Jagd auf Deppen? Ein neuer Sebastian Bergman-Krimi von Hjorth/Rosenfeldt

22 Feb

Eine der wichtigsten Fragen, die sich zuletzt bei den Kriminalromanen von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt aufdrängte, kreist darum, wie sehr Sebastian Bergman mit neuerlicher menschlicher Niedertracht dem Leser auf die Nerven geht. In den letzten Bänden wurde die Lektüre der Serie wegen der Penetranz des schwedischen Profilers beinahe zur Qual.

Neue Eskapaden eines therapiebedürftigen Psychologen

Im neuesten Band kann man beinahe Entwarnung geben. Die Eskapaden des dringend therapiebedürftigen Psychologen halten sich in „Die Menschen, die es verdienen“ in Grenzen. Der fünfte Band um das Team der Reichsmordkommission ist auch deshalb insgesamt sehr unterhaltsam geraten.

Ein Serienmörder macht Jagd auf Ignoranz

Hjorth/Rosenfeldt haben sich einen Täter erdacht, der – vereinfacht formuliert – Deppen umbringt. Der fiktive Serienmörder hat es auf die Prominenz moderner Zeit abgesehen; Doku-Soap-Stars, Blogger und andere Sternchen, die ihren Erfolg leistungsfrei zu erreichen scheinen. Jedenfalls entführt der Serienmörder C- und D-Prominenten, unterzieht sie einem Wissenstest. Wer bei diesem „Check“ der Allgemeinbildung durchfällt, stirbt. Das Team um Torkel Höglund läuft dem Täter lange Zeit  weit hinter her, bis Sebastian Bergman, der noch immer versucht, eine Beziehung zu seiner Tochter herzustellen, mal wieder einen waghalsigen Alleingang startet, ein „Stunt“, der dramatische Folgen haben soll.

Die Romane des Autorenduos Hjorth/Rosenfeldt sind ja immer ein Vergnügen, ob nun trotz oder wegen der penetranten Ausfälle des Sebastian Bergman. Die beiden Schweden denken sich jedenfalls immer wieder spannende Geschichten aus, verwirren mit kunstvoll gelegten Nebengleisen und schreiben das auch noch sehr dicht auf.

„Die Menschen, die es nicht verdienen“, eine starke Folge der Serie

Dass sie sich bei allen persönlichen Verwicklungen und Problemen der Protagonisten in „Die Menschen die es nicht verdienen“ nach einigem Geplänkel zu Beginn darauf konzentrieren, einen ungewöhnlichen Kriminalfall zu erzählen, trägt meiner Meinung nach zu bei, dass der neueste Band eher zu den stärkeren Folgen der Serie zählt. Und wer sich jetzt sorgt, dass bei Sebastian Bergman, seiner Tochter Vanja, Teamchef Torkel, sowie Billy und Ursula Normalität eingekehrt sein könnte, kann sich entspannt zurück- bzw. angespannt vorlehnen. Bei Hjorth/Rosenfeldt ist für Durchschnitt und das Normale kein Platz.

Ein Krimi mit pädagogischem Trostpflaster

Ein pädagogisches Trostpflaster für alle Blogger und Menschen mit überschaubarer Allgemeinbildung haben die Autoren auch: Natürlich ist das Wissen, dass ihr Mörder abfragt, verstaubt. In Zeiten von Smartphone und Google komme es, so der Schluss, doch mehr darauf an, zu wissen, wie man an Informationen komme. Das ist doch für sehr beruhigend für den Krimi-Blogger, der trotz eines Geschichtsstudiums große Probleme hätte, alle schwedischen Könige und dann noch in der richten Reihenfolge aufzusagen…

Hjorth/Rosenfeldt, Die Menschen, die es nicht verdienen, Wunderlich, 536S., 19,95€, VÖ: 29. Oktober 2015