr später, seinen zweiten, ebenfalls umfangreichen Thriller zu veröffentlichen. „Der Lobbyist“ heißt das Buch, in dem es genau darum geht. Jan Faber erzählt wie eine kleine Runde mächtiger Männer im Hintergrund Strippen zieht und dabei Politik und Öffentlichkeit manipuliert, um Kunden (und natürlich sich selbst) zu noch mehr Einfluss und Geld zu verhelfen.

Das Thema ist gut, die Umsetzung offen gestanden eher durchschnittlich. Mich haben beim Lesen drei Dinge gestört: Jan Faber hat seinen Plot mit Ideen überfrachtet, dabei vor lauter Schlenkern den roten Faden aus den Augen verloren und drittens weitgehend uninteressante und unglaubwürdige Protagonisten erfunden.

Die schöne Russin: Eine unglaubwürdige Protagonistin

Die junge russische (natürlich superschön aussehende) Referentin eines Konzernchefs, der erstens ein Teil ihrer Familie abhanden kommt, die aber dennoch trotz Ausbildung an Elite-Unis zweitens im Prinzip nichts anderes im Kopf hat, als in allen erdenklichen Situationen abwechselnd mit ihrem Chef und einem Nachwuchslobbyisten zu schlafen, bleibt bis zum Schluss eine konstruierte Kunstfigur.

Unterhaltsame Porträts deutscher Polit-Prominenz

Unterhaltsam ist „Der Lobbyist“ auch. Immer dann, wenn Jan Faber real existierende Politiker „ausschlachtet“ und deren Macken seinen erdachten Figuren anheftet wird es unterhaltsam. Der Wirtschaftsminister beispielsweise ist eine schöne Parodie auf Gerhard Schröder. Um den populistischen Poltergeist Hansjürgen Schneider zu erfinden, bedurfte es zwar nicht über langjährige Insider-Erfahrung im Politikbetrieb, aber die Machtgier und die Hybris eines Politik-Profis am Scheideweg seiner Karriere lesen sich sehr unterhaltsam.

Ein Plot um Geld, Macht und Korruption

Wer zudem eine Handlung sucht, wird eine Geschichte um Oligarchen, Wirtschaftsbosse, Korruption, eine Pipeline von Russland nach Deutschland und Umweltverschmutzung zugunsten von Unternehmensgewinnen finden. Jedenfalls hat ein Wissenschaftler – der Vater unserer schönen Referentin geheime Dokumente über einen gigantischen Umweltskandal. Das wiederum stört einen russischen Oligarchen, der versucht – wie andere auch – an die Dokumente zu kommen. Gleichzeitig versuchen Lobbyisten, den Bau der Gaspipeline mit allen Mitteln gegen eine skeptische Öffentlichkeit durchzusetzen.

Oft oberflächlicher Krimi-Durchschnitt

Wegen der Thematik und der Schilderung von Politikern und der Durchtriebenheit der Lobbyisten liest sich Fabers Thriller phasenweise unterhaltsam, wegen der Figuren und des zerfasernden Plots würde ich „Der Lobbyist“ aber eher als zu oft oberflächlichen Krimi-Durchschnitt einordnen. Wer Jan Faber noch nicht kennt: lieber Kalte Macht: Thriller lesen: Das lohnt sich…

Jan Faber: Der Lobbyist, Page&Turner, 407S., 19,99€, VÖ: Oktober 2015

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