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Seine beste Idee lässt Jörg Liemann in Blutige Spuren links liegen

Der Auftakt ist vielversprechend.  Die Portugiesin Maria Isabel Dacosta kurvt voller Sehnsucht nach portugiesisch-brasilianischer Lebensfreude sentimental aufgeladen durch die trübe Berliner Nacht. Ohne ersichtliche Eile, aber zielgerichtet nähert sie sich einem Tatort, schließlich ist sie Polizistin im Einsatz. In einer Villa am Stadtrand trifft sich zunächst auf Probleme in Gestalt eines unkooperativen BKA-Beamten und kurz darauf auf Spuren, die auf eine grausam verstümmelte Leiche deuten.

Ein durchschnittlicher Kommissar mit Nebenberuf

Leider, so muss man sagen, rückt die interessante Erscheinung Dacosta schnell in den Hintergrund. Sie ist lediglich Teil eines Ermittlerteams um Kommissar Kai Sternenberg. Der ist bedauerlicherweise der mittlerweile übliche durchschnittliche Mann in besten Jahren mit einem psychologisch „interessanten“ Nebenerwerb, unerklärten Problemen und einer deutlich jüngeren Geliebten.

Jörg Liemann hat wenig mehr als eine gute Idee

Leider,  so muss man weiterhin sagen, bleibt es in Jörg Liemanns „Blutige Spuren“ bei der einen interessanten, nicht wirklich ausgearbeiteten Idee. Natürlich gibt es einen furiosen Auftakt mit zahlreichen, mysteriösen Toten, die gelinde gesagt kuriose Biografien aufweisen.  Völlig unterschiedliche Charaktere und ein verwirrender Tatort im Grunewald stellt die Ermittler zunächst vor einige Rätsel. Irgendwann bilden sich aus Handlungssträngen Zusammenhänge, aber wirklich nachvollziehbar verläuft die Geschichte nicht

Insgesamt ist „Blutige Spuren“ ein eher durchschnittlicher Krimi mit einem wenig überzeugenden Plot und wenig durchkonstruierten Ideen. Auch wenn es vermutlich Geschmackssache ist, wirken Kriminalromane, die Dialoge in Dialekt wiederzugeben, immer leicht provinziell. Das gilt für Berlinerisch genau so wie für fränkische oder sonstige Mundarten.

 

Tatort:Berlin

Bei ihren Streifzügen durch Berlin lassen sich, da ist „Blutige Spuren“ einigermaßen glaubwürdig, die Wege der Polizisten einigermaßen nachvollziehen. Die ganze Hauptstadt wird dabei zum Spielplatz der Kriminalisten: Vom Grunewald über Reinickendorf und Spandau bis nach Schöneberg reicht das „Revier“ der Polizisten. Dennoch bleibt die Hauptstadt in den Schilderungen Jörg  Liemanns einigermaßen blass. Das aber ist bei aller Kritik legitim, schließlich darf die Kulisse im Krimi, wenn der Ort für die Handlung nicht gerade eine zentrale Rolle spielt, dezent im Hintergrund bleiben.

Jörg Liemann, Blutige Spuren, Goldmann, 8,99€, VÖ: 18. März 2013