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Karin Slaughters „Harter Schnitt“ ist Thriller und Familiendrama zugleich

Als Karin Slaughter vor mittlerweile einen Dutzend Jahren ihren ersten Thriller veröffentlichte, hob sie das Gruselniveau im Mainstream-Thriller noch einmal deutlich hoch. Ihre Figuren waren noch einmal eine Nuance „fertiger“, die Abgründe noch eine Spur tiefer als in den vergleichbaren Kriminalromanen jener Zeit.  Slaughter leistete sich sogar den Luxus ihren Sympathieträger nach mehreren Bänden umbringen zu lassen.

Neue Dramen für alte Bekannte

Mittlerweile irren die überlebenden Protagonisten seit über zwölf Jahren durch die Verbrecherwelt der amerikanischen Provinz und sind alte Bekannte. Was liegt da also näher, als einen Familienroman zu schreiben. Genau das ist „Harter Schnitt“, der jüngste Roman der US-Amerikanerin, die bislang beinahe jedes Jahr eine Neuerscheinung auf den Markt gebracht hat.

Geiselnahme und Familiendrama in „Harter Schnitt“

Die Polizistin Faith Mitchell muss am Ende einer Fortbildung feststellen, dass Unbekannte ihre Mutter, die ihrerseits eins Polizistin in Atlanta war, entführt haben. Jedenfalls findet sie zuhause ihr Kind eingesperrt in der Garage und in der Wohnung zwei bewaffnete Männer, die einen Schusswechsel mit der wütenden Polizistin nicht überleben sollen. Gemeinsam mit ihrem Ex-Partner Will Trent und der Kinderärztin (und Nebenerwerbs-Pathologin) Sarah Linton – eine Gründungsfigur von Slaughter – beginnt die junge Mutter zu ermitteln. Schnell wird deutlich, dass es nicht nur um eine bloßen Entführungsfall geht. Mitchell muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit und einigen dunkleren Kapiteln im Leben ihrer Mutter auseinandersetzen.

Karin Slaughter inszeniert die Krimi-Themen variantenreich

Karin Slaughter inszeniert ihre Thriller routiniert. Sie schreibt gleichermaßen schnörkellos wie spannend und findet immer wieder interessante Variationen der im Kriminalroman verwendeten Grundthemen Gier, Hass, Eifersucht und kranke Mordsucht. Eine, wenn man so will, strukturelle Konzeption hilft dabei, dass Slaughters Bücher trotz des kurzen Produktionszyklus interessant bleiben:  Die frühe Entscheidung, einen ganzen Satz von Protagonisten und Handlungsorten zu verwenden – und dabei noch regelmäßig die Perspektiven zu wechseln, hilft enorm dabei, Abnutzungserscheinungen, wie man sie bei anderen lang laufenden Serien gelegentlich beobachtet zu vermeiden. Insofern fehlt „Harter Schnitt“ vielleicht der Reiz des Neuen und die ganz große Überraschung, aber insgesamt ist Karin Slaughters neuester Krimi wieder spannende, grundsolide Thriller-Unterhaltung.

Tatort:Atlanta

Die Hauptstadt de Bundesstaates Georgia steht notorisch im Ruf einer eher gesichtslosen Stadt. Sie hat einen großen Flughafen, der eines der größeren Drehkreuze der USA ist und ist Sitz zahlreicher Konzerne von Weltrang – Coca Cola,  UPS und CNN beispielsweise. Viel mehr fällt den meisten Menschen nicht ein, viel mehr verrät auch Karin Slaughter nicht über ihren Tatort im Süden der USA. Sie beschreibt auch eher das Leben im weichen Unterbauch der Gesellschaft, die austauschbar scheinenden Suburbs der Mittelschicht und die Wohnviertel der Unterprivilegierten. Ein Mangel ist das natürlich nicht, ein guter Krimi braucht kein spezifisches Lokalkolorit und Slaughters Stoffe sind ja auch eher als leicht verdauliche Unterhaltung angelegt und weniger als sozialkritische Studien. Dennoch bekommt man, sozusagen im vorübergehen, einiges über den amerikanischen Weg, das Leben zu gestalten, mit.

Karin Slaughter, Harter Schnitt, Blanvalet, 509S., 19,99€ VÖ: 26. August 2013


oder als E-Book: Harter Schnitt: Thriller

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In Karin Slaughters finsterer Provinz gibt es keine Lichtgestalten

 

Bei Karin Slaughter sind die Abgründe besonders tief, die dunklen Seelen extrem düster. Wie kaum eine andere ihrer Generation gräbt sich die junge US-Amerikanerin besonders weit in den schlammigen Teil des Grundes, auf dem die amerikanische Gesellschaft ruht. Seit mittlerweile zehn Jahren schreibt Slaughter Thriller die von kranken Seelen, verwirrten Geistern, religiösen Wahn und bösartigen Menschen bevölkert werden. Das Besondere dabei: All diese Eigenschaften finden sich bei diesen tiefschwarzen Skizzen der US-amerikanischen Provinz nicht nur bei den Tätern. Auch die Ermittler in den Thrillern aus Georgia haben meist zumindest beschädigte Persönlichkeiten.

