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Bei Sam Eastlands „Der Rote Sarg“ darf das Leben nicht beim Lesen stören

Historisierende Krimis wanden immer auf einem schmalen Grat. Kritische Geister können Ihnen Geschichtsklitterung oder schweren Diebstahl an der erlebten Realität vorwerfen. Bei drei Autoren gibt es meiner Meinung keinen Zweifel an der Qualität. Das sind Philip Kerr mit seiner Serie um seinem preußischen Polizisten Bernie Gunther, Tom Rob Smith mit seinem KGB-Mann Leo Demidow und seit kurzem Sam Eastland mit seinem Sonderermittler Pekkala.

Der Rote Sarg, der zweite Band von Sam Eastland

„Der Rote Sarg“ heißt der zweite Band, den der unter Pseudonym schreibende US-Amerikaner Paul Watkins, jetzt vorgelegt hat. Um es kurz zu machen: Wie „Der Rote Zar“ ist auch der neue Kriminalromane schlicht großartig. Eastland/Watkins hat eines dieser Bücher geschrieben, die so spannend sind, dass man sich nur sehr ungern vom Leben beim Lesen stören lässt. Insofern ist „Der Rote Sarg“ eine Angelegenheit für ein süchtiges Wochenende.

Ermittlungen rund um eine Wunderwaffe

Worum geht es? In einer geheimen Testanlage stirbt unter mysteriösen Umständen der „Vater“ des Panzers T-34, der als Geheimwaffe die Kommunisten vor dem erwarteten Überfall durch die Nazis schützen soll. Stalin wittert Verrat und schickt seinen Sonderermittler, den kauzigen Finnen Pekkala als Ermittler in die Wälder. Pekkala stellt die richtigen Fragen, findet selbstverständlich den Täter und deckt so ganz nebenbei eine Verschwörung auf.

Ein gnadenlos herzerwärmender Ermittler

„Der Rote Sarg“ erhält seinen Reiz durch das atemberaubende Erzähltempo Eastmans, den hemmungslosen, aber klugen Einsatz realer Figuren der Zeitgeschichte wie eben Stalin oder den Zaren, zahlreiche Rückblenden und vor allem durch einen gnadenlos herzerwärmenden Ermittler.

Mitreißende Geschichten vom richtigen Leben im falschen

Bei der Einordnung des russischen Agenten kommt das eingangs erwähnte Trio, Bernie Gunther, Leo Demidow und Pekkala zusammen. Alle drei versuchen, ein richtiges Leben im Falschen zu führen, vom dem es ja heißt, dass es das nicht gibt. Kein Wunder, dass alle drei scheitern müssen. Aber vom Versuch in Unrecht und Gewaltherrschaft anständig zu bleiben, geht eine gewaltige Kraft aus, die den Leser beinahe automatisch dazu bringt, sich mit dem Protagonisten zu solidarisieren. Vermutlich löst auch das die Leselust aus: das der Leser zumindest geistig das Gefühl hat, auf der richtigen Seite zu stehen. Das im Hintergrund eine tragische Liebesgeschichte in der Kulisse abläuft, schadet vermutlich ebenfalls nicht.

Tatort:Moskau

Sam Eastland beschreibt das Russland der Ära zwischen den  Weltkriegen. Besonders genau ist er dabei nicht. Sein Moskau, sein Stadtplan, die Geografie bleiben eher vage.  Das macht aber nichts, da er die Stimmung, die man in jenen Jahren in dem weiten Land vermutet, sehr glaubhaft wiedergibt. Natürlich verwendet Eastland Klischees, vereinfacht stark, aber er schafft eben gleich ob Zarenpalast in St. Petersburg, dem stalinistischen Kreml oder der dörflichen Atmosphäre der Provinz ein emotional glaubhaftes Bild zu zeichnen. Auch deshalb funktioniert „Der Rote Sarg“ so gut.

Sam Eastland, Der Rote Sarg, Knaur, 367S., 9,99€, VÖ: Juni 2013

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Jürgen Kehrers „Münsterland ist abgebrannt“. Leicht und gut lesbar

Das Personal ist liebenswert. Das könnte – im Sinne des Satzes „nett ist die kleine Schwester von Scheiße“ als vernichtende Kritik gemeint sein. Ist es aber nicht. Der ehrgeizige, aber im Grunde leicht schusselige Kommissar Bastian Matt, bildet mit der aus China nach Deutschland ausgewanderten Yasi, mit der nicht nur ermittelt, sondern anbandelt, ein durch und durch unterhaltsames Duo.

Bastian Matt der kleine „Bruder“ von Wilsberg

Die beiden sind Geschöpfe von Jürgen Kehrer, der den spätestens durch das Fernsehen flächenendeckend bekannten Detektiv Wilsberg erfunden hat. Wie der prominente Privatermittler leben auch seine jüngeren „Geschwister“ Münster, das für „Münsterland ist abgebrannt“ sogar namengebend zur Seite stand. Wobei Yasi eine Mosuo ist, eine Angehörige eines in China nicht eben wohl gelittenen, eher matriarchalisch organisierten Volksstammes.

