Sven Kochs Dünenkiller: Mord und Totschlag zwischen Marsch und Watt

30 Jun

Eine herrenlos in der Nordsee treibende Yacht, ein Auftragskiller und drei neugierige Fischer bilden den Auftakt zu „Dünenkiller“, dem neuesten Krimi von Sven Koch. Letztere finden erstere im Wattenmeer, nach dem der Killer dort sein blutiges Geschäft betrieben hat. Drei Leichen und eine Schwerverletze schockieren die biederen Krabbenfischer bis ins Mark – und sollen die Soko des niedersächsischen Landeskriminalamts um die Kommissare Femke Folkmer und Tjark Wolf gehörig auf Trab halten.

Tödliches Ende eines Segeltörns

Die Toten auf der Yacht sind erfolgreiche Geschäftsleute, die so stellt sich schnell heraus, in eine tödliche Falle gelockt worden waren. Nicht klären lässt sich zunächst, welche Rolle die junge Russin Aisa, die nur knapp dem Tod entging, an Bord der Yacht spielte. Jedenfalls weckt die stumm bleibende junge Frau schnell die Beschützerinstinkte der Polizisten. Obwohl sie die Frau in einem Ferienhaus verstecken, können sie einen Angriff nicht verhindern. Allerdings geht das Gemetzel anders aus als es die Polizisten vermutet hätten. Die beschauliche Region am Rande der norddeutschen Tiefebene wird jedenfalls von immer neuen, immer bösartigeren Finsterlingen heimgesucht. Es herrscht Mord und Totschlag zwischen Marsch und Watt

Zwei Interpretationen zu Sven Kochs Dünenkiller

„Dünenkiller“ von Sven Koch lässt sich auf zwei Arten bewerten. Erstens: „Dünengrab“ ist ein sehr unterhaltsamer, angenehm zu lesender Krimi mit sympathischen Figuren und einer ordentlich komplexen Handlung, die in einem genregerechten Showdown mündet. Wer zur entspannten Ablenkung, beispielsweise im Flieger oder am Strand, gut gemachte Unterhaltung sucht, wird hier bestens bedient

Zweitens: „Dünenkiller“ kommt ohne wirklich originelle Einfälle aus. Die Kommissarin mag Pferde, der Kommissar ist bindungsscheu und wird von Dämonen der Vergangenheit getrieben, der russische Oligarch wiederum ist korrupt und blutrünstig bis ins Mark. Alle Ideen, die Sven Koch verwendet, hat man so oder so ähnlich schon allzu häufig gelesen. „Dünenkiller“ ist, wenn man strenge Maßstäbe anlegt, klischeebeladen bis vorhersehbar. Wer einen innovativen oder außergewöhnlichen Krimi lesen will, ist hier völlig fehl am Platz.

Lesespaß durch sympathisches Personal

Mir hat „Dünenkiller“, obwohl man als Krimi-Blogger natürlich eigentlich immer auf das Besondere hofft, Spaß gemacht. Bisweilen reicht es auch einmal völlig aus, wenn bekannte Ideen auf hohem handwerklichen Niveau neu zusammengesetzt werden. Das funktioniert vor allem dann, wenn das handelnde Personal sympathisch ist. Ausgetretene Pfade können eben auch einmal reizvoll sein, wenn die Begleitung stimmt – und dafür sorgt Sven Koch.

Sven Koch, Dünenkiller, Knaur, 423S., 8,99€, VÖ: Mai 2015