Su Turhan schreibt in Kruzitürken von Türken, Deutsch-Türken, Bayern und anderen Exoten

18 Mrz

Es gibt diese spezielle Sorte Krimi, bei denen fühlt man sich von Beginn an wohl, weil sie schon mit den ersten Seiten eine unterhaltsame Mischung aus spannender Handlung und interessanten Hauptfiguren versprechen: Diese Krimis sind meist nicht die besonders bedeutsamen oder düsteren Werke. Sie gehören eher in die Rubrik perfekte Unterhaltung (was ja im deutschen Literaturbetrieb immer noch eher ein Makel zu sein scheint).

Kruzitürken von Su Turhan

In die Reihe dieser viel versprechenden Krimis gehört die Serie um den deutsch-türkischen „Kommissar Pascha“. Der neueste Band, der erste, den ich gelesen habe, heißt „Kruzitürken“ von SuTurhan.

Su Turhan schreibt Krimis rund um „Kommissar Pascha“

Und um es vorwegzunehmen, „Kruzitürken“ hält das Versprechen der perfekten Krimi-Mischung bis zur letzten Seite. Das liegt in erster Linie am Personal, das Turhan für seine Serie rund um Zeki Demirbilek, den „Kommissar Pascha“, „engagiert“ hat. Türken, Deutsch-Türken, Bayern und andere Exoten bilden ein Team, das als Sonderdezernat Migra Verbrechen an und von Menschen mit Migrationshintergrund aufklärt.

Der große Reiz der Geschichten um den „Pascha“ geht vom Zusammenprall der Kulturen aus. Su Turhan, der selber in Istanbul geboren ist, schreibt mit einer guten Mischung aus Einfühlungsvermögen und bissiger Ironie über das Leben der Deutsch-Türken mit den bayrischen „Ureinwohnern“.

Mord an einer Bauchtänzerin

In „Kruzitürken“ muss das Team nach dem Tod einer Bauchtänzerin ermitteln, die vor ihrem Auftritt in München ermordet wurde. So richtig viel Lust auf das Milieu hat Kommissar Demirbilek nicht, obwohl doch sein Sohn sogar als Musiker für das Event engagiert worden war. Nach dem Mord muss sich Demirbilek dann doch an den Tatort bequemen. Bei den Ermittlungen stößt das Migra-Team auf allerlei Ungereimtheiten und ein Panoptikum merkwürdiger, um nicht zu sagen zwielichtiger Gestalten. Am Ende muss Kommissar Pascha im Verlauf der Ermittlungen sogar nach Istanbul reisen. Das passt ihm ganz gut, weil er nebenbei auch seine Familienverhältnisse ordnen und seine Frau, die in Richtung Türkei verlassen hatte, zurückgewinnen will.

Unterhaltsame Mischung aus Krimi und Familienroman

Leser, die allein auf Spannung und Tempo Wert legen, werden sich bei „Kruzitürken“ möglicherweise nicht vollständig wohl fühlen, weil der Krimi gefühlt zur Hälfte auch Familienroman ist. Das ist aber meiner Meinung in diesem Fall eher eine zusätzliche Qualität als ein Makel, aber es soll ja Menschen geben, denen dieser ganze zwischenmenschliche Kram auf die Nerven geht. Und hinreichend spannend ist „Kruzitürken“ überdies.

Tatort: München

Su Turhan beschreibt München und Bayern weniger als Ort als vielmehr als Haltung. Der in Istanbul geborene und in München lebende Autor und Filmemacher hat den Vorteil, gleichermaßen von Innen wie von Außen auf die bayrisch-deutsche Mentalität und das Leben in München blicken zu können. Wie er seine Erkenntnisse des Zusammenlebens (oder Nicht-Zusammenlebens) beschreibt, ist in höchstem Maße unterhaltsam und häufig sehr komisch. Ohne, dass Suhan das darauf anlegt, zeichnet er über seine deutsch-türkischen Ermittler aber auch ein eindringliches Bild der inneren Zerrissenheit der Migranten, die in Deutschland leben und häufig mit mehr als einer Heimat in Kopf und Herz leben müssen. Su Turhan hat seine Serie vermutlich überhaupt nicht mit dem Ziel geschrieben, einen Beitrag zur Integrationsdebatte zu leisten. Lesenswert sind seine Bücher aber auch in diesem Zusammenhang.

Su Turhan, Kruzitürken, Knaur, 333S. 9,99€, VÖ 14. Januar 2015

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