Ermittler mit traumatischer Vergangenheit

Matt jedenfalls wird im Dienst zu einem Tatort gerufen, bei dem ein vermeintlicher Selbstmord geschah. Der junge Beamte sucht nach einer Chance in die Mordkommission aufgenommen zu werden und entwickelt einige Energie bei den Ermittlungen. Es folgen weitere Morde und beide, Matt und Yasi müssen sich traumatischen Erlebnissen ihrer Vergangenheit stellen. Jürgen Kehrer schickt seine

Ermittler bis nach Spitzbergen

Jürgen Kehrer, der ansonsten so fest im Münsterland verwurzelt ist, lässt seine Protagonisten reisen. Bis nach Spitzbergen zur internationalen Gen-Datenbank geht die Reise – und wie so oft muss man sagen: Reisen bildet. In dem Fall nicht nur die Ermittler sondern auch den Leser.

Münsterland ist abgebrannt, ein leichter, gut lesbarer Krimi

Wenn man „Münsterland ist abgebrannt“ beziehungsweise Jürgen Kehrer einen Vorwurf machen will, dann vielleicht den, dass der Krimi vielleicht eine Spur zu leicht ist. Der Grundton ist heiter, mit einer Spur Groteske. Das muss man wollen. Wer als Purist die ganz düstere Krimikost bevorzugt, wird „Münsterland ist abgebrannt“ vermutliche nicht mögen, wer einen unterhaltsamen, abwechslungsreichen und gut lesbaren Krimi sucht, ist bei Kehrers neuestem Krimi genau richtig.

Tatort: Spitzbergen

Eigentlich spielt Jürgen Kehrers „Münsterland ist abgebrannt“ in Münster. Als eigentlich interessanteren Tatort hat sich der Autor aber Spitzbergen ausgedacht. Mit wenigen, wohldosierten Sätzen skizziert Kehrer das Leben der Menschen kurz unterhalb der Grenze zum ewigen Eis und lässt uns an dem faszinierenden Projekt der weltweiten Artendatenbank im Permafrost teilnehmen. Unter Tonnen von Stein sammelt die Menschheit tatsächlich das Erbgut der Pflanzen, die sich beharrlich auszurotten versucht. Das macht das norwegische Spitzbergen interessant, aber eben auch den Kriminalroman.
Jürgen Kehrer, Münsterland ist abgebrannt, Rowohlt, 317 S., 9,99€, Mai 2013

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David Kesslers „Späte Schuld“. Unsägliches Thema, nerviger Plot

Die Geschichte geht ungefähr so: Ein jugendlicher Schwarzer wird Zeuge, wie seine Mutter von weißen Cops vergewaltigt wird, wandelt sich daraufhin zum radikalen Muslim und vergewaltigt seinerseits aus politischen (!) Gründen, ein halbes Dutzend weißer Frauen. Um den Strafverfolgungsbehörden zu entgehen, flieht der Mann nach L  beziehungsweise den Sudan, lernt dort, dass Moslems auch nicht immer nett sind und stellt sich in den USA der Justiz. Nach einer überschaubaren Haftstrafe konvertiert er zum Christentum der konservativeren Sorte und wird berühmter Talkshow-Gastgeber

Vergewaltung als Kavaliersdelikt?

Das alles war nur die Vorgeschichte. Ein Unbekannter vergewaltigt in der Jetztzeit eine junge US-Amerikanerin und Elias Claymore, der Mann mit der bewegten Vorgeschichte, gerät zunächst in den Fokus der Ermittler und später wegen erdrückender Indizienbeweise vor Gericht. Dort vertritt ihn sein alter Freund Alex Sedaka. Im Grunde handelt es sich bei David Kesslers Kriminalroman um einen Gerichtsthriller. Tatsächlich ist es eine Farce.

David Kessler konstruiert einen unsäglichen Fall um einen Vergewaltiger

Manchmal fragt man sich, ob die Autoren, die uns mit Kriminalromanen überhäufen, vor dem Schreiben nachdenken. Den Plot, den uns David Kessler in „Späte Schuld“ vorsetzt, kann man ein einem Wort nur als unsäglich bezeichnen. Mal abgesehen davon, dass die ganze Handlung komplett unglaubwürdig konstruiert rüberkommt, könnte der Eindruck entstehen, als ginge es bei Vergewaltigung um eine Art Kavaliersdelikt, von dem, wenn es nur aus den „richtigen“, also beispielsweise politischen Gründen begangen würde, ein Weg zurück in das gesellschaftliche Rampenlicht führen könnte.

