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Das Hexenmädchen von Max Bentow: Düsterer Thriller mit leichtem Déjà-vu-Effekt

Zu Beginn läuft es nicht gut für Nils Trojan, Kriminalkommissar in Berlin. Der arme Mann, seit Jahren von Panikattacken geplagt, bricht ausgerechnet vor seiner Tochter zusammen. Die Halbwüchsige verfrachtet ihren Vater ins Krankenhaus, wo er von den Ärzten belächelt den Abend in eine Tüte atmend verbringt. Die Angst bleibt beherrschendes Thema in Trojans Leben, bis – und da wäre es interessant zu wissen, ob sein geistiger Vater, der Schriftsteller Max Bentow, da eine gewisse Absicht verfolgt – der deutsche Polizeibeamte, sich mit seiner Ex-Frau einen Joint gönnt. Es wäre ja, sollte ein Plan des Autors dahinter stecken, mal ein origineller Therapie-Ansatz: Jedenfalls spielt nach der kleinen Episode mit der Ex die Angst keine Rolle mehr in „Das Hexenmädchen“.

Max Bentow verwandelt gekonnt verlorene Seelen in Serienmörder

„Das Hexenmädchen“ ist seit seinem Debüt mit „Der Federmann“ mittlerweile der vierte Triller von Max Bentow. Der schreibende Schauspieler besetzt mit seinen Büchern das Genre des Psychothrillers. Es sind besonders gestörte Figuren, die die Romane des Berliners bevölkern. Von Traumata getrieben, verwandeln sich immer wieder verlorene Seelen in Serienmörder.

Kommissar Nils Trojan ermittelt in „Das Hexenmädchen“

Diese Düsternis eines Lebens am Abgrund fängt Bentow auch in seinem neuesten Krimi wieder gut ein, ihm gelingt erneut ein Plot, der eine magnetische Wirkung hat. In „Das Hexenmädchen“ werden gleich zu Beginn drei Tote gefunden, denen gemein ist, dass sie grausam verstümmelt wurden. Genauer gesagt, wurde ihnen mit einem glühend heißen Ofen das Gesicht verbrannt. Außerdem verschwinden rasch zwei Kinder. Der Zusammenhang zwischen den „Ofen-Toten“ ist leicht hergestellt, erst Nils Trojan beginnt zu ahnen, dass auch das Verschwinden in einem Zusammenhang stehen könnte. Die Ermittler geraten unter Druck, weil sie fürchten müssen, dass es mit jedem Tag mehr Tote werden können.

„Das Hexenmädchen“, düsterer Thriller mit Lichtblicken an den richtigen Stellen

Für „Das Hexenmädchen“ von Max Bentow gibt es zwei Einschätzungen. Wenn man das Buch für sich nimmt, ist es ein spannender Psychothriller, gut konstruiert, spannend geschrieben, mit hinreichend kaputten Gestalten, die dem geneigten Krimileser einen wohlig gruseligen Schauer durch die Nackenhaare treiben. Allerdings gönnt der Autor seinem Ermittler bei allen Problemen immer seine persönliche (halbwegs) heile Welt. Dass die Finsternis am Ende nicht siegt, ist natürlich schön, für einen richtig düsteren Psychothriller aber auch ein Problem. Bentow bewahrt aber hier die richtige Balance, dass die gelegentliche Lichtblicke glaubhaft, aber nicht kitschig wirken.

Ein kritisches Wort: Bentow gönnt seinen Figuren leider keine Entwicklung

Die zweite Einschätzung zum „Hexenmädchen“ fällt ein wenig kritischer aus. Bentow hat sein Rezept gefunden und ändert es – leider – nicht ab. So entsteht beim Leser, der mehr als einen der Bände Bentows gelesen hat, der Eindruck, der Berliner habe eine Blaupause, die er über neue Manuskripte legt, um dann nur noch bekannte Muster nachzuzeichnen. Das mag den Seltenleser nicht stören, aber der Vielleser in der Kriminalliteratur wird sich angesichts der Fülle der Konkurrenz ein ständiges Déjà-vu nicht antun wollen. Dass es mit ein und derselben Hauptfigur abwechslungsreich geht, haben unter anderem die Schweden Sjowall/Wahlöö (MartinBeck, zehn Bände) oder der Niederländer Robert van Gulik (Richter Di, 15 Bände) gezeigt. Vielleicht ist der Vergleich mit Ausnahmeerscheinungen der Kriminalliteratur, die ihren Figuren massive menschliche und biographische Wandlungen gegönnt haben, ungerecht, aber wer Serien anlegt, muss sich auch daran messen lassen, ob er seine Protagonisten weiterentwickelt: Und hier hat Max Bentow bei aller Sympathie für die einzelnen Folgen Schwächen.

