Matthew Quirks Direktive ist nur beschränkt einsetzbar

5 Jun

Alle, aber auch wirklich alle Figuren unglaubwürdig. Das Ende? Von vorneherein vorhersehbar.  Die meisten Entscheidungen scheinen einem billigen Horrorfilm entlehnt, in dem die Protagonisten grundsätzlich Wege gehen, die erstens mit Vernunft nicht zu erklären sind und zweitens zielsicher ins Verderben führen.

Verschwörung rund um die US-Notenbank

So einfach lässt sich Matthew Quirks Thriller „Die Direktive“ zusammenfassen. Die Hauptfigur heißt Mike Ford, ein ehemaliger Krimineller – um sich das genau zu erschließen, müsste man wohl den ersten Band der Reihe kennen –, der sich jetzt als Lobbyist in höchsten Washingtoner Kreisen bewegt. Zudem hat eine unglaublich schöne wie kluge Verlobte, die zu dem noch über ihren Vater enorm reich ist.  Bei dem Versuch seinen missratenen Bruder zur Hochzeitsfeier einzuladen, gerät in er in das Visier von Kriminellen, die ihn, wie sich später herausstellen soll, gezielt ins Zentrum einer breit angelegten Verschwörung zerren. Ford soll die sogenannte Direktive, die Zinsempfehlung der US-Notenbank stehlen, auf dass sich die Drahtzieher mit diesem Insiderwissen  unermessliche Reichtümer verschaffen können.

Matthew Quirk beschreibt ein originelles Einbruchsszenario

Was hat „Die Direktive“ auf der Habenseite? Ein einigermaßen originelles Einbruchsszenario. Der Weg an die Direktive der Notenbank hat tatsächlich so etwas wie Raffinesse. Dann verzichtet der Autor weitgehend auf sprachliche Schnörkel: Das Erzähltempo bleibt so hoch. Das ist bei einem Thriller immer eine gute Sache.

Die Direktive eignet sich höchstens als Urlaubslektüre

Auf der anderen Seite habe ich lange schon nicht mehr so einen unglaubwürdigen Quatsch gelesen. Die Figuren bleiben bestenfalls Zweidimensional, Glaubwürdigkeit, Tiefe, Komplexität Fehlanzeige. Wer einen Krimi sucht, der als Lesestoff in einem erfüllten Familienurlaub möglichst wenig Ablenkung darstellen soll, der also zum Einsatz kommt, wenn alle anderen nach einem Strandtag ermattet dösen und die Sonne noch nicht mit einem malerischen Untergang ablenkt, wird nicht völlig unzufrieden sein. Man kann ihn lesen, man kann ihn weglegen. Das ist einerlei. Dafür ist „Die Direktive gut geeignet. Wer wirklich Lust hat, ein intelligentes, spannendes Buch zu lesen, Finger weg.

Matthew Quirk, Die Direktive, Blessing, 430 S., 14,99€, VÖ: 3. April 2017