Weitere merkwürdige Wirrungen in „Späte Schuld“

Wer noch weiter Kostproben zum Plot braucht (wer Kesslers Buch noch lesen will, sollte die nächsten Zeilen überspringen): Der Angeklagte hat noch zwei weitere Frauen vergewaltigt, was er aber vergaß, beim Geständnis zu erwähnen. Beide sind in den Fall involviert, die eine als Anwältin, die andere als Betreuerin von Vergewaltigungsopfern. Beide führen, das noch obendrein, eine lesbische Beziehung (scheinen dort aber nicht über die wichtigen Dinge ihres Lebens zu reden). Eine von beiden wiederum ist die Mutter eines Sohnes, der bei der Vergewaltigung gezeugt wurde. Dieser wiederum tritt in die Fußstapfen seines Vaters und ist der eigentliche Täter der Vergewaltigung, derer sein Vater sich vor Gericht verantworten muss.  Wer trotz des Plots und des Themas noch einen Hinweis braucht: Nicht lesen!

David Kessler,Späte Schuld: Thriller; Goldmann, 506 S., 9,99, VÖ: Mai 2013


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Kylie Brant schreibt Romantic Suspense, leider ohne jede Vorwarnung

Es ist immer wichtig, das Kleingedruckte zu lesen. In diesem Fall habe ich das getan, aber leider erst ganz zum Schluss, als ich etwas über die Autorin Kylie Brant erfahren wollte, die den „Thriller“ „Knochenzeichen“ geschrieben hat. Auf einer der letzten Seiten, kurz vor der Werbung fürs Verlagsprogramm, ist eine Kurzbiographie abgedruckt. Gleich der erste Satz gibt es Preis: „Kylie Brant ist eine erfolgreiche Autorin von Romantic Suspense. Wenn man das nur vorher gewusst hätte.

Kylie Brants Helden haben das Happy End fest im Blick

Romantic Suspense meint offenbar, dass es in erster Linie darum geht, dass Protagonistin und ihr potentieller Partner erstens völlig unterschiedlich sind, zweitens das halbe Buch umeinanderkreisen und drittens irgendwann dann doch miteinander im Bett landen, was dann  entsprechend plastisch beschrieben wird. Natürlich gibt es Verwicklungen und am Ende ein Happy End.

Superfrauen, Supermänner, Supersex?

Romantic Suspense bedeutet aber bei genauem Lesen auch, dass mindestens ein halbes Jahrhundert feministischer Bestrebungen in die Tonne getreten wird. Offenbar sucht Frau, wenn man Frau Brant Glauben darf, am Ende des Tages doch nur den animalischen Einzelgänger mit militärischem Hintergrund, der mit einigen wenigen gezielten Griffen an die richtigen Stellen, die zu finden nicht besonders viel Fantasie erfordert, „Blitze des Verlangens durch die Adern“ (nicht meine Worte!) zu schicken vermag. Die Frau, die sich dem Ganzen beglückt hingibt, ist übrigens ehemaliges Supermodel mit zwei akademischen Graden (in forensischer Anthropologie und Molekularbiologie). Außerdem ist sie supersportlich und kann schießen. (kein Druck an dieser Stelle auf die meisten normalen Frauen, also) Auf dem Niveau bewegt sich „Knochenzeichen“ beinahe durchgehend.

Perfide Morde als notwendige Nebensache im Krimi

Dass im abgeschiedenen Oregon irgendein Wahnsinniger scheinbar wahllos Menschen umbringt, von Käfern auffressen lässt und die Knochen dann in Höhlen versteckt, gerät da beinahe zur Nebensache. Und das – wer Knochenzeichen dennoch lesen will, sollte jetzt  unbedingt wegklicken – die Täter ein schwules Paar sind, passt irgendwie ins Weltbild von Kylie Brant. Immerhin ist das Ganze allen hanebüchenen Gesellschaftsentwürfen zum trotz rein handwerklich gut gemacht. Bei allem inneren Kopfschütteln, vermag das Buch zu fesseln, ungefähr so, wie eine Folge „Let’s dance“ oder eine dieser zahllosen Castingshows in die man unversehens reinzappt und von denen man sich dann nur schwer wieder lösen kann.

Tatort:Oregon

Der US-Bundesstaat Oregon hat den Ruf einer abgelegenen Ecke der USA. Das bestätigen die Beschreibungen Brants. Grundsätzlich scheint das Naturparadies am Rande der Weltmacht als Tatort für einen Thriller perfekt geeignet. Mitten ins Urlauber-Idyll ein abgründiges Verbrechen abzulegen, ergibt ein reizvolles Thema. Man muss Brant zu Gute halten, dass sie diesen Kontrast gekonnt erzählt. Beinahe beiläufig skizziert sie die nur scheinbar heile Welt der Outdoor-Abenteurer und Kunsthandwerker in den Dörfern in den abgeschiedenen Wäldern und Bergen.