Max, Bentow, Das Hexenmädchen, Page&Turner, 381S, 14,99€, VÖ: Juli 2014

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„Die Totentänzerin“: Max Bentows Kommissar ist mittlerweile ein alter Bekannter

Irgendjemand in Berlin hat etwas gegen Liebespaare, insbesondere dann, wenn der Mann deutlich älter ist als die Frau. Jedenfalls wird Kriminalkommissar Nils Trojan von Tatort zu Tatort getrieben. Immer wieder findet er dort ermordete Paare, sorgfältig wie zum Liebesspiel drapiert. Nur, dass den Männern der Schädel eingeschlagen wurden und die Frauen einen langsamen, qualvollen Tod starben.

Max Bentow zieht in „die Totentänzerin“ eine blutige Spur durch Berlin

„Die Totentänzerin“ heißt der dritte Fall von Max Bentow. Wie bei „der Federmann“ und „die „Puppenmacherin“ geht es wieder hoch her in Berlin. Eine dicke Blutspur zieht sich durch die Stadt. Dieses Mal scheint sie sogar im Kommissariat von Nils Trojan zu enden. Die Frau seines Chefs jedenfalls, verhält sich außerordentlich merkwürdig, hat wiederholt Erinnerungslücken und lässt sich spielend mit den Tatorten in Verbindung bringen. Aber ist sie auch eine Mörderin? Trojan und sein Team ermitteln – und geraten bald selber in Gefahr.

Spannend geschrieben, unterhaltsam trotz insgesamt blassen Personals

Mit dem dritten Band präsentiert Max Bentow mittlerweile beinahe einen alten Bekannten. Die Thriller des unter Pseudonym schreibenden Schauspielers bleiben dabei zwiespältig. Die Handlung wird mit höchster Geschwindigkeit vorangetrieben, das sorgt für Spannung und hält den Leser bei der Stange. Dabei hilft auch Bentows klare, einfache, dabei aber nicht simple Sprache.  Mir persönlich fehlt aber bei der Begründung für den Plot, bei der Psychologie, wenn man so will, der Tiefgang. Der gehört aber bei einem Krimi, der sich Psychothriller nennt, dazu. Auch bleiben die Figuren, die „die Totentänzerin“ bevölkern weiter blass. Bentow variiert die Konturen, die er seinen Darstellern bei seinem Debüt „der Federmann“ verlieh, nur minimal, er setzt nur zwei (Therapeutin/Freundin und Tochter) Seitenstränge fort.

Guter Krimi-Stoff für einen Sofa-Nachmittag

Mit dem handelnden Personal bleibt aber auch „die Totentänzerin“ insgesamt leicht oberflächlich. Als leichte Sonntagnachmittagslektüre für die beginnenden nasskalten Herbsttage ist der Krimi dabei dennoch gut geeignet. Gut lesbar, schnell konsumierbar, ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Für einen Nachmittag auf dem Sofa ist das, ähnlich einem ordentlichen Hollywood-Actionfilm, völlig in Ordnung.

Max Bentow, Die Totentänzerin, Page&Turner, 379S., 14,99€ VÖ: 2. September 2013

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Max Bentow schreibt gut, aber bei sich selber ab

Der Kommissar hat massive Probleme. Er laboriert noch an einer Verletzung, die er sich beim seinem letzten spektakulären Fall zuzog, er hat Schwierigkeiten, seine Dienstwaffe abzufeuern und er wird nachhaltig von schweren Panikattacken gejagt.  Es ist, kurz gesagt, ein Rätsel, wie Nils Trojan diensttauglich geschrieben werden konnte. Da der Berliner Polizist eine Romanfigur ist, geht das aber schon mal.

