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Thomas Thiemeyers Valhalla: nette Zutaten, lieblos zusammengerührt

Die Ideen sind nicht schlecht. Alle, die historische Krimis und die dazu passenden Themen mögen, werden einen Roman, in dessen Zentrum eine vergessene Germanen-Stadt und eine fiese Naziverschwörung stehen, nicht sofort weglegen. Zumal dann nicht, wenn im Zentrum eine Archäologin steht.

Eine mythische Ruinenstadt bleibt in „Valhalla“ bloße Kulisse

Die Zutaten, die Thomas Thiemeyer für seinen Krimi „Valhalla“ zusammengesucht hat sind also nicht schlecht. Leider, so muss man sagen, hat der Autor seine Themen bei seiner Arbeit eher lieblos zusammengerührt. Er führt eine versunkene Stadt ein, das mythische Hyperborea. Allerdings bleibt die Stadt, die Thiemeyer unter einem Gletscher auf Spitzbergen versteckt, bloße Kulisse, wirklich interessantes erfährt der Leser nicht über die Jahrtausende Stadt unter dem Eis. Genau so bleibt die Geschichte mit den Nazis, die während ihrer Herrschaft sich heimlich auf Spitzbergen festsetzten, um dort ihre gruselige Forschung vor den Augen der Welt zu verstecken.

Protagonisten mit stereotypen Eigenschaften

Leider bleiben offen gestanden auch die Protagonisten blass. Regelmäßige Thiemeyer-Leser werden die Archäologin Hannah Peters kennen. Die Forscherin reist im Auftrage eines reichen Medienunternehmers um die Welt, um alle möglichen Artefakte zu besorgen. Dazu umgibt sich Peters mit einem kleinen Team von Abenteurern, die jeweils eine bestimmte, benötigte Qualifikation aufweisen. Auch diese Idee ist eigentlich hübsch, bleibt aber wirkungslos, weil die Charakterisierungen eher Stereotyp erscheinen.

Auf der Suche nach einem geheimnisvollen Virus

Jedenfalls reist die Gruppe nach Spitzbergen, um herauszufinden, wie genau eine andere Forschergruppe in der Ruinenstadt ums Leben kam. Bei der Suche geraten sie ins Kreuzfeuer russischer Bösewichte, die versuchen, einen tödlichen Virus, den einst die Nazis im mutmaßlichen Hyperborea entwickelt hatten, sich unter den Nagel zu reißen.

Mehr Abenteuerroman als Krimi

Klingt nach Indiana Jones? Ist vermutlich auch Absicht. Ein wirklicher Krimi oder Thriller ist „Valhalla“ nämlich nicht. Man könnte ein gewisses Spannungsmoment hervorheben, wenn die ganze Geschichte so ärgerlich oberflächlich wäre. „Valhalla“ liest sich, als habe der Autor, der laut Klappentext unter anderem bereits als Kinderbuchautor erfolgreich ist, den Verkauf der Filmrechte an einen privaten Fernsehsender fest im Blick gehabt und alle Ecken und Kanten, die einem einfachen Seherlebnis im Weg stehen könnten, gleich selber abgeschliffen.

Thomas Thiemeyer, Valhalla, Knaur, 512S., 19,99€, Juni 2014,

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