„Der Anhalter“ von Lee Child, ein sehr solider Spannungsroman

30 Aug

Jack Reacher hängt fest. Seit mehreren Romanen versucht der Mann, der Ödnis des mittleren Westens der USA zu entkommen. Seinem Ziel, Virginia – wo möglicherweise eine tolle Frau wartet – kommt er dabei kein Stück näher Mindestens zum vierten Mal in Folge hat Lee Child die Handlung seiner Jack-Reacher-Krimis ins Nirgendwo, dass aus Farmland bis zum Horizont, heruntergekommenen Häusern und gesichtslosen Städten besteht, verlegt.

Lee Child perfektioniert die Schilderung des amerikanischen Alptraums

Klingt nach Wiederholung, ist aber nicht schlimm, weil Child die Schilderung dieser besonderen Form des amerikanischen Alptraums mittlerweile perfektioniert hat. Im neuesten Roman „Der Anhalter“, dem mittlerweile 17. Roman der Serie,  passiert genau das. Jack Reacher steht in Nebraska an einem einsamen Interstate-Highway und versucht, trampend voranzukommen. Erst nach langer Wartezeit hält ein Wagen an. Darin befinden sich drei Insassen, gemeinsam reisende Geschäftsleute. Reacher, der ehemalige Militärpolizist merkt schnell, dass die Geschichten jede Menge Löcher hat. Offenbar sind die beiden männlichen Reisenden Auftragskiller, die eine junge Frau in ihrer Gewalt haben und Reacher als Tarnung für diverse Straßensperren brauchen.

Jack Reacher jagt mal wieder skrupellose Verbrecher

Glaubwürdigkeit war noch nie die Stärke Childs, Spannung dagegen schon. Auf jeden Fall findet die Polizei, nachdem sich Reacher von dem merkwürdigen Trio getrennt hat, die Frau verbrannt am Straßenrand. Kurz darauf verschwindet auch noch die Tochter. Jack Reacher misstraut, wie eigentlich immer, den Behörden und beginnt selber, nach dem Kind zu suchen. Schnell stellt sich heraus: Nichts ist wie es scheint, abgesehen von der Gefahr. Die ist höchst real, aber andererseits Reachers ständiger Begleiter.

„Der Anhalter“ von Lee Child, ein sehr solider Spannungsroman

Lee Child hat wieder einen sehr soliden Spannungsroman geschrieben, in dem der einsame Wolf Reacher sich wieder durch ein kunstvolles Labyrinth von Irrwegen und falschen Fährten kämpfen muss und dabei einen sehr großen Haufen Leichen hinter sich lässt. „Der Anhalter“ ist wieder spannend geschriebene Action, nichts für Feingeister oder Freunde kriminalistischer Sozialkritik, aber immer wieder unterhaltsam zu lesen.

Lee Child, Der Anhalter, Blanvalet, 448S, 19,99€, 29. Juni 2015