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Jan Fabers „Der Lobbyist“ – nur teilweise unterhaltsamer Krimi-Durchschnitt

Es gibt einen neuen Krimi von Jan Faber. Der Thriller „Der Lobbyist beschäftigt sich mit den Strippenziehern in den Hinterzimmern der Macht.

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Die besten Krimis 2013: Eine Bestenliste

Es war wieder ein erstaunlich hoher Stapel an Kriminalromanen, durch die ich mich in den vergangenen Monaten hindurchgelesen habe. Auch Dieses Jahr gibt es also wieder einen Überblick mit den meiner Meinung nach besten Krimis des Jahres 2013.

Roger Hobbs: Ghostman

Ein blutjunger Autor schreibt sehr abgeklärt eine herrlich düstere Gangsterballade, um einen Cleaner, der für Verbrechersyndikate aufräumt.

 

Christopher Brookmyre, Die hohe Kunst des Bankraubes

Schön schräg erzählt Christopfer Brookmyre seine Räuberpistole um ein raffiniertes Verbrechen und einen Rachefeldzug im schottischen Glasgow.

Jan Faber, Kalte Macht

Einen hübschen Einblick in den Unterleib Berliner Politik gewährt uns Jan Faber. Genau so intrigant und verdorben möchte man sich das Leben rund um Reichstag und Kanzleramt vorstellen.

Harald Gilbers, Germania

Der Titel ist eine Mogelpackung. Der Krimi dahinter, der in der Zeit des Nazi-Terrors spielt,  spannend erzählt und gut erdacht, ein Vergnügen für alle, die historisch angesiedelte Krimis mögen.

Massimo Carlotto, Die Marseille-Connection

Wenig Hoffnung lässt Massimo Carlotto seinen Lesern in der Marseille-Connection: Banden regieren bis dicht unter eine bürgerliche Oberfläche die Welt, und die Polizei unterscheidet sich nur graduell von den Verbrechern, die sie jagen soll.

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Bei Jan Fabers „Kalte Macht“ wirkt jedes Haifischbecken wie ein Streichelzoo

Politik ist ein mörderisches Geschäft Das muss auch die junge Politikerin Natascha Eusterbeck erkennen, als zur parlamentarischen Staatssekretärin im Bundeskanzleramt berufen wird. Die Kanzlerin möchte, dass die Mittdreißigerin vordergründig die Effizienz der Stäbe und Abteilungen untersucht, ihr zweiter, hochvertraulicher Auftrag lautet, dass sie mit dem Blick der Außenstehenden das Kanzleramt auf versteckte Seilschaften und Netzwerke untersucht.

Verschwörung im Kanzleramt

Eusterbeck macht sich an die Arbeit und muss schnell erkennen, dass im Vergleich zur deutschen Machtzentrale jedes Haifischbecken ein Streichelzoo ist. Die Nachwuchspolitikerin wird bespitzelt, bedrängt, bedroht. Schnell wird der Frau klar, dass sie sich auf ein lebensgefährliches Spiel eingelassen hat. Schnell deckt sie aber auch eine gigantische Verschwörung auf, in die die hochrangigsten Politiker Deutschlands verstrickt sind.

Ein Mann, den der Verlag „Jan Faber“ nennt, hat „Kalte Macht“ geschrieben. Angeblich kennt selbst der Verlag den Autoren nicht, es soll sich um einen „Berater mehrerer hochrangiger Regierungsmitglieder“ handeln, vermutlich aber ist es ein politischer Korrespondent eines Nachrichtenmagazins oder einer nationalen Tageszeitung.  Die Tarnung vermutlich ein Schachzug der Marketingabteilung, die denken sich solche kreativ-originellen Ideen  ja gerne mal aus.

