Ursula Poznanskis Stimmen: Morde zwischen Trauma und Trommeltherapie

31 Mrz

Wenn Ursula Poznanski Krimis schreibt, sucht sie sich immer ein Subthema. Bei ihrem Debüt „Fünf“ war das Geocaching und beim zweiten Krimi um ihre Salzburger Ermittlerin Beatrice Kaspary, „Blinde Vögel“ Facebook: Bei dem dritten Band hat die Wienerin diese Idee, gesellschaftlich relevante Zeitgeistphänomene zu verwenden, leicht abgewandelt: Sie hat sich ein sehr düsteres Thema der jüngeren österreichischen Vergangenheit genommen und unter ihre Krimi-Handlung gelegt.

Spannende Krimi-Handlung rund um ein Trauma

In ihrem neuesten Band „Stimmen“ spielt jedenfalls eine traumatisierte Frau eine Rolle, deren Geschichte stark an Natascha Kampusch erinnert, die als Zehnjährige entführt worden war und ein jahrelanges Martyrium in der Gewalt eines Psychopathen erleiden musste. Poznanski variiert das Thema, bei ihr ist es der eigene Vater, der seine Tochter als Sklavin hält und missbraucht. Erst als Erwachsene konnte die Frau befreit werden und lebt seither traumatisiert und schweigend in einer geschlossenen Abteilung des Salzburger Krankenhauses, einer fiktiven „Trauma-Station“.

Mord an einem Arzt in der Psychatrie

Ein Arzt dieser Trauma-Station wird ermordet und Beatrice Kaspary und ihr Kollege Florin Wenninger nehmen die Ermittlungen auf. Es dauert nicht lange, und es geschehen weitere Morde. Ärzte, Patienten, Pfleger: Niemand scheint mehr sicher. Auf der Station haben offenbar nicht nur die Patienten Probleme. Ausgerechnet die traumatisierte und stumme junge Frau gibt der Polizeibeamtin Kaspary auf verklausuliertem Weg erste Hinweise – nur kann die lange Zeit niemand entschlüsseln.

Amüsante Seitenhiebe gegen die Ärzteschaft in „Stimmen“

Wer Vorbehalte gegen Ärzte im Allgemeinen und Therapeuten im Besonderen hat, wird in „Stimmen“ bestens bedient. Das behandelnde Personal jedenfalls ist eitel, mäßig kompetent und mindesten halb-kriminell. Das zumindest ist der Eindruck, den die Polizisten bei ihren Ermittlungen mitnehmen (und den Kaspary so glaubhaft-schauderlich beschreibt, dass sie sich im Nachwort ausdrücklich bei allen realen Ärzten entschuldigt. Die seien gar nicht so schlimm…) Dennoch ahnt man, dass Poznanski von modernen Therapieansätzen mit Trommeln und Tarotkarten nicht eben viel hält.

Ursula Poznanski schreibt einmal mehr höchst unterhaltsam

Wenn ich empfehlen soll – und dafür ist dieser Blog ja da – würde ich dazu raten, den Prolog wegzulassen, weil die ersten drei Seiten den Lesern krimi-genre-technisch auf die falsche Fährte locken, und sich dann mit vollem Genuss auf die restlichen knapp 440 Seiten zu stürzen. „Stimmen“ bietet wieder beste Krimi-Unterhaltung. Es gibt ein weiterhin sympathisches Ermittler-Duo, dem – soviel sei verraten – die Autoren endlich eine Vertiefung der angedeuteten Romanze gönnt, viele interessant gezeichnete Nebenfiguren, eine breite Auswahl an potentiellen Schurken und Tätern und einen Plot mit angenehm vielen Winkelzügen und Wendungen. Urula Poznanski schafft auch in ihrem neuesten Krimi wieder eine gute Balance zwischen düsteren Abgründen und einer positiven Lebenseinstellung. Wer sich auch im Kriminalroman darüber freuen kann, dass sich das Gute am Ende durchsetzt, ist bei „Stimmen“ bestens aufgehoben.

Ursula Poznanski, Stimmen, Wunderlich, 442 S., VÖ: 6. März 2015

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