Antonio Manzini: Die Kälte des Todes. Gute Krimi-Unterhaltung mit einem kiffenden Cop im Schnee

3 Apr

Rocco Schiavone hängt noch immer am falschen Ort fest. Der Polizist geht weiterhin eher lustlos im norditalienischen Aosta-Tal seiner Arbeit nach. Wenn man es ganz genau nimmt, hängt Schiavone wohl im falschen Leben fest: Um durch den Tag zu kommen, braucht er am Morgen erst einmal einen Joint. Dennoch gehen ihm die meisten Kollegen auf die Nerven, eine frisch geknüpfte Beziehung steuert auf ein frühes Ende zu, immer wieder führt er Gespräche mit seiner verstorbenen Frau. Dass der aus Rom strafversetzte Cop am heftigsten mit dem Wetter hadert, erdet die krisengebeutelte Existenz.

In dubioser Selbstmord im Zentrum von „Die Kälte des Todes“

In die „Kälte des Todes“ ermittelt Schiavone nach „Der Gefrierpunkt des Blutes“ bereits zum zweiten Mal in den Alpen.  Der zentrale Fall ist schnell erzählt: In ihrer Wohnung wird eine Frau gefunden, die sich auf den ersten Blick selbst erhängt hat. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch Hinweise, die einen Mord erkennen lassen. Schiavone beginnt zu ermitteln – und kümmert sich gleichzeitig um diverse andere dienstliche und eher außerdienstliche Angelegenheiten.

Antonio Manzini legt in seinem Krimi hinreichend falsche Fährten

Die Nebengleise machen aber den Reiz der Krimis von Antonio Manzini aus, der sich den politisch unkorrekten, meist sarkastisch-grantigen Polizisten erdacht hat.  Dazu kommen noch hinreichend falsche Fährten, die auch den eigentlichen Kriminalfall, in dem ermittelt wird, so komplex gestalten, dass auch Vielleser im Genre noch überrascht werden.

Konventionell , aber sehr unterhaltsam erzählt

Die Krimis von Antonio Manzini sind eher konventionelle Lektüre, die weder formal überraschen noch besonders spektakuläre Geschichten erzählen. In diesem Segment des Mainstream-Krimis überzeugen sie jedoch durch den Ideenreichtums Manzinis und natürlich mit der Hauptfigur, der – so unglaubwürdig sie ist – man gerne beim Ermitteln und Leben zuschaut. Insofern bietet „Die Kälte des Todes“ also reichlich entspannend-spannende Unterhaltung.

Antonio Manzini, Die Kälte des Todes, Rowohlt, 313S., 9,99, VÖ: Januar 2016