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Monica Kristensen zeigt „in manchen Nächten“ die Kälte Spitzbergens

Es gibt Tage, da macht es besonders viel Spaß, Bücher über unwirtliche, eiskalte Wintergegenden zu lesen. Dunkle mitteleuropäische Herbst- und Winterabende gehören definitiv dazu. Und wenn es darum so richtig ungemütlich sein, gibt es wohl kaum einen passenderen Ort als den Tatort von „in manchen Nächten“.

Krimi auf Spitzbergen: „In manchen Nächten“

Die Norwegerin Monica Kristensen hat ihren neuen Krimi nach Spitzbergen verlegt, genauer gesagt, geschehen in Barentsburg, der russischen Enklave auf Spitzbergen Mord und Totschlag: Sehr zum Leid von Knut Fjeld, Polizist im Dienste des norwegischen Regierungsbevollmächtigten: Eigentlich möchte der Mann nur in Ruhe seinen Kater, einen von vielen in einer langen Reihe von durchzechten Nächten, auskurieren, da erreicht ihn der Einsatzbefehl.

Ein Mord in Barentsburg

Widerwillig macht sich der Mann nach Barentsburg auf, wo er einen Arbeitsunfall untersuchen soll. Fjeld macht in der russischen Enklave zwei Feststellungen: Erstens: Der Tote starb nicht nach einem Unfall. Zweitens durch eine Verkettung unglücklicher Umstände hängt er selber länger als erhofft in Barentsburg fest.

Ein Bergwerksort als Hauptdarsteller im Kriminalroman

Der kleine Ort im hohen Norden wird schnell zum heimlichen Hauptdarsteller bei Monica Kristensen. In der einstmals blühenden, heute herunter gekommenen Bergbausiedlung scheinen die Uhren in sowjetischen Zeiten stehen geblieben zu sein. Diese ganze Tristesse des Ortes, die Hoffnungslosigkeit der Einwohner beschreibt Kristensen, die einst selber auf Spitzbergen lebte, außerordentlich glaubwürdig und sehr unterhaltsam. Die Krimi-Handlung gerät da beinahe in den Hintergrund, erfüllt aber mit hinreichend vielen Verdächtigen und falschen Fährten ebenfalls alle Anforderungen, die ein Leser an einen Krimi stellt.

Unentrinnbare Einsamkeit als bestes Stilmittel

Die dunklen Tag, die eiskalten Nächte, die unentrinnbare Einsamkeit sind dennoch die größten Stärken des Krimis. Hier liegen vermutlich die Stärken der Polarforscherin und Glaziologin Monica Kristensen, die mehrere Expeditionen ins ewige Eis leitete. Die Beschreibungen der lebensfeindlichen Umwelt bremsen das Tempo, auch sprachlich bleibt „In manchen Nächten“ nicht nachhaltig in Erinnerung. Insgesamt macht der zweite Krimi der Norwegerin aber insbesondere an den eingangs genannten dunkelkalten Tagen viel Spaß.

Tatort:Spitzbergen

Es gibt zwei nennenswerte Städte auf Spitzbergen, Longyearbyen und Barentsburg. Erstere ist norwegisch, wie auch die Inselgruppe, letztere russisch. Beide Städte sind nur etwa 60 Kilometer voneinander entfernt. Eine Straßenverbindung gibt es dennoch nicht. Schiff, Helikopter oder (im Winter) Schneemobil sind die einzigen Möglichkeiten zum Austausch. Fehlt noch der Hinweis: Der Begriff Stadt wird beiden Orten nicht gerecht. In Barentsburg leben heute noch etwa knapp 500 Menschen. Seit dem Niedergang des Bergbaus, vermutlich der einzige Grund, dass im 19. Jahrhundert überhaupt Menschen in die unwirtliche Ödnis gezogen sind, leben die verbliebenen Inselbewohner vom Tourismus. Wer einen Trip auf die Insel überlegt, sollte wissen, dass es dort weder Straßen noch Wanderwege gibt. Auch das Tragen einer großkalibrigen Waffe ist wegen der Eisbären Pflicht. Allerdings muss man, so die Gesetzeslage, erst versuchen, die Raubtiere pazifistisch zu verscheuchen, bevor man ausschließlich in Notwehr schießt. Viel Glück dabei. Die ganze Atmosphäre rund um Eis, Schnee und Bären fängt die ortskundige Monica Kristensen, wie bereits gesagt, sehr gut ein.

Monica Kristensen, In manchen Nächten, btb, 350S., 9,99€, VÖ: November 2013

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