Stephan M. Rother: Ein Grab mit deinem Namen, Stark (allein) wegen seiner Ermittler

26 Jun

Am Rande Hamburgs treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Verschrobene Wissenschaftler, raffgierige Investoren, eine politische Elite, die sich über den Gesetzen stehend glaubt, Esoteriker einer neuheidnischen Sekte und Angehörige alten dänischen Adels. Dass das nicht ohne menschliche Verwerfungen ausgehen kann, ist klar. Dass sich mittendrin in dieser ungewöhnlichen Ansammlung ein Mörder verbirgt, stellt die Ermittler um die Kommissare Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs schon eher vor Probleme.

Mord im Moor

In ihrer eigenen Ausgrabungsstelle wird die Archäologin Melanie Dahl tot aufgefunden, ermordet – und wie sich bald herausstellen soll – mit obskuren Runenzeichen bedeckt. Diese Ausgangslage hat sich Stephan M. Rother für seinen Krimi „Ein Grab mit deinem Namen“, dem dritten Band der Serie um Albrecht und Friedrichs, erdacht. Bei der Suche nach dem Täter legt Rother seinen Kommissaren zunächst eine weitere Leiche, später jede Menge politischen Druck von oben und am Ende ein interessantes Feld potentieller Täter in den Weg.

Stephan M. Rother rückt seinen Kommissaren wieder auf die Pelle

Zu den Stärken der Stephan M. Rothers gehört die Gabe, seinen Protagonisten richtig dicht auf die Pelle zu rücken. Der Leser kommt den Ermittlern sehr nahe, das schafft eine emotionale Nähe, die man von den besseren skandinavischen Krimis gewohnt ist. Gleichzeitig lässt er seinen ebenso glaubwürdigen wie sympathischen Kommissaren so viel geheimnisvollen Freiraum, dass sie noch Entwicklungspotential haben – was ja für den Wunsch nach Fortsetzungen nicht unwichtig ist.

„Ein Grab mit deinem Namen“, eine gute Fortsetzung

Für mich reicht die Spannung aus, die Rother erzeugt, wenn er uns am Kampf seiner Ermittler mit den eignen Dämonen, den Widrigkeiten des Polizistenalltags und der Suche nach der Wahrheit zuzuschauen, um ihn als lesenswert zu empfehlen. „Ein Grab mit deinem Namen“ hat nämlich durchaus auch einige Schwächen.

Unglaubwürdiger SM-Quark in „Ein Grab mit deinem Namen“

Ich persönlich kann dieser pseudomystischen Welt irgendwelcher neuheidnischen Sekten oder Gruppen nicht so viel anfangen. Deshalb reizt mich auch ein Krimi, der sich das Thema aussucht, nicht sonderlich. Aber das sind natürlich persönliche Befindlichkeiten, die jeder andere Leser völlig anders sehen kann.

Außerordentlich ärgerlich fand ich allerdings Rothers Ideen, wie die „Reichen und Mächtigen“ ihre Freizeit verbringen. Ich hatte das Gefühl, dass sich Rother hier vom ökonomischen Erfolg von „Fifty Shades of Grey“ hat inspirieren lassen: Eine Handschelle hier, einige Hiebe dort, fertig ist das abgründige Verlangen, das neue Leserschichten erschließt. Die Ideen rund um den SM-Quark in „ein Grab mit deinem Namen“ waren einigermaßen platt, unglaubwürdig und auf ärgerliche Weise durchsichtig.

Stephan M. Rother, Ein Grab mit deinem Namen, Rowohlt, 475S., 9,99€, VÖ: 27. März 2015