Cop Town von Karin Slaughter, ein Thriller, der im Gedächtnis bleibt

27 Nov

Atlanta, 1974. Ein Unbekannter ermordet Polizisten. Die Jäger werden auf einmal zu Gejagten und eine Stadt gerät an den Rande des Ausnahmezustandes. Weil die erfahrenen Polizisten auf einem Auge blind sind, scheint kein Ende der Mordserie in Sicht. Ausgerechnet der blutjungen Polizistin Kate Murphy gelingt es, zusammen mit ihrer Partnerin den Mörder zu stellen.

Ein Stand-Alone-Krimi von Karin Slaughter

Karin Slaughter ist eine der Königinnen, des harten Thrillers US-amerikanischen Prägung. Cop Town, ist ein außerordentlich ein außerordentlich gut gelungenes Exemplar des Genres. Eingefleischte Slaughter-Fans sollten jedoch wissen, dass Cop-Town ein sogenannter Stand-Alone-Thriller ist, also nicht zu einer der etablierten Serien gehört.

Kate Murphy und die sympathisch unbeholfenen Wege einer Berufsanfängerin

Zunächst ist Cop Town ein perfekt inszenierter Krimi. Die Suche nach dem Täter führt über genre-gerechte viele Um- und Irrwege, die Figuren sind hinreichend komplex gezeichnet und das Tempo über 500 Seiten angenehm hoch. Da man erstens den unbeholfenen Versuchen der jungen, interessant erdachten Berufsanfängerin Kate Murphy, ihren Weg in den Job zu finden, gerne folgt und es obendrein einen furiosen Showdown gibt, hat Slaughters Thriller wirklich alles, was zu einem unterhaltsamen Krimi dazu gehört.

Cop Town, ein beeindruckendes Portrait der US-amerikanischen Gesellschaft

Cop Town bietet aber noch mehr. Karin Slaughter ist ein beeindruckendes Portrait der amerikanischen Gesellschaft in einer Epoche gelungen, in der Rassismus gegen Schwarze und Diskriminierung gegen Frauen in den Gehirnen weißer Südstaaten-Männer noch ein erbärmliches Rennen um die Vorherrschaft beim Denken führten. Allein die Schilderungen, wie sich die Polizistinnen den Weg durch ihre männlichen Kollegen zu ihren Umkleideräumen bahnen müssen, zeichnen ein drastisches, sehr ergreifendes Bild über Rollenverständnisse, die noch gar nicht so lange Zeit überwunden sind.

Die unsichtbaren Grenzen eines unsolidarischen Kastenwesen

Die Schilderungen einer Gesellschaft, in der es für Frauen bereits als Zeichen des Respekts galt, wenn Sie von ihren Kollegen nicht vergewaltigt oder betatscht wurden, sind auch deshalb so gelungen, weil Slaughters, sich nicht auf ein Täter-Opfer-Bild beschränkt. Im Atlanta der 70er Jahre kämpft so ziemlich jeder gegen jeden; Weiße Männer gegen alle, Schwarze Männer gegen Frauen, Schwarze Frauen gegen Weiße Frauen und so weiter. Es galt ein unausgesprochenes Kastensystem (und man ist sich nicht sicher, ob man wirklich die Vergangenheitsform werden soll), das unsichtbare Grenzen zwischen den Bevölkerungsgruppen zog – selbst, wenn diese den gleichen Beruf hatten. In diesem System gab es, wenn man Slaughter glauben darf, auch innerhalb der Gruppen wenig Solidarität. Wer nicht dem Mainstream-Ideal entsprach, war sehr einsam, um es mal zurückhaltend zu formulieren.

Die Kunst Saughters besteht darin, das alles mit klaren Worten zu erzählen, ohne das Grundprinzip des Spannungsromans zu vergessen. Cop Town ist sehr harte Kost, aber eine außerordentlich lesenswerte, ein Krimi, der im Gedächtnis bleibt.

Karin Slaughter, Cop Town, Blanvalet, 544 S., 14,99€ VÖ: 9. November 2015