Kylie Brant, Knochenzeichen, Goldmann, 440S., 9,99€

VÖ: Mai 2013




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Wohl eher ein Versehen als ein Krimi: Lia Nordens „Der Schatten eines Sommers“

Ausnahmsweise muss ich mal von der Lektüre eines Buches abraten. „Die Schatten eines Sommers“ habe ich offen gestanden nur zu Ende gelesen, weil ich in diesen Tagen im Ausland und damit vom Nachschub abgeschnitten bin. Vermutlich bin ich aber auch nur nicht die Zielgruppe.  Lia Norden, so das „Pseudonym“ eines weiblichen Autorenteams hat wohl einen Krimi geschrieben, der sich an ein rein weibliches Publikum wendet.

Das merkwürdige Werk eines Autorinnenteams

Dabei ist die Idee gar nicht so blöd Drei Autorinnen schreiben die Geschichte aus der Sicht von drei Frauen, Freundinnen aus Jugendtagen genauer gesagt, fort. Damit ergibt sich ein andauernder Perspektivwechsel. Was sehr reizvoll sein kann: Zwei Italiener haben das vor einiger Zeit mal gemacht. Da war das eine nette intellektuelle Fingerübung.

Ein Verbrechen in der norddeutschen Provinz?

Hier treffen drei Freundinnen in der norddeutschen Provinz aufeinander, nachdem die vierte im Bunde zu Grabe getragen werden muss. Ob sie nun freiwillig aus dem Leben schied, ein Unfall passierte oder jemand nachgeholfen hat, bleibt vorerst offen: Klar ist jedoch, dass die vier ein dunkles Geheimnis aus ihrer Jugend verband.

Kein Tempo, kein Plot, wenig Abgründiges bei Lia Norden

Wie ich darauf komme, dass das ein Frauenbuch ist? Nun, ich habe selten in einem Buch so viel  über durchgeschwitzte Blusen, problematische Rocklängen und krümeligem Lippenstift gelesen, vorgetragen in inneren Monologen. Diese Monologe wurden angereichert mit pseudo-tiefsinniger Selbstbespiegelung über misslungene oder gelungene Lebensentwürfe mit Beruf, Mann und Kindern.  Alles nicht so meine Themen. Uns ob nun richtige Zielgruppe oder nicht: Ich fand das ganze offen gestanden nur mäßig spannend. Kein Tempo, kein Plot, wenige Abgründiges. Das wird auch klugen Frauen nicht gefallen.

Tatort:Malente

Die Tote, zu deren Beerdigung sich die ehemaligen Freundinnen treffen, hatte sich in einem See bei Malente ertränkt. Viel Liebe für die Provinz haben die Autorinnen nicht. Viel über die Gegend erfährt man nicht, abgesehen davon, dass sie abgelegen ist. Aber die Menschen, die dort leben, sind offenbar sämtlichst bösartig oder unterbelichtet – oder gar beides. Das könnte lustig sein, wenn es überzeichnet wäre. Ist es aber nicht. Also erfährt man jenseits von Stereotypen nichts über den Ort der Handlung.

Lia Norden, Die Schatten eines Sommers, Rowohlt, 251S., 9,99€

VÖ: Mai 2013

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R.J. Ellroy schubst seinen Ermittler tief in den Schmutz der Großstadt

Wer im Dreck wühlt, hat es schwer, sauber zu bleiben. So geht es auch Frank Parrish. Der ist Bulle in New York und muss sich mit den verdorbenen Seelen auseinandersetzen, die sich in den heruntergekommenen Seitenstraßen jenseits der glitzernden Fassaden der Weltmetropole herumtreiben. Frank Parrish sieht viel Not, Elend, aber auch Gewalt und Brutalität. Die Bilder haben sich nicht nur in die Netzhaut, sie haben sich tief in das Großhirn eingebrannt.

Ein Polizist mit kleineren Fehlern

Kein Wunder das der Polizist nicht nur ein klitzekleines Alkoholproblem hat, sondern auch kurz vor dem Rauswurf steht. Denn er trägt nicht nur den Ballast seiner eigenen Erfahrungen, sondern wird auch von den Erinnerungen an seinen Vater, der als mafia-jagender Polizist in der öffentlichen Wahrnehmung einen legendären Ruf genoss, bei en Versuchen durchs Leben zu humpeln zusätzlich zu Boden gedrückt.
Nicht die besten Voraussetzungen, um sich ernsthafter Ermittlungsarbeit zu widmen. Dennoch verbeißt sich Parrish in seinen jüngsten Fall, nachdem in einer Wohnung ein toter Teenager gefunden wird. Ein sechzehnjähriges Mädchen wurde missbraucht, erwürgt und weggeworfen. Frank Parrish beginnt zu ermitteln und muss rasch feststellen, dass Rebecca Lange nicht das einzige Opfer eines skrupellosen Mörders ist. Geht ein neuer Serienmörder um, der sich an Minderjährigen vergreift?

R.J. Ellroy hat einen eigensinnigen Kämpfer für das Recht erdacht

Es gibt nur ein Problem. Frank Parrish kann den Zusammenhang nicht beweisen, und da er desöfteren auf eher unorthodoxe Ermittlungsmethoden zurückgreift, ist die Bereitschaft unter Kollegen und Vorgesetzten, dem Mann zu glauben, gelinde gesagt, gering ausgeprägt. Das kann den eigensinnigen Kämpfer für die Opfer des Schmutzes nicht abhalten.