Max Bentow lässt mit Bauschaum morden

Der Versuch der Reintegration ins Arbeitsleben wird jedoch durch eine neue Mordserie unterbrochen. Ein perfider Mörder erschleicht sich das Vertrauen junger Frauen, lockt sie in ihr Verderben und tötet sie, indem er sie in einen Kokon aus Bauschaum hüllt. Nils Trojan erkennt schnell Parallelen zu einem Fall aus der Vergangenheit, bei dem der Täter seine Opfer ebenfalls in einem Sarkophag aus dem klebrigen Baumaterial grausam ersticken ließ. Das Problem: Der damals Verdächtige kam bei einer Verfolgungsjagd ums Leben, kommt also für die jüngsten Taten nicht in Frage. Es beginnen mühsame Ermittlungen und der getriebene Kommissar begibt sich einmal mehr in Gefahr.

Interessantes Personal

Eigentlich hat Max Bentow mit seinem zweiten Kriminalroman nach „Der Federmann“ alles richtig gemacht. Auch „Die Puppenmacherin“ ist spannend erzählt, folgt einem krimi-tauglich komplexen Plot und nimmt hinreichend überraschende Wendungen. Auch das Personal aus Opfern, Verdächtigen und Zeugen ist interessant ausgewählt und gezeichnet.

Leider entwickeln sich die eigentlichen Hauptfiguren nicht weiter. Nils Trojan kämpft weiter gegen seine Panikattacken, um den Zugang zu seiner Tochter und die Beziehung zu seiner Therapeutin Jana Michels. Genauer gesagt scheint sich der Kommissar im Kreis zu bewegen: Nun könnte man sagen, so ist eben das Leben, aber auch in der Kriminalliteratur freut man sich doch über Fortschritt.

Kopie eines Erfolgsrezeptes

Ein wenig kommt so der Eindruck auf, als habe Max Bentow sein persönliches Erfolgsrezept für einen Krimi gefunden und einfach kopiert. Das ist geschäftstüchtig, trägt aber nicht sehr weit (zumal das Thema – ein wahnsinniger Massenmörder – ebenfalls aus dem Erstling übernommen wurde). Das Gesamtbild des zweiten Falls um den Berliner Kommissar stellt sich also zwiespältig dar. So spannend die Puppenmacherin erzählt ist – spätestens beim nächsten Band, sollte es eine weiter Fortsetzung geben, würde man dann doch eine neue Idee, einen weiteren Einfall erwarten.

 

Tatort:Berlin

Wie schon im ersten Band radelt der Kommissar wieder durch Berlin, bewegt sich dabei aber überwiegend in der südlichen Hälfte der Stadt. Interessant dabei ist, dass die unsichtbare Linie, die weniger Ost und West, als vielmehr Nord und Süd trennt, sich auch in der Kriminalliteratur wiederfindet. Der Innenstadtgürtel mit Bürotürmen und Einkaufsstraßen der sich von Ku’damm über Potsdamer Platz und Unter den Linden bis zum Alexanderplatz zieht, wirkt wie ein Deich zwischen Nord und Süd. Nur selten gelangen die Bewohner der jeweiligen Hälften auf die andere Seite.

Max Bentow, Die Puppenmacherin, Page&Turner, 382 S., 14,99€, VÖ: Juli 2012

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„Der Federmann“ von Max Bentow ist ein rundum gelungenes Debüt

Es gibt Krimis, die überzeugen durch ihren raffinierten Plot. Andere begeistern, weil sie durch die Eleganz der Sprache auffallen, wieder andere, weil sie gesellschaftliche Zustände erklären und mehr sind „mehr“ als ein Kriminalroman. Und dann gibt es da noch die Krimis, von denen man noch nicht einmal genau sagen kann, was ihre außerordentliche Faszination ausmacht, die man aber nicht zur Seite legen kann, bis man die Auflösung erfahren hat.

