Gar nicht so kleine Monster, die Kinder in Marc Elsbergs Helix

3 Nov

Reiche Ernteerträge, gesunde und hyperintelligente Wunschbabys, ein perfides politisches Attentat per Erkältungsvirus: Der neue Roman von Marc Elsberg hält die gesamte Bandbreite von Fluch bis Segen beim Thema Genmanipulation bereit.

Mord mit einem Designer-Virus

Helix heißt das jüngste Werk, das damit bereits im Titel andeutet, welches Thema der Science-Thriller-Autor Elsberg sich diesmal ausgesucht hat. Auftakt bildet ein Mord. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz bricht urplötzlich der US-Außenminister tot zusammen, ermordet, wie sich schnell herausstellt, durch einen auf den Mann zugeschnittenen Designer-Virus.

Marc Elsberg hält wieder viele Erzählstränge im Griff

Zu Elsbergs Erzählmuster gehört die Parallelmontage. So erfährt der Leser schnell von überraschend gut gedeihenden landwirtschaftlichen Produkten ausgerechnet in Krisenregionen in Südamerika, Asien und Afrika und einem mäßig amüsierten Lebensmittelkonzern, der um durch scheinbar anarchisch veränderte Lebensmittel um den Ertrag seiner Patente fürchtet.  In einem weiteren Handlungsstrang macht sich ein US-Amerikanisches Ehepaar auf, um die Verlockung eines perfekt designten Wunschkindes auszuloten.

Helix beschreibt wieder ein apokalyptisches Szenario

Zu den Stärken von Marc Elsberg gehören zwei handwerkliche Fähigkeiten, die er bereits in Blackout und Zero unter Beweis gestellt hat. Scheinbar zusammenhanglos zusammengefügte Erzählschnipsel ergeben schnell das Gefühl grundsätzlicher Hoffnungslosigkeit, der perfekte Nährboden eines guten Thrillers. Außerdem arbeitet sich der Österreicher solide in die Materie ein, der Leser bekommt so das Gefühl, dass all das, was da passiert, tatsächlich möglich ist.

Kinder als gar nicht so kleine Monster

Beste Voraussetzungen also für einen perfekten Thriller. Und dennoch funktioniert das, was vor allem den Erstling Blackout zu einer sensationellen Lektüre hat werden lassen, diesmal nicht. Das liegt vor allem an den „Schurken“. Schnell wird klar, zuerst den Lesern, dann der US-Ermittlerin Jessica Roberts, die die Geschichte zusammenhält, dass hinter dem eingetretenen und noch zu erwartenden weitaus schlimmeren Ungemach, genetisch mutierte, hyperintelligente und starke Kinder stecken – und das funktioniert leider nicht. So sehr sich Elsberg bemüht, die kleinen genmanipulierten Monster bleiben Kinder und bei aller zugeschriebenen Raffinesse zutiefst uninteressant.

Helix unterhält, prägt sich aber nicht ein

Wegen der handwerklichen Fähigkeiten Elsbergs ist Helix interessant und leidlich spannend. Wegen der einen zentralen Schwäche stellt sich jedoch nicht diese emotionale Bindung zwischen Buch und Leser ein, die es erstens unmöglich (sehr schwer) macht, das Buch aus der Hand zu legen und zweitens dafür sorgt, dass sich die Story über Jahre hinweg in die Erinnerung einbrennt. Wer so ein Buch sucht, dem sei – wenn er es denn noch nicht kennt – Elsbergs Blackout empfohlen.

Marc Elsberg, Helix, Blanvalet, 646S., 22,99€, VÖ: 31. Oktober 2016