„Schrei der Engel“ ist große Krimi-Kunst

Der US-Amerikaner Roger Jon Ellroy hat sich den Detektiv mit den genre-üblichen Defiziten ins Sachen Bindungsfähigkeit und Alkoholkonsum erdacht. In der „Schrei der Engel“ schaut Ellroy sehr genau auf die düsteren Seiten New Yorks. Und man muss sagen: Das macht er sehr gut. Ellroy zeichnet ein akribisches Bild eines verkommenen Spektrums US-amerikanischer Gesellschaft. Mitten in den Sumpf stellt er einen Protagonisten, der mindestens bis zum Hals im Sumpf steht und dessen verzweifelter Kampf, nicht endgültig mit unterzugehen, anrührend sympathische Züge trägt. Dazu treibt Ellroy seinen Plot mit unbarmherziger Härte voran. Er lässt weder seinem Ermittler noch seinen Lesern Zeit für eine Atempause. Das ist ganz große Kunst, ein Kriminalroman in bester Tradition der düsteren Thriller US-amerikanischer Tradition.

Tatort:New York

Es gibt zwei Sorten von Unrat. Der eine stapelt sich achtlos beiseite geworfen und zu chaotischen Bergen wachsend, aber immerhin offensichtbar in den weniger schönen Seitenstraßen New Yorks. Die andere Sorte Dreck kommt zutage, wenn man in den Häusern einer blassen Mittelschicht die sorgfältig ausgemalte, aber nichts destotrotz gelegentlich sehr fadenscheinige Fassade ankratzt. Ellroy blickt sehr genau auf beide Sorten Schmutz und gibt sich viel Raum ihn sehr sorgfältig zu beschreiben. So entsteht ein Bild von New York, das die meisten Besucher wohl nie zu Gesicht bekommen, aber das ist vermutlich auch besser so. Denn hier bevölkern Drogensüchtige, Prosituiert, Diebe, Mörder, der Mob und korrupte Polizisten die Straße. Wahrhaft kein Ort, der auf dem Broadway besungen wird. Dafür einer, der erschüttert.
R.J. Ellroy, Der Schrei der Engel, Goldmann, 570S., 9,99
VÖ: Mai 2013





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Jeffrey Deaver führt wieder gekonnt seine Ermittler und Leser in die Irre

Die Helden von heute haben nur noch selten übernatürlich Kräfte. Ihre Fähigkeiten verdanken sie mesit einer ganz besonders guten Ausbildung. Das gilt für Lincoln Rhyme, der den Naturwissenschaften vertraut, das gilt aber auch für Kathryn Dance, die den menschlichen Geist entziffert. So gesehen wären Universitäten die Brutstätte für Superhelden. Diese Annahme aber ist derart unglaubwürdig fantastisch, dass sie die perfekte Grundlage für Fiktion ist, auch ohne das radioaktive Spinnen beißend für Superkräfte sorgen.

Eine überraschende Begegnung für Kathryn Dance

Kathryn Dance und Lincoln Rhyme sind Geschöpfe von Jeffrey Deaver, der die beiden abwechselnd auf Verbrecherjagd an der Ost- beziehungsweise der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika schickt. (Eine Ausnahme war ein Abstecher in den Geheimdienst. Deaver verfasste auf Bitten der Bond-Macher den James Bond „Carte Blanche“.)Diesmal ist wieder Kathryn Dance an der Reihe. „Die Angebetete“ führt die Polizistin in die Provinz- und Arbeiterstadt Fresno. Dort sucht sie unbekannte Musiker für ihre persönliche Webseite (der Mensch braucht schließlich ein Hobby) und trifft auf einen Star.

Ein Stalker tyrannisert in „Die Angebetete“ einen Country-Star

Country-Sternchen Kayleigh Towne ist für ein Konzert in ihre Heimat zurückgekehrt und versucht einen unheimlichen Stalker abzuwehren, der der jungen Frau auf Schritt und Tritt folgt. Etwas verbotenes hat Edwin Sharp bislang noch nicht gemacht, weshalb die Sängerin ihren „Verehrer“ nicht los wird. Brenzlig wird es, als im Konzertsaal ein Mord passiert. Ein Roadie und Vertrauter Townes landet im „Orchestergraben“. Die lokalen Behörden vermuten einen Unfall, Kathryn Dance, die mehr oder weniger in ihrer Freizeit in den Fall stolpert, erkennt jedoch schnell: Es war Mord.

Amtshilfe von Lincoln Rhyme aus New York

Die Ermittlungen treten auf der Stelle, die Angriffe auf den Country-Star jedoch nicht. Die Einschläge kommen, wie man so sagt, näher. Erst der Tatortermittler Lincoln Rhyme bringt gemeinsam mit seiner Partnerin Amelia Sachs die Tätersuche voran. Wie so häufig, wenn sich Rhyme in Fälle einschaltet, wird klar, dass nicht nur der erste Eindruck trügt.