UnterhaltsameParallelen zur wirklichen Welt bei Jan Fabers Kalte Macht

Die Ähnlichkeit mit lebenden Politikern ist jedenfalls beabsichtigt und nur mit einem hauchdünnen Schleier kaschiert. Die in „Kalte Macht“ namenlose Kanzlerin ist selbstverständlich Angela Merkel, der Finanzminister sitzt zwar nicht im Rollstuhl, ist aber dauerhaft versehrt und entsprechend humorlos, der Kanzleramtsminister wiederum ist ein ausgemachter Widerling, der auch deshalb an Roland Profalla erinnert.

Präziser Blick in den Maschinenraum der bundesdeutschen Macht

Die Ähnlichkeit mit lebendenden Personen, der glaubhafte Einblick ins Kanzleramt, macht jedenfalls den Reiz von „Kalte Macht“ aus. Die Beschreibungen aus dem „Maschinenraum der Politik“, die Präzision, mit der Jan Faber (wir behalten Autorennamen mal bei) das Innenleben des Kanzleramtes seziert, fesseln den Leser so nachhaltig, als sei er der Kanzlerin, die spinnenhaft im Inneren des Amtes sitzt persönlich in ihr Netz gegangen.

Mord an Alfred Herrhausen als Grundlage des Plots für „Kalte Macht“

Jan Faber vermag es, in bester US-amerikanischer Thrillertradition, seine Handlung mit höchstem Tempo voranzutreiben, zumindest über zwei Drittel der knapp 450 Seiten liefert einen mitreißenden Plot ab, der ohne großes Vorgeplänkel beginnt und dann rasant an Fahrt aufnimmt. „Kalte Macht“ hat allerdings eine (eigentlich eher zwei) Schwäche. Faber konstruiert einen politischen Mord, an einem hochrangigen Banker, und leiht sich den Mord an Alfred Herrhausen, der 1989 bei einem Bombenattentat starb. Hier wird die Nähe zur Realität zum Problem. Jan Faber hängt zwar unter anderem einem Altkanzler die Mitwisserschaft an, kann sich dann aber doch nicht ganz dazu durchringen, die Geschichte konsequent zu Ende zu denken. Jedenfalls kommt es dann doch zu einem gewöhnlichen Show-down wie aus einem US-Spionage-Thriller der 70er Jahre.  Das funktioniert, springt aber unter der Latte durch, die Faber sich mit seiner Idee selber gelegt hat. Es scheint, als sei dem Mann am Ende leicht die Puste ausgegangen, auch einige Spuren, die er zuvor gelegt hat, versanden. Insgesamt ist „Kalte Macht“ trotz kleinerer Schönheitsfehler eine absolut lesenswerte Krimi-Entdeckung.

 

Tatort: Berlin

Die Bundeskanzlerin bewohnt einen Trakt im 7. Stock des Bundeskanzleramtes, einige „unwichtigere“ Staatssekretäre ebenfalls, allerdings im anderen Flügel. Vieles von dem, was Jan Faber schreibt, kann man vermutlich auch so recherchieren, seine Kenntnis der Detail lassen aber vermuten, dass er dort zumindest einmal eine besondere Tour erhalten hat, seine Kenntnis aus dem Bundespresseamt und die Tatsache, dass er ausgerechnet diesen Dienst besonders genau beschrieben hat, deuten auf den journalistischen Hintergrund des Mannes hin. All das, was Jan Faber beschrieben hat, hätte ich als Journalist mit Erfahrungen im politischen Betrieb in einer ähnlichen Detailgenauigkeit beschreiben können. Das soll die Arbeit von Jan Faber nicht schmälern, höchstens einen Hinweis auf den Autoren als Teil des Berliner Korrespondentennetzwerkes liefern. Ansonsten beschreibt Faber punktuell die Lebensmittelpunkte Berliner Politik. Ja, sie gehen gerne ins Borchhardt, und ja sie wohnen irgendwo in Mitte, möglicherweise direkt an den Hackeschen Höfen, und nein, es wundert nicht, dass die politische Kaste (und das meint Politiker wie Korrespondenten gleichermaßen) dann nicht so ganz genau weiß, wie es das Leben in Berlin so spielt.

Jan Faber, Kalte Macht, Page&Turner, 444S., 19,99€, VÖ: 15. Juli 201

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