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Antonio Manzini: Die Kälte des Todes. Gute Krimi-Unterhaltung mit einem kiffenden Cop im Schnee

Rocco Schiavone hängt noch immer am falschen Ort fest. Der Polizist geht weiterhin eher lustlos im norditalienischen Aosta-Tal seiner Arbeit nach. Wenn man es ganz genau nimmt, hängt Schiavone wohl im falschen Leben fest: Um durch den Tag zu kommen, braucht er am Morgen erst einmal einen Joint. Dennoch gehen ihm die meisten Kollegen auf die Nerven, eine frisch geknüpfte Beziehung steuert auf ein frühes Ende zu, immer wieder führt er Gespräche mit seiner verstorbenen Frau. Dass der aus Rom strafversetzte Cop am heftigsten mit dem Wetter hadert, erdet die krisengebeutelte Existenz.

In dubioser Selbstmord im Zentrum von „Die Kälte des Todes“

In die „Kälte des Todes“ ermittelt Schiavone nach „Der Gefrierpunkt des Blutes“ bereits zum zweiten Mal in den Alpen.  Der zentrale Fall ist schnell erzählt: In ihrer Wohnung wird eine Frau gefunden, die sich auf den ersten Blick selbst erhängt hat. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch Hinweise, die einen Mord erkennen lassen. Schiavone beginnt zu ermitteln – und kümmert sich gleichzeitig um diverse andere dienstliche und eher außerdienstliche Angelegenheiten.

Antonio Manzini legt in seinem Krimi hinreichend falsche Fährten

Die Nebengleise machen aber den Reiz der Krimis von Antonio Manzini aus, der sich den politisch unkorrekten, meist sarkastisch-grantigen Polizisten erdacht hat.  Dazu kommen noch hinreichend falsche Fährten, die auch den eigentlichen Kriminalfall, in dem ermittelt wird, so komplex gestalten, dass auch Vielleser im Genre noch überrascht werden.

Konventionell , aber sehr unterhaltsam erzählt

Die Krimis von Antonio Manzini sind eher konventionelle Lektüre, die weder formal überraschen noch besonders spektakuläre Geschichten erzählen. In diesem Segment des Mainstream-Krimis überzeugen sie jedoch durch den Ideenreichtums Manzinis und natürlich mit der Hauptfigur, der – so unglaubwürdig sie ist – man gerne beim Ermitteln und Leben zuschaut. Insofern bietet „Die Kälte des Todes“ also reichlich entspannend-spannende Unterhaltung.

Antonio Manzini, Die Kälte des Todes, Rowohlt, 313S., 9,99, VÖ: Januar 2016

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Antonio Manzinis Der Gefrierpunkt des Blutes unterhält mit Verbrechen im Skigebiet

Es gibt viele Menschen, für die gehört ein Urlaub in einem verschneiten Alpental mit Frost, Schnee und Skifahren zu den Höhepunkten des Jahres. Bei Rocco Schiavone sieht das ein wenig anders aus. Für den Polizisten aus Rom ist seine neue Dienststelle im Aosta-Tal das diesseitige Äquivalent des ersten Vorhofs zur Hölle. Deshalb weigert er sich auch beharrlich, sich den Gegebenheiten anzupassen – und hat dauerhaft gleichermaßen nasse wie kalte Füße.

Mord mit der Ski-Raupe im Aosta-Tal

Dass der Polizist, der schon deshalb keine Zierde seines Berufstandes ist, weil er regelmäßig auch im Dienst bewusstseinserweiternde Drogen konsumiert, wenig begeistert ist, als tatsächlich ein Fall auf ihn wartet, dürfe wenig überraschen. Wie als zusätzliche Strafe für früheres Fehlverhalten wurde ausgerechnet im hochgelegenen Skigebiet ein Toter gefunden, überfahren von einer Ski-Raupe. Schnell stellt sich heraus: Es war Mord. Rocco Schiavone beginnt zu ermitteln und gerät rasch in ein komplexes Gebilde menschlicher Abgründe. Ganz nebenbei muss er sich auch noch mit Menschen- und Waffenhändlern herumschlagen

Antonio Manzini beschreibt Abgründe im Plauderton

Antonio Manzini hat „Der Gefrierpunkt des Blutes“ geschrieben und sich dabei als treuer Vertreter seiner Zunft erwiesen. Italienische Krimi-Autoren haben dieses einmalige Talent, im locker plaudernden Ton über die abscheulichsten Verbrechen zu schreiben. Der Suche nach Mördern und anderen Unholden wohnt in der italienischen Sprache jedenfalls eine ganz besondere Leichtigkeit inne, die mich in Überdosis vermutlich nerven würde, die wohldosiert ein außerordentliches Vergnügen bereitet. Das gilt, weil der letzte italienische Krimi auf meiner Leseliste eine Weile zurückliegt, auch für „Der Gefrierpunt des Blutes“.

Ein unterhaltsames Ensemble in „Der Gefrierpunkt des Blutes“

Der Unterhaltungswert in Antonio Manzinis Krimi ergibt sich in erster Linie durch seine Figuren. Natürlich geht es dabei in erster Linie um den herrlich unkorrekten Ermittler, der trotz seiner permanenten inneren Unzufriedenheit mit seiner Gesamtsituation dann doch noch zur detektivischen Höchstform aufläuft. Manzini hat sich aber darüber hinaus bei für allen Nebendarstellern viel Mühe gegeben, so dass ein sehr unterhaltsames Ensemble zusammengekommen ist. Bei aller Plauderei hat Manzini den Plot nie aus den Augen gelassen, so dass nicht nur ein unterhaltsamer, sondern auch ein spannender Krimi entstanden ist.

Tatort:Aosta-Tal

Für die einen ist es das Paradies, für Antonio Manzini und seinen Ermittler Rocco Schiavone ist das Skifahrerparadies im Norden Italiens eher die Hölle. Zwar erschließt sich beiden die Schönheit der Natur. Was aber Manzini von der Gegend hält, erschließt sich seinem Leser über die Beschreibung der Bergbewohner. Insbesondere die braun gebrannten Ski-Lehrer und Pistenarbeiter bekommen subtil einen mit. Auch ohne große Wintersporterfahrung bekommt der Leser so ein gutes Bild, wie es zwischen Pisten und Liften so zugeht.

Antonio Manzini, Der Gefrierpunkt des Blutes, Rowohlt, 285S., 9,99€, Dezember 2014

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