Erneut großer Lesespaß bei Jeffrey Deaver

Mittlerweile sind Lincoln Rhyme, Amelia Sachs und Kathryn Dance, die das Universum von Jeffrey Deaver bevölkern, gute alte Bekannte. Es ist vermutlich eine gute Idee, die Charaktere abwechselnd in den Vordergrund zu rücken. Der erste Fall Rhymes liegt mittlerweile immerhin auch schon wieder 16 Jahre zurück. Dass keine Langeweile aufkommt, liegt in erster Linie an dem genialen Talent Deavers, immer wieder überraschende, bei aller Spannung enorm komplexe Plots zu erdenken. Gleich, was man an Charakterzeichnung oder Unglaubwürdigkeiten bei Lebensläufen kritisierten mag, Deaver schafft es immer wieder, seine Leser zu überraschen. Wer sich auf das Spiel „Täterraten“ einlässt, wird beinahe immer verlieren. In dieser Hinsicht nimmt Jeffrey Deaver eine absolute Ausnahmestellung unter den Krimi-Autoren der Welt ein. Dieser Position wird er auch in „Die Angebetete“ wieder gerecht. Also wieder großer Lesespaß bei Deaver

Tatort: Fresno

Wenn man den Schilderungen Jeffrey Deavers folgt, ist Fresno das absolute Provinzkaff, ein kleines Arbeiterörtchen mitten im Nirgendwo. Wenn man den Fakten glaubt, kann das nicht ganz stimmen. Fresno, mitten in Kalifornien gelegen, hat immerhin über eine halbe Millionen Einwohner, zählt zu den fünf größten Städten Kaliforniens. Dennoch hat Fresno wenig Glamouröses. Das mag auch daran liegen, dass es anders als die prominenten Schwestern nicht aufs Meer blickt. Kurz vor den Bergketten und Nationalparks im Osten des US-Bundesstaats liegt eines der größten Massenweinanbaugebiete der Welt – und mittendrin Fresno. Den rauen Charme mit einer deutlich verwitterten, dem Verfall ausgesetzten Fassade, die einst bessere Tage gesehen hat, schildert Deaver quasi im Vorübergehen.

Jeffrey Deaver, Die Angebetete, Blanvalet, 572 S.,  19,99€

VÖ: 22. April 2013

 





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Robert Ellis Todesakt: Ein Krimi für Vielflieger – spannend aber schlicht

Neulich hat ein US-amerikanischer Wissenschaftler mit beinahe ehrfürchtig gesenkter Stimme von einem wissenschaftlichen Buch erzählt, das so gut sei, dass es sogar an den Flughäfen verkauft worden sei. Die Flughafenbuchhandlung ist das amerikanische Äquivalent der guten alten deutschen Bahnhofsbuchhandlung. Beide führen ein literarisches Sortiment, dass in vollen Zügen oder engen, wackeligen Flugzeugen leicht konsumiert werden kann. In den USA ist das eine Auszeichnung, hierzulande eher eine herablassende Abwertung.

Ein gerechter Mord in Todesakt?

Nun kann also jeder daraus machen, wenn was er will, wenn ich Robert Ellis „Todesakt“ als typischen Flughafenkrimi einschätze. Es geht um eine schöne, toughe Mordermittlerin in Los Angeles, die einen Doppelmord aufklären muss. Die Opfer: Ein dubioser Nachtclubbesitzer und ein mutmaßlicher Vergewaltiger und Mörder.  Letzterer soll die Tochter seines Nachbarn, die 16-jährige Lily Hight umgebracht haben, wurde aber in einem umstrittenen Prozess freigesprochen.

Kein Interesse an ernsthaften Ermittlungen

Die schöne und toughe Detektivin, Lena Gamble, beginnt zu ermitteln und muss schnell feststellen, dass den Opfern niemand wirklich eine Träne nachweint. Nach Meinung der Öffentlichkeit, ihrer Kollegen und ihrer Vorgesetzten hat es die Richtigen erwischt. Akte zu und fertig. So einfach macht es sich Gamble natürlich nicht und schaut genauer hin – natürlich zu Recht.

Robert Ellis schreibt spannend, aber ohne Tiefgang

Robert Ellis hat einen spannenden Thriller geschrieben, mit einem interessanten Plot und hohem Tempo. Wer fliegt oder mit der Bahn reist, wird auf unkomplizierte Weise unterhalten, muss aber in Kauf nehmen, dass die Protagonisten eher schlicht erdacht sind, Männer haben grundsätzlich volles Haar und einen durchtrainieren Körper (es sei denn sie hätten die Rolle des komischen Sidekicks) und beim weiblichen Personal lösen die männlichen Hauptdarsteller mindestens zwei bis drei Mal je Roman wahlweise kribbeln oder brennen oder sonstwas in der Brust und zwischen den Beinen aus. Wer auf intelligente, differenzierte Figurenzeichnung mit Tiefgang Wert legt, wird in der Flughafenliteratur meistens eher enttäuscht. Das muss ja aber kein Makel sein. Im reichhaltigen Krimi-Universum freut man sich ja gelegentlich, wenn man einfach nur unkompliziert und spannend unterhalten wird. Das ist dann ja auch gut.

