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Wohl eher ein Versehen als ein Krimi: Lia Nordens „Der Schatten eines Sommers“

Ausnahmsweise muss ich mal von der Lektüre eines Buches abraten. „Die Schatten eines Sommers“ habe ich offen gestanden nur zu Ende gelesen, weil ich in diesen Tagen im Ausland und damit vom Nachschub abgeschnitten bin. Vermutlich bin ich aber auch nur nicht die Zielgruppe.  Lia Norden, so das „Pseudonym“ eines weiblichen Autorenteams hat wohl einen Krimi geschrieben, der sich an ein rein weibliches Publikum wendet.

Das merkwürdige Werk eines Autorinnenteams

Dabei ist die Idee gar nicht so blöd Drei Autorinnen schreiben die Geschichte aus der Sicht von drei Frauen, Freundinnen aus Jugendtagen genauer gesagt, fort. Damit ergibt sich ein andauernder Perspektivwechsel. Was sehr reizvoll sein kann: Zwei Italiener haben das vor einiger Zeit mal gemacht. Da war das eine nette intellektuelle Fingerübung.

Ein Verbrechen in der norddeutschen Provinz?

Hier treffen drei Freundinnen in der norddeutschen Provinz aufeinander, nachdem die vierte im Bunde zu Grabe getragen werden muss. Ob sie nun freiwillig aus dem Leben schied, ein Unfall passierte oder jemand nachgeholfen hat, bleibt vorerst offen: Klar ist jedoch, dass die vier ein dunkles Geheimnis aus ihrer Jugend verband.

Kein Tempo, kein Plot, wenig Abgründiges bei Lia Norden

Wie ich darauf komme, dass das ein Frauenbuch ist? Nun, ich habe selten in einem Buch so viel  über durchgeschwitzte Blusen, problematische Rocklängen und krümeligem Lippenstift gelesen, vorgetragen in inneren Monologen. Diese Monologe wurden angereichert mit pseudo-tiefsinniger Selbstbespiegelung über misslungene oder gelungene Lebensentwürfe mit Beruf, Mann und Kindern.  Alles nicht so meine Themen. Uns ob nun richtige Zielgruppe oder nicht: Ich fand das ganze offen gestanden nur mäßig spannend. Kein Tempo, kein Plot, wenige Abgründiges. Das wird auch klugen Frauen nicht gefallen.

Tatort:Malente

Die Tote, zu deren Beerdigung sich die ehemaligen Freundinnen treffen, hatte sich in einem See bei Malente ertränkt. Viel Liebe für die Provinz haben die Autorinnen nicht. Viel über die Gegend erfährt man nicht, abgesehen davon, dass sie abgelegen ist. Aber die Menschen, die dort leben, sind offenbar sämtlichst bösartig oder unterbelichtet – oder gar beides. Das könnte lustig sein, wenn es überzeichnet wäre. Ist es aber nicht. Also erfährt man jenseits von Stereotypen nichts über den Ort der Handlung.

Lia Norden, Die Schatten eines Sommers, Rowohlt, 251S., 9,99€

VÖ: Mai 2013