Wenig Mitleid mit dem Personal
Das, und die Tatsache, dass Slaughter nicht eben rücksichtsvoll mit dem Personal ihrer Romane umgeht, machen den großen Reiz ihrer Thriller aus. Im bislang letzten Werk beispielsweise brachte sie Jeffrey Tolliver, Polizeichef in einem kleinen Nest und bisheriger Hauptermittler, gemein durch eine Rohrbombe ums Leben. Diese Rücksichtlosigkeit sorgt dafür, dass die Thriller trotz einer mittlerweile recht stolzen, langen Reihe keine Abnutzungserscheinungen zeigen, was bei Krimiserien verständlicherweise sonst schon mal passiert.

Eine traumatisierte Ärztin mischt sich ein
Im neuesten, bislang neunten Roman von Slaughter, „Tote Augen“, kann der Leser nun dessen Frau Sara Linton, ehedem Kinderärztin und Leichenbeschauerin, auf dem mühsamen Weg zurück ins Leben beobachten. Linton ist in die nächst größere Stadt gezogen und arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme. Dort schickt ihr die Autorin, damit die Eingliederung nicht zu einfach wird, eine brutal misshandelte Frau ins Behandlungszimmer, eine weitere gleich in die Autopsie. Bei der Untersuchung der lebensgefährlich verletzten und traumatisierten Frau erwachen bei allen Problemen die alten Instinkte und sie beginnt sich in die Ermittlungen einzumischen. Das ist auch dringend nötig, denn die beiden zuständigen Polizisten vom Georgia Bureau of Investigation, Will Trent und Faith Mitchell, bekommen immer mehr ähnlich gelagerte Fälle mit tödlichen Ausgang „auf den Tisch“. Da sie bei ihren Ermittlungen nicht recht vorankommen und zu allem Überfluss schnell klar wird, dass der Täter eine weitere Frau verschleppt und in seiner Gewalt hat, drängt die Zeit – und jede Hilfe ist, wenn schon nicht willkommen, so doch dringend benötigt.

Keine Lichtgestalten in finsteren Wäldern
So wie Sara Linton haben auch Trent und Mitchell ihre Last zu tragen. Es gibt in den dunklen Wäldern amerikanischen Kernlandes eben keine Lichtgestalten.  Im Vergleich zu den Wahnsinnigen und Perversen, die im Auftrag Slaughters die abscheulichsten Verbrechen begehen, wirkt jeder seelische Krüppel – solange er nur die Finger vom Mordwerkzeug lässt – beinahe schon normal.

Kriminalroman mit magnetischer Wirkung

Diese literarisch verarbeiteten Abgründe sind immer wieder ein Fest für Krimileser. Zumindest für diejenigen, die an härterer Kost ihre Freude haben. Der Thrill entsteht schließlich auch dadurch, dass Slaughter die abscheulichsten Untaten mit Phantasie und Liebe zum Detail aufschreibt. Das ist natürlich nicht immer schön, aber die US-Amerikanerin formuliert den Schrecken auch in „Tote Augen“ wieder beinahe schon teuflisch gut, so dass ihre Romanen eine geradezu magnetische Wirkung entfalten. Der Leser findet, wie von einer Kompassnadel gesteuert, immer wieder den Weg zurück und klebt dann unwiderstehlich angezogen an den Seiten.
Tatort:Georgia

In den USA gibt es lange, einsame Straßen durch finstere Wälder, in die kaum ein Mensch je seinen Fuß setzt. Dieses Amerika der Hinterwäldler beschreibt Karen Slaughter in ihren Romanen immer wieder gekonnt. Die Städte wirken anonym, wie glatte, kantenlose Körper, in denen kein Halt zu finden ist, spätestens in den Vororten werden Konturen sichtbar. Hinter den gepflegten Fassaden tun sich Risse auf, die immer tiefer werden, je weiter man sich von den Epizentren städtischen Lebens fortbewegt. Slaughter gewährt ihren Leser einen kurzen Blick hinter diese Risse und die dunklen Räume, die sich dahinter auftun. Die Kunst bei diesen Beschreibungen, die so sorgfältig erdacht sind, liegt darin, dass der Leser aus dem europäischen Ausland nie sicher sein kann, ob der Schrecken der Provinz wirklich allein der Fantasie der Autorin entsprungen ist.

Karin Slaughter, Tote Augen, Blanvalet,

VÖ: November 2011, 19,99€