 

Tatort: Los Angeles

Es gibt Stereotypen im US-amerikanischen Krimis. So kann man davon ausgehen, dass jemand, der in einem schwarzen Lincoln Towncar vorfährt, entweder Mafiaboss oder korrupter Bürgermeister ist oder sonstwie ein gespaltenes Verhältnis zu Recht und Ordnung hat. Krimis, die in Los Angeles spielen, bieten eine relativ einheitliche Unterbringung des Ermittlers. Meist wohnt das Personal in leicht heruntergekommenen Häusern in den Bergen, über der Stadt, aber mit traumhaften Blick über die See – kurz der perfekte Ort um Selbstzweifel, gemeine Vorgesetze und gescheiterte Beziehungen in einem Meer aus Alkohol und Selbstmitleid zu ertränken. Robert Ellis „Todesakt“ macht da keine Ausnahme. Ansonsten bleibt der Tatort Los Angeles eher blass, aber das passt zur Action-getriebenen Konstruktion vieler US-Thriller.

Robert Ellis, Todesakt, Goldmann, 344 S.,9,99

VÖ: April 2013





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Mark Peterson zeichnet in Flesh&Blood ein gelungen düsteres Bild von Brighton

Brighton ist Mitbürgern, die ein gewisses Alter erreicht haben, noch vage als englischer Urlaubsort bekannt. Das stammt aus einer Zeit, als das europäische Ausland noch als exotisch und voller Geheimnisse galt, Europa ein Kontinent voller faszinierender Unterschiede und Kulturen schien.  Die englische Südküste blieb, eine See(!) Reise auf den Kontinent war aufwändig und teuer, weit ins 20. Jahrhundert hinein das wichtigste Badeparadies für klimatisch nicht eben verwöhnte Briten. Brighton und die anderen Seebäder standen für verschlafene Provinz, mondäne, leicht verstaubte Hotels und weit in den Ärmelkanal hineinreichende Seebrücken mit allerlei Belustigungen.

Das Verbrechen dominiert den Mark Petersons Brighton

Brighton, ein feenhafter, leicht versponnener friedlicher Ort? Keineswegs, wenn man Mark Peterson glauben darf: Der Brite zeichnet in „Flesh&Blood“ ein düsteres Bild. Sein Brighton wird von Drogendealern, kriminellen Banden, Schlägern, Zuhältern und ihren Strichjungen, der Mafia und einigen gewohnheitsmäßigen Mördern bevölkert. Und das ist nur die Verbrecherseite. Bei der Polizei regieren Karrieristen, Despoten und Verräter.

Auch die „Guten“ haben bei Mark Peterson so ihre Schwächen

„Flesh&Blood“ beginnt furios. Eine Undercover-Aktion der Polizei, bei der ein Drogendealer hochgenommen werden soll, geht gewaltig schief. Auf einen Parkplatz erschießt der Dealer einen der Polizisten und flieht. Das ist nur der Auftakt einer ganzen Reihe überaus brutaler (und drastisch geschilderter) Morde. Es herrscht Krieg. Auf den Piers, in den Hinterhöfen, aber auch auf den Gängen des Polizeigebäudes. Tom Beckett, leitender Detektiv bei der Polizei muss feststellen, dass er nur einem Mann trauen kann, dem jungen Sergeant Detective Minter. Dabei kann Beckett Minter überhaupt nicht leiden, wurde er ihm doch vom gemeinsamen Chef aufs Auge gedrückt, um ihn auszuspionieren, wie die gesamte Einheit glaubt. Der alte Wolf und der Jüngling raufen sich zusammen und nehmen die Spur auf. Obwohl sich beide nie viele Illusionen gemacht hatten, müssen sie feststellen, dass der Sumpf auf dem Brighton schwimmt, viel tiefer reicht, als sie sich das vorstellen konnten.

Mark Peterson weckt Leselust auf mehr

„Flesh&Blood“ ist das Krimi-Debüt von Mark Peterson – und ein sehr gelungenes. Das liegt zum einen daran, dass Peterson eine düstere, beinahe hoffnungslose Atmosphäre schafft und bis zum Ende durchhält, die  seinen Krimi angenehm von den zahllosen Gute-Laune-Krimis, die den Markt überschwemmen, abhebt. Die Atmosphäre hat aber auch viel mit den Figuren zu tun, die der Brite sich erdacht hat. Das Personal, von den „Hauptdarstellen“ und ihren Gegenspielern bis hin zu den Statisten ist gut konstruiert und glaubwürdig beschrieben. Allein die Figuren halten einen bei der Stange, sorgen für viel Krimilesevergnügen. Dennoch ist „Flesh&Blood“ noch kein ganz großer Roman: Es mag sein, dass beim Lesen kleinere stilistische Schwächen ins Bewusstsein drängen, es kann auch sein, dass das „Storytelling“ des Erstlings noch nicht ganz ausgereift ist. In jedem Fall aber machen Mark Peterson und sein „Flesh&Blood“ Lust auf eine Fortsetzung. Genug Potential haben beide gezeigt.

Tatort:Brighton

Bekannt sind die Seebrücken, seit dem 19. Jahrhundert ragen sie in den Kanal, stehen für eine ganz eigentümliche Form der Ferienunterhaltung. Man kennt sie eigentlich immer nur als Zeichen des Verfalls, wenn sie in Filmen außerhalb der Saison menschenleer und heruntergekommen, quasi ohne Make-up gezeigt werden. Brighton, eine Stadt mit Wurzeln im Mittelalter und seit einigen Jahren mit Hove zu einer Millenium-Stadt fusioniert, verfügt aber offenbar über Arbeiterviertel, wie sie Ken Loach nicht besser inszenieren könnte und zugleich über eine große Toleranz. Das Stadtviertel Kemptown jedenfalls ist eins der größten Homosexuellen-Viertel in Großbritannien. Mark Peterson schafft es, all diese schrillen und alle düsteren Seiten Brightons glaubhaft zum Leben zu erwecken. Nur vom heiteren, entspannten Seebad ist in „Flesh&Blood“ nichts zu spüren. So gehört sich das für einen ordentlichen Krimi.

Mark Peterson, Flesh&Blood, Rowohlt, 375S., 9,99

VÖ: April 2013





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Seine beste Idee lässt Jörg Liemann in Blutige Spuren links liegen

Der Auftakt ist vielversprechend.  Die Portugiesin Maria Isabel Dacosta kurvt voller Sehnsucht nach portugiesisch-brasilianischer Lebensfreude sentimental aufgeladen durch die trübe Berliner Nacht. Ohne ersichtliche Eile, aber zielgerichtet nähert sie sich einem Tatort, schließlich ist sie Polizistin im Einsatz. In einer Villa am Stadtrand trifft sich zunächst auf Probleme in Gestalt eines unkooperativen BKA-Beamten und kurz darauf auf Spuren, die auf eine grausam verstümmelte Leiche deuten.

Ein durchschnittlicher Kommissar mit Nebenberuf

Leider, so muss man sagen, rückt die interessante Erscheinung Dacosta schnell in den Hintergrund. Sie ist lediglich Teil eines Ermittlerteams um Kommissar Kai Sternenberg. Der ist bedauerlicherweise der mittlerweile übliche durchschnittliche Mann in besten Jahren mit einem psychologisch „interessanten“ Nebenerwerb, unerklärten Problemen und einer deutlich jüngeren Geliebten.

Jörg Liemann hat wenig mehr als eine gute Idee

Leider,  so muss man weiterhin sagen, bleibt es in Jörg Liemanns „Blutige Spuren“ bei der einen interessanten, nicht wirklich ausgearbeiteten Idee. Natürlich gibt es einen furiosen Auftakt mit zahlreichen, mysteriösen Toten, die gelinde gesagt kuriose Biografien aufweisen.  Völlig unterschiedliche Charaktere und ein verwirrender Tatort im Grunewald stellt die Ermittler zunächst vor einige Rätsel. Irgendwann bilden sich aus Handlungssträngen Zusammenhänge, aber wirklich nachvollziehbar verläuft die Geschichte nicht

Insgesamt ist „Blutige Spuren“ ein eher durchschnittlicher Krimi mit einem wenig überzeugenden Plot und wenig durchkonstruierten Ideen. Auch wenn es vermutlich Geschmackssache ist, wirken Kriminalromane, die Dialoge in Dialekt wiederzugeben, immer leicht provinziell. Das gilt für Berlinerisch genau so wie für fränkische oder sonstige Mundarten.

 

Tatort:Berlin

Bei ihren Streifzügen durch Berlin lassen sich, da ist „Blutige Spuren“ einigermaßen glaubwürdig, die Wege der Polizisten einigermaßen nachvollziehen. Die ganze Hauptstadt wird dabei zum Spielplatz der Kriminalisten: Vom Grunewald über Reinickendorf und Spandau bis nach Schöneberg reicht das „Revier“ der Polizisten. Dennoch bleibt die Hauptstadt in den Schilderungen Jörg  Liemanns einigermaßen blass. Das aber ist bei aller Kritik legitim, schließlich darf die Kulisse im Krimi, wenn der Ort für die Handlung nicht gerade eine zentrale Rolle spielt, dezent im Hintergrund bleiben.

Jörg Liemann, Blutige Spuren, Goldmann, 8,99€, VÖ: 18. März 2013