Ein Plot mit sehr hohem Tempo

„Der Federmann“ von Max Bentow gehört in diese Kategorie. Das ist deshalb bemerkenswert, weil diese „Pageturner“  in der Regel im angelsächsischen Raum entstehen. In den USA und Großbritannien verstehen sich die Autoren darauf, Bücher zu schreiben, die den Plot mit einem extremen hohen Tempo vorantreiben und dabei eine enorm fesselnde Spannung entwickeln. Alles andere wird dem untergeordnet.

Dass Max Bentow einen Thriller geschrieben hat, der diese Merkmale aufweist, spricht für die Qualität des neuen Autoren auf dem Krimimarkt.

Jagd nach einem Serienmörder

Die Geschichte ist eher dabei eher einfach. Ein Serienmörder geht in Berlin um und ermordet Frauen. Der Täter geht äußerst brutal vor, foltert und verstümmelt seine Opfer. Am Tatort hinterlässt der Mörder zudem stets einen toten Vogel.  Kommissar Nils Trojan beginnt zu ermitteln und gerät bald selber in das Visier des Serienmörders. Das ist zugegeben nicht sehr originell, aber in diesem Fall außerordentlich gut erdacht.

Auch der „Federmann“ kann seine Heimat nicht völlig verleugnen. Deutsche Krimis der jüngsten Zeit weisen zwei eher merkwürdige Gemeinsamkeiten auf. Die Autoren neigen zu deutscher Gründlichkeit und beschreiben bis ins letzte Detail. Außerdem haben die Ermittler oder ihre Angehörigen, seltene, extrem merkwürdige Krankheiten. Vermutlich liegt beides daran, dass die Autoren häufig Journalisten sind und Belege ihres angelesenen Wissens und ihrer gründlichen Recherche abliefern müssen. Leider geht das allzuoft zu Lasten des Tempos.

Typisch deutsch?

Auch Max Bentow erliegt (teilweise) dieser doppelten Versuchung. Am Anfang verliert er sich bei seinen Szenen in zu viele Details und sein Kommissar leidet unter einer Angststörung mit regelmäßigen Panikattacken. Deshalb besucht der Polizist sogar eine Therapeutin. Hier enden die Gemeinsamkeiten mit anderen deutschen Krimis. Der „Federmann“ nimmt spätestens ab dem zweiten Viertel gewaltig Fahrt auf, und die Leiden des Kommissars und der Gang zur Therapeutin sind wichtiger Bestandteil der Handlung. Hier hat die erdachte Krankheit der Hauptfigur tatsächlich einen literarischen Sinn.

„Der Federmann“ ist ein gelungenes Debüt: Ungewöhnlich spannend und bis zum Schluss fesselnd. Die Ankündigung der PR-Strategen des Verlages, das ein Roman den Auftakt zu einer „neuen Krimiserie“ bilde, muss ja leider allzu oft als Drohung verstanden werden. Bei Max Bentow stimmt das den Krimi-Leser tatsächlich neugierig.

 

 

Tatort:Berlin 

Max Bentow, eigentlich Schauspieler und Dramatiker ist Berliner. Er kennt also seine Stadt. „Der Federmann“ spielt im südlichen Zentrum der Hauptstadt. Schöneberg, Kreuzberg, Neukölln sind die Zentren des Romans. Der Kommissar bewegt sich mit dem Fahrrad durch die Straßen, die Wegbeschreibungen sind so genau, dass man die Wege, die der Ermittler nimmt, problemlos nachfahren könnte. Der Mittvierziger Bentow fängt die Stimmungen, die in den jeweiligen Kiezen zu spüren ist, gut ein. Die intellektuelle Bürgerlichkeit Schönebergs ist genau so glaubwürdig wie der Völkergemisch Kreuzbergs und die latenten Hoffnungslosigkeit das beinahe schon Stadtrandbezirkes Neukölln. Das Berlin Bentows zeigt einen realistischen Querschnitt. Es ist weder die Hochglanzmetropole der Neuen Mitte noch das Elendsquartier der Plattenbauten – und auch das ist, angesichts dessen, was mit Berlin in den vergangen Jahren literarisch bisweilen veranstaltet wird, sehr sympathisch.

Max Bentow, Der Federmann, Page&Turner, 14,99€

VÖ